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Wurzen Brandiser Parkschlösschen wieder Bühne für Konzerte und Lesungen
Region Wurzen Brandiser Parkschlösschen wieder Bühne für Konzerte und Lesungen
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00:21 16.10.2017
Eine alte Postkarte zeigt das „Vergnügungs-Etablissement Parkschlösschen“ mit Theater- und Ballsaal, Gesellschaftszimmer und Garten. Quelle: privat
Brandis

Der brennende Zirkus nennt sich die Formation, die am 20. Oktober im Brandiser Parkschlösschen die Bühne rocken wird. Es ist das dritte Konzert in diesem Jahr, das die Freie evangelische Gemeinde (FeG) organisiert. Als Mieter des Erdgeschosses möchte sie mit einer Reihe von Angeboten, wie Konzerten und Lesungen, wieder Leben in das Haus in der Bahnhofstraße bringen, das einst kultureller Mittelpunkt der Stadt war.

Verheißungsvoller Start

Und das scheint auf Anhieb zu klappen. Beim ersten Konzert im Juni, als hier „Love, the Twains“ auftraten, kamen 70 Gäste, im September bei „Frau Elfie und Maik Key“ waren es schon 90 – Platz ist für etwa 100. Ronald Beier freut sich über die Resonanz weit über Brandis hinaus. Er zeichnet im Rahmen des FeG-Projektes „Lebensräume“ für kulturelle Veranstaltungen mitverantwortlich. Die Projektidee baut auf den vielen Nutzungsmöglichkeiten auf, die das Parkschlösschen bietet: Räume, um Leute zu treffen, um zu entspannen und zu genießen, Räume für Projekte und Ideen, Räume für private Feiern und Räume, in denen zusammen gearbeitet oder gelernt wird. Über die Mit-Mach-Stadt hat es sogar schon einen Swingtanzkurs gegeben.„Warum sollten wir sie nur sonntags zum Gottesdienst oder für Kinder- und Jugendarbeit nutzen?“, fragt Beier. „Zumal wir als Gemeinde ja auch offen sein wollen.“

Die FeG zählt 25 erwachsene Mitglieder. „Wir sind eine sehr junge Gemeinde“, sagt Beier. Und aus deren Sicht gebe es in Brandis relativ wenig kulturelle Angebote. „Es gibt viel für Kinder und Jugendliche, beispielsweise Sport, und für die Generation Ü 60. Aber nichts für die dazwischen. Und das soll auch unsere Zielgruppe sein“, sagt der 39-Jährige, der selbst erst vor fünf Jahren mit Familie in die Stadt gezogen ist. Natürlich sei das erste Konzert trotzdem ein Risiko gewesen. „Aber inzwischen melden sich schon Bands von selbst“, freut er sich. „Und die, die schon hier waren, schwärmen von der Ausstrahlung des Hauses.“

Bewegte Geschichte

Das hat eine bewegte Geschichte. Die 1899 von Baumeister Döhler erbaute Gaststätte erhielt schon im Folgejahr einen Saal. In den 1930ern übernahm Riebeck Bräu den Betrieb, im Untergeschoss wurden zwei Kegelbahnen installiert. In den Folgejahren wechselte die Nutzung: Einzelne Räume im Erdgeschoss waren zeitweise Schule, während des Krieges war das Haus Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager. Zu DDR-Zeiten wurde es Kulturhaus und HO-Gaststätte, Discos fanden statt, der Kanuverein hatte hier sein Domizil. Nach der Wende eröffnete im Obergeschoss die erste Brandiser Fahrschule (Taubert). 1990 übernahm die Kommunale Entwicklungsgesellschaft das Objekt. Auf der Streuobstwiese wurde ein Hotel gebaut – schon 1959 war der Biergarten dem Keglerheim gewichen –, das Gebäude wurde per ABM entkernt. 1992 stoppte der KEG-Konkurs alle Arbeiten, einen Abriss lehnte der Denkmalschutz ab. Nach langem Leerstand kaufte die Parkschlösschen KG 2006 die Ruine und begann mit der Sanierung. 2009 wurden im Obergeschoss entstandene Wohnungen bezogen, 2012 ein Café eröffnet, dessen Betreiber allerdings dieses Jahr aufgab. Und Platz machte für die FeG, deren Mitbegründer KG-Gesellschafter Andres Grün ist und die schon seit 2014 Mitnutzer war. „Das Haus war wie für uns bestimmt“, sagt Beier und verweist auf den alten Spruch „Gott allein die Ehre“ über dem Portal.

Spende statt Eintritt

Mit dem Kulturangebot wolle die FeG allerdings keine christliche Botschaft verbinden. „Aber uns ist wichtig, dass die Akteure auf der Bühne auch nicht für das Gegenteil stehen“, betont Beier. Er zeigt sich für ziemlich alle Musikrichtungen offen. „Nur Heavy Metal und Schlager passen hier sicher nicht rein.“ Für dieses Jahr sind noch vier Veranstaltungen geplant. „2018 wollen wir im Januar, März, Mai, September und November Konzerte plus weitere Veranstaltungen anbieten; Monate mit vielen Dorffesten klammern wir aus“, sagt Beier. Der Eintritt soll übrigens auch weiter kostenlos sein. „Wir wollen keine finanziellen Hürden für einen Besuch aufbauen“, erklärt er. „Nach dem Konzert kann sich dann jeder fragen, ob es ihm gefallen hat und dann vielleicht etwas spenden.“

Veranstaltungen im Parkschlösschen 2018

Konzert, 20. Oktober, 20 Uhr: Der brennende Zirkus. In die Manege stürmt Sound. Jongliert wird mit Hip-Hop, Reggae, rockigen Riffs und poppigen Lines. Die seit 2015 existierende Formation rockt mit ehrlicher Energie Bühne, Straße, Publikum. Die Texte bewegen zwischen Dota, Clueso, Gundermann und weiteren Deutschpoeten, können aber durch Tiefe, Nachdenklichkeit und Wortwitz ihren eigenen Stil entfalten.

Buchlesung, 28. Oktober, 19.30 Uhr: Andreas Knapp: Die letzten Christen – Flucht und Vertreibung aus dem Nahen Osten. Knapp hat sich auf Spurensuche begeben und Flüchtlingslager im Irak besucht. Sein erschütternder Bericht kann helfen, die Beweggründe der Menschen zu verstehen, die heute zu uns fliehen.

Konzert, 24. November, 20 Uhr: The Coins. Besonders markant für das junge Leipziger Straßenmusiktrio ist das originelle Eimerschlagzeug. Plastik- und Metallgefäße, ein Schellenkranz und Shaker reichen aus, um ein beeindruckendes Rhythmusfundament zu legen. Dazu gesellen sich Kontrabass, Akustikgitarre und eine kraftvolle Stimme.

Adventskonzert, 12. Dezember, 17 Uhr, im CVJM Haus, Zeititzer Weg 16: Daniel Kallauch mit seiner Weihnachts-Show „Du lieber Himmel“

Von Ines Alekowa

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