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Brandiser Volleyball-Trainer promoviert über den römischen Philosophen

Seneca-Schriften statt Motivationshandbuch Brandiser Volleyball-Trainer promoviert über den römischen Philosophen

Er schwört auf Seneca. Der Erzieher und Berater des späteren Kaisers Nero habe in seinen Schriften Dinge formuliert, die auch in der Gegenwart von Bedeutung sind. Findet der Brandiser René Kanzler, der über den römischen Philosophen promoviert.

Senecas Philosophische Schriften.

Quelle: Roger Dietze

Brandis. Was treibt einen 26-Jährigen dazu, sich mit einem Denker auseinanderzusetzen, dessen Schriften fast 2000 Jahre alt sind? Für eine Antwort muss René Kanzler nicht lange überlegen. „In der akademischen Philosophie wird zweifellos über sehr abgehobene Dinge geschrieben und geredet, aber wenn es einen Philosophen der Antike gibt, der auch uns heute Lebenden noch viel zu sagen hat, dann ist es Seneca“, sagt der gebürtige Wurzener, der seine Kindheit und Jugend in Brandis verbrachte, wohin er nach seinem Philosophie-Studium an der Uni Erfurt vor drei Jahren wieder zurückkehrte.

Mit dem Vorhaben, den Ansichten des Erziehers und Beraters des späteren Kaisers Nero auf den Grund zu gehen. „Senecas Lebensphilosophie hat nicht nur mit dem Denken, sondern auch maßgeblich mit dem Handeln zu tun“, sagt René Kanzler. Und Vieles von dem, was der Philosoph und Dramatiker aufgegriffen und thematisiert habe, sei aktueller denn je. Etwa die Frage, was den Menschen wirklich antreibe und ob sich sein Leben zwingend in dem Kreislauf von Schule, Studium/Ausbildung, Beruf und Geldverdienen erschöpfen müsse. „Ich denke, dass wir Menschen uns bei allen zum Teil selbstgeschaffenen Zwängen mehr Gedanken darüber machen sollten, was wir wirklich wollen und wozu wir in der Lage sind“, so der Hobby-Volleyballer, der diese seine sportlichen Fähigkeiten dem SV Stahl Brandis als Trainer zur Verfügung stellt.

Eine Aufgabe, in die der 26-Jährige, der seit seinem elften Lebensjahr dem schnellen Mannschaftssport frönt, nach eigenem Bekunden sein philosophisches Wissen einzubringen versucht. „Es bedarf keines Motivationshandbuches, Anregungen zu verschiedenen auch im Sport eine Rolle spielenden Punkten wie etwa der Gelassenheit nach einer Niederlage, der Übernahme von Verantwortung sowie der gegenseitigen Stärkung des Selbstbewusstseins finde ich so auch bei Seneca“, erzählt René Kanzler, der an dem römischen Philosophen noch etwas anderes zu schätzen weiß. Nämlich eine große Gewandtheit im Umgang mit der Sprache. Etwas, was René Kanzler bei vielen seiner Zeitgenossen vermisst.

„Ich war im Fach Deutsch selbst noch auf dem Gymnasium ein eher mittelmäßiger Schüler, während des Studiums habe ich aber diesbezüglich sehr viel dazugelernt und die Möglichkeiten unserer Sprache entdeckt“, sagt der Philosophie-Doktorand. Mit großer Sorge verfolge er deshalb ihren schleichenden Verfall. Eine Entwicklung, die im Austausch von Kurzmitteilungen via Mobiltelefon sowie in die deutsche Grammatik und Rechtschreibung nicht selten außer Kraft setzenden Meinungsäußerungen in diversen sozialen Netzwerken besonders augenfällig werde.

„Ich bin aber der Überzeugung, dass man nur schwerlich richtig denken und sich über große Zusammenhänge austauschen kann, wenn man nicht dazu in der Lage ist, seine Gedanken entsprechend auszudrücken“, findet der Brandiser Doktorand, der sich auf seine Weise gegen diesen „Trend“ stellt. Beispielsweise indem er Gedichte schreibt, die unter anderem Eingang in die zwei Gedichtsammlungen „Tageszeitenwanderung“ (2010), „Der Kairos“ (2014) sowie „Ein Abgesang auf die Stadt“ (2015) oder als Redakteur an dem Projekt „Schreibmaschine“ sowie dem zweisprachigen Literaturmagazin „The Transnational“ in Erscheinung tritt.

Der Schriftstellerei mit einem philosophischen Hintergrund hat der angehende Doktor der Philosophie denn auch vor, nach seiner Promotion die Treue zu halten. „Darüber hinaus möchte ich meine Trainertätigkeit intensivieren und mich in diesem Bereich weiter qualifizieren“, kündigt René Kanzler an. Er nennt sich selbst mit einem Augenzwinkern einen „Vollzeitphilosophen“.

Von Roger Dietze

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