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Brandiser Rassegeflügelzüchter haben Probleme mit dem Nachwuchs

Vereinsleben Brandiser Rassegeflügelzüchter haben Probleme mit dem Nachwuchs

Bei satten 73 Jahren liegt der Altersdurchschnitt der Brandiser Rassegeflügelzüchter. Wende und Vogelgrippe haben den Verein schrumpfen lassen. Sein Vorsitzender, Rudi Grieger, erinnert sich an bessere Zeiten.

Erinnerungen an goldene Rassegeflügelzüchterzeiten: Rudi Grieger hütet die Dokumente seines Vereins wie seinen Augapfel.

Quelle: Roger Dietze

Brandis. Der Fotograf hatte ganz offensichtlich so seine liebe Not, die Frauen und Männer auf dem Foto unterzubringen. „Weit über 100 müssen es sein“, schätzt Rudi Grieger. Und aus seiner Stimme klingt ein wenig Wehmut heraus. Denn das Dokument aus dem Jahr 1952 zeigt samt ihrer Gattinnen die damaligen Mitglieder des Rassegeflügelvereins Brandis, der vor 132 Jahren gegründet wurde. Der Brandiser ist seit 1986 der Vorsitzende.

In den reichlich sechs Jahrzehnten, die seit jener Aufnahme vergangen sind, ist die Welt eine andere geworden. In der „neuen“ Welt ist die Notwendigkeit, sich Federvieh zur Eigenversorgung zu halten, einem kaum zu überblickenden Geflügelangebot im Supermarkt in allen nur möglichen koch- und bratfertigen Variationen gewichen. Mit der Konsequenz, dass von den in Hochzeiten 70 Vereinsmitgliedern 26 Jahre nach der Wiedervereinigung nur noch knapp zehn übrig geblieben sind, von denen wiederum nur noch etwa die Hälfte in der Lage ist, der Zucht nachzugehen.

„Unser Altersdurchschnitt liegt bei über 73 Jahren“, so Rudi Grieger, der zudem dem Sonderzuchtverein Rohdeländer Hühner Leipzig-Dresden angehört. Denn dieser Rasse hält der 79-Jährige seit mittlerweile 50 Jahren die Treue. „Mein ebenfalls Rassegeflügel züchtender Schwiegervater Willi Fichtner gab mir damals den Tipp, mit einer einfarbigen Zucht anzufangen, weil mit dieser schneller Erfolge zu erzielen seien“, erinnert sich der einstige Möbelhausinhaber an seine Zuchtanfänge. Und Erfolge sollten sich für ihn schnell und darüber hinaus dauerhaft einstellen, wovon ein Sammelsurium an Pokalen und Urkunden in seiner Garage Zeugnis ablegt.

Womit er in seinem Verein in all den Jahren in guter Gesellschaft gewesen ist. „Unsere Züchter haben sowohl Zuchterfolge auf Kreisebene als auch bei der nationalen Bundessiegerschau Lipsia in Leipzig erzielt“, sagt der Vereinsvorsitzende, der 2014 „in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste in der Rassegeflügelzucht“ zum Landesehrenmeister des sächsischen Rassegeflügelzüchterverbandes ernannt wurde. Der Zucht frönen indes vermag auch der rüstige Senior aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, weshalb er auch seinen Tierbestand von 70 auf nunmehr rund 20 reduziert hat.

Nach wie vor jedoch ist der Vereinsvorsitzende bestrebt, seine Rasse „sauber“ zu halten. So, wie es laut Rudi Grieger auch die übrigen Brandiser Züchter handhaben würden. Manch einer von ihnen kommt sogar im Züchterzenit noch einmal zu hohen Ehren. „Zuchtfreund Lothar Hirsch hat für ein Tier seiner Persischen Roller-Tauben bei einer der letzten Lipsias die höchstmögliche Wertung – ‚vorzüglich’ – erhalten und ist damit Bundessieger geworden“, so Grieger.

Die Vogelgrippe hat nach seinen Worten den Mitgliederschwund in seinem Verein beschleunigt. „Die aus meiner Sicht überzogenen veterinärmedizinischen Auflagen haben so manchen das Handtuch vorzeitig werfen lassen“, sagt Grieger, dessen Verein in den 60er- und 70er-Jahren zu den umtriebigsten Vereinen in Brandis gehörte. „Die Mitglieder haben Theater gespielt, Festwagen für das Heimatfest gestaltet und Faschings- wie Herbstfeste auf die Beine gestellt.“ Bis zum Mauerfall habe der Verein zudem regelmäßig eine Ortsschau sowie abwechselnd mit den Wurzener Zuchtfreunden im Zweijahresrhythmus die Kreisschau veranstaltet.

Was die Vereinszukunft anbetrifft, gibt sich der Vorsitzende keinen Illusionen hin. Hinsichtlich der Rassegeflügelzucht im Allgemeinen hingegen ist er deutlich optimistischer: „In den Mittelgebirgsregionen sind die Wohnstrukturen noch so, dass die Geflügelzucht nach wie vor möglich ist, und in den dortigen Vereinen gibt es auch durchaus noch Züchternachwuchs.“

Von Roger Dietze

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