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Wurzen Brandiser Marktbäume werden zum Problem
Region Wurzen Brandiser Marktbäume werden zum Problem
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00:33 20.05.2018
Schatten und Grün – diese Aufgabe sollten die Linden auf dem Brandiser Markt erfüllen. Doch ihre ungeahnte Wuchsfreudigkeit bereitet dem Technischen Ausschuss Sorge. Quelle: Ines Alekowa
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Brandis

Gott hält die Bäume auf, bevor sie in den Himmel wachsen, heißt ein Sprichwort. In Brandis übernimmt das der Technische Ausschuss. Der diskutierte am Dienstag erneut über die Marktbäume. Denn offensichtlich hat die Stadt, als der Platz 2003 neu gestaltet wurde, mit den Linden, die ihn begrünen und beschatten sollten, ein echtes Überraschungspaket gekauft.

Der erwartete klein- und kugelförmige Wuchs blieb aus, dafür nehmen die Bäume, eingerahmt von einstöckigen Häusern, immer mehr in Höhe und Breite zu. Das hatte Ulrich Gäbel (Linke) veranlasst, die Stadt um Prüfung der Ursache zu bitten. Nicht zum ersten Mal. „Alle zwei Jahre fragen wir, und es bleibt eine Notiz im Protokoll“, kritisierte er.

Linden wuchern unerwartet

Im März präsentierte Bauhofleiter Günther erste Rechercheergebnisse. „Vor 2012 wurden Kugellinden noch gar nicht angeboten“, berichtete er. Was einigermaßen kurios ist: Es wurden demnach Bäume gepflanzt, die es noch gar nicht gab. „Kugeln werden sie offenbar erst, wenn wir sie entsprechend schneiden“, witzelte Detlef Holzmann (Fraktion SPD/Grüne). Obwohl, zum Lachen ist ihm nicht. Sein Haus geht schon auf Tuchfühlung zu den Bäumen. „Wollen wir sie wirklich so wuchern lassen?“, fragte er.

Wachstum wird Stadt einiges kosten

Welche Konsequenzen ein Eingreifen hätte, rechnete Koch nun am Dienstag vor. Doch zuvor schockte er den Ausschuss mit anderen Zahlen. Bei den Marktbäumen handelt es sich nach aktuellem Kenntnisstand um Kaiserlinden (tilia europaea pallida). „Ein Großbaum, der 30 bis 40 Meter hoch und zwölf bis 18 Meter breit wird. Er gilt als rasch wachsend.“ Dass er als „sehr guter Straßenbaum“ geführt wird und am Standort Markt gut gedeiht, dürfte die Anwesenden kaum getröstet haben.

Den Zuwachs von 40 Zentimetern pro Jahr im Zaum zu halten, wird die Stadt über die Jahre einiges kosten. Um die 33 Linden auf dem Markt und in der angrenzenden Hauptstraße zu schneiden, würden drei Bauhofmitarbeiter zwei Tage benötigen, außerdem muss eine Hebebühne gemietet werden. Koch rechnet mit 1000 Euro pro Tag. Und da jeder Schnitt den Austrieb anrege, werde der Aufwand noch deutlich zunehmen. „Das ist eine Kalkulation, ob sie aufgeht, muss die Praxis zeigen“, warnte er schon mal vor. Die Schlussfolgerungen überließ er dem Ausschuss.

Gäbel: Wir müssen Einfluss nehmen

„Was mich beschäftigt“, so Gäbel, „ist, dass es viele Bäume sind, die relativ eng stehen. Die Kronen reichen teilweise schon jetzt bis an die Häuser, die Wurzeln gehen auch in diese Richtung und sind teilweise schon sichtbar. Das war nicht im Sinne des Erfinders.“ Für ihn steht fest: „Wir müssen Einfluss nehmen.“ Bärbel Uhlig (Bürgerverein Brandis) sprach sich allerdings dafür aus, nur die Bäume mit Gefahrenpotenzial zu stutzen.

Jesse: Regress ist nach 15 Jahren ein Problem

Holzmann hingegen empfahl, noch einmal auf die Planung zu schauen. „Wir hatten Kugellinden ausgeschrieben, dann wollen wir auch solche. Die Pflanzabstände sind entsprechend.“ Er riet zu prüfen, ob nicht sogar arglistige Täuschung vorliegt. Regress zu fordern dürfte allerdings schwierig werden. „Nach 15 Jahren ist das ein Problem“, sagte Bürgermeister Arno Jesse (SPD), und wenn wir die Rechnung akzeptiert haben, sowieso.“ Denn auf dieser ist laut Koch die Lindenart benannt. „Da hat der Rechnungsprüfer gepennt“, meinte einer aus der Runde. Obendrein blieb die Suche nach der Ausschreibung – das Rathaus war mit all seinen Akten 2008 umgezogen – vergebens.

Also zurück zur Schnittvariante. Jesse plädierte dafür, in der Haushaltberatung zu diskutieren „wie wichtig uns das ist“ und vielleicht auch ein Kostenangebot einzuholen. Fortsetzung folgt also.

Von Ines Alekowa

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