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Wurzen Brandiser Hauptstraße – eine Holperpiste
Region Wurzen Brandiser Hauptstraße – eine Holperpiste
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06:15 01.09.2018
Altstadtpflaster in der Hauptstraße: Für ältere Menschen mit Rollator oder Fahrradfahrer ist der unebene Straßenbelag eine Herausforderung. Quelle: Ines Alekowa
Brandis

Wie kann die Brandiser Hauptstraße seniorenfreundlicher gestaltet werden? Diese Frage treibt den Brandiser Seniorenbeauftragten Joachim Kühnel schon seit Längerem um. Im Technischen Ausschuss präsentierte er jetzt erste Vorschläge.

Die Einkaufsmeile zwischen Markt und Grimmaischem Platz ist mit kleinen Natursteinen mit grober Oberfläche gepflastert. Auf der Kreuzung von Hauptstraße, Garten- und Windmühlengasse kommt noch eine hohe Aufpflasterung hinzu, ein „extremer Bereich“. Als die Straße vor 20 Jahren saniert wurde, wählte der Stadtrat dieses Pflaster, weil es dem Altstadtcharakter entsprach, in Garten- und Schulgasse knüpfte man später daran an.

Senioren quälen sich auf dem Pflaster

Inzwischen aber sind immer mehr ältere Leute mit Rollator unterwegs. „Mir ist aufgefallen, wie sich die Senioren auf dem Pflaster abquälen“, teilte Kühnel seine Beobachtungen mit. „Die Erschütterungen belasten vor allem Handgelenke und Schultern – ich habe es selbst ausprobiert –, vor allem wenn die Senioren sich beim Fahren auf den Rollator stützen müssen.“ Eine alte Dame aus dem Pflegeheim in der Bergstraße verzichte inzwischen auf den Gang ins Zentrum, weil sie die Belastung nicht mehr aushalten könne, berichtete Kühnel. „Dabei sollen die älteren Menschen doch auch mal in die Stadt gehen und Leute treffen können.“

Verbesserung durch Beschichtung

Einen Streifen Pflaster abzuschleifen, scheide als zu teuer aus, hat Kühnel eruiert. Im Internet stieß er auf eine Firma, die eine Beschichtung mit Epoxidharz anbietet, die passende Farbgebung entsteht durch Beimischung gemahlenen Natursteins. „Meine Vorstellung wäre, einen meterbreiten Streifen damit zu versehen und eine Markierung aufzubringen, damit auf dem Streifen keine Autos abgestellt werden“, schlug er vor. Für die 260 Meter lange Straße würde das 54000 Euro kosten. „Viel Geld“, räumte Kühnel ein, „aber mit dem Harz könnten wir die Wirkung erzielen, die wir wollen.“ Diese Beschichtung habe zudem den Vorteil, dass sie auch mal ausgebessert werden könne.

Vorbehalte im Ausschuss

Trotzdem hatten einige Ausschussmitglieder Vorbehalte. Roland Eibeck (CDU) störte sich an einer weiteren Einschränkung der Parkmöglichkeiten. Darüber habe man erst zu Jahresbeginn heftig diskutiert, erinnerte er und wiederholte damals geäußerte Befürchtungen, daraus könne weiteres Händlersterben resultieren. „Ob die Innenstadt stirbt oder sich weiterentwickelt, ist nicht abhängig von Parkplätzen, sondern vom Warenangebot“, hielt Uwe Engel (Linke) dagegen. Zum Bäcker könne man auch mal laufen. Für ihn war unstrittig, dass in der Hauptstraße etwas getan werden muss. „Was wir haben, ist Mist. Auch Radfahrer kriegen hier ’nen Föhn.“ Damit verleide man im Moment gleich mehreren Gruppen die Innenstadt. Das, betonte er, sei „für die Einzelhändler extrem kontraproduktiv“. Allerdings habe er zu der Harz-Variante kein Vertrauen, denn das Pflaster unterm Harz arbeite. Besser sei, gesägtes Pflaster wie in der Windmühlengasse zu verwenden. Knut Wießner, als sachkundiger Bürger im Ausschuss, pflichtete ihm bei. Er empfahl, bei einer Lösung auch andere Behinderungen gleich mit zu beachten.

Bürgermeister für nachhaltige Lösung

Auch Bürgermeister Arno Jesse (SPD) sah „die Notwendigkeit zu handeln, aber noch keine überzeugende technische Lösung“. Er schlug vor, in den nächsten Doppelhaushalt 2019/20 die Planung für eine nachhaltige Lösung aufzunehmen. Die könnte jedoch 54000 Euro deutlich übersteigen. Allerdings hat die Stadt auch noch drei Jahre, um das Geld dafür anzusparen – dann nämlich erst endet die Fördermittelbindefrist, in der in der Straße nichts verändert werden darf. Engel plädierte dafür, Kühnels Variante inzwischen anderswo zu testen: „Wir haben genug unebene Ecken.“ Dem stimmte Jesse zu: „Wir suchen mit dem Bauamt eine geeignete Stelle aus.“

Von Ines Alekowa

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