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Bürgermeister Jesse: „Wir sind Ideenriesen, aber Umsatzzwerge“

Brandiser Workshop Bürgermeister Jesse: „Wir sind Ideenriesen, aber Umsatzzwerge“

Bürger-Ideen werden zu Projekten – das war das Ziel des Workshops der Mit-Mach-Stadt in der Musikarche Brandis. Auf dem Tisch lagen 20 bei verschiedenen Anlässen gesammelte Anregungen von Bürgern und dazu die Frage, welche Projekte als nächste in Angriff genommen werden sollen und wer sich dabei den Hut aufsetzt.

Eine Idee der Mitmachstadt: Bei Stadtrundgängen – in die natürlich auch der Marktplatz mit dem Rathaus einzubeziehen wäre – sollen Neubürger ihr neues Umfeld kennen lernen.

Quelle: Frank Schmidt

Brandis. Bürger-Ideen werden zu Projekten – das war das Ziel des Workshops der Mit-Mach-Stadt in der Musikarche Brandis. Auf dem Tisch lagen 20 bei verschiedenen Anlässen gesammelte Anregungen von Bürgern und dazu die Frage, welche Projekte als nächste in Angriff genommen werden sollen und wer sich dabei den Hut aufsetzt. Am Grimmaischen Platz hatte sich dazu eine kleine, aber diskutierfreudige Runde gefunden.

Einige der Ideen haben schon konkrete Formen angenommen. So initiierte Yvonn Semek für den 2. September einen Hofflohmarkt. Leona Köhler-Wolter vom Brandiser Forum für Demokratie und Vielfalt informierte über die Auftaktveranstaltung zur Interkulturellen Woche des Landkreises in der Arche am 23. September. Und schließlich treffen sich jeden ersten Dienstag im Monat Kreative aus Brandis und Umgebung in der Arche zum Arbeiten und Fachsimpeln.

„Die Mit-Mach-Stadt lebt vom Bürgerengagement“, betonte Bürgermeister Arno Jesse (SPD). Seine Bilanz: „Wir haben in zwei Jahren unglaublich viel erreicht. Alle Werkzeuge zum Aktivwerden sind da“, verwies er auf das Portal auf der Website der Stadt. Jetzt hofft er auf Mittel aus der Städtebauförderung, um einen Stadtkoordinator einzusetzen, der die Zeit hat, Ideen und Kräfte zu bündeln. „Wir sind Ideenriesen, aber Umsatzzwerge“, meinte er. Wobei: „Es ist schon ungewöhnlich, dass eine kleine Stadt so viele Projekte hat“, sagte Hardo Kendschek (Empirica AG), der Stadtentwicklungen beratend begleitet und auch die Brandiser Leitbildentwicklung moderierte.

Am meisten brannte den Anwesenden eine Aufwertung des Stadtparkes auf den Nägeln. Ein Spielplatz – die Idee von Matthias Renker, der das erste Mal an den regelmäßigen Workshops teilnahm – lasse sich aber in dem denkmalgeschützten Areal nicht umsetzen, so Jesse. Die Stadt hofft aber, mit Leader-Mitteln ein schon vorhandenes Gestaltungskonzept zu verwirklichen. Aber beleben könnte man den Park, hielt Ursula Israel an dem Gedanken fest, der auch gleich untersetzt wurde: Mondscheinkonzert mit dem Musikverein, Nachtlauf, Outdoor-Spiele-Tag... Man könnte das Stadtmusikfest in den Park bringen, schlug Tobias Bauer vor. Das, informierte Jesse, wolle man künftig vielleicht mit anderen Events wie dem Oldtimertreffen kombinieren und einem pfiffigen Abendprogramm krönen, um die Gästeschar zu vergrößern. Kendscheks Fazit: „Die Parkbelebung liegt weniger am Geld. Nicht fragen: Was nicht geht. Jede verrückte Idee ist erlaubt.“

Auch die eines Freiluftkinos nahm unter der Überschrift Autokino Fahrt auf. „Es finanziert sich über Eintritt, geht auch bei Regen, der Veranstalter braucht sich nicht um Stühle zu kümmern“, zählte Renker Pluspunkte auf. Allerdings wurde der Ex-Flugplatz als Ort schnell verworfen – die Innenstadt soll belebt werden. Im Fokus jetzt Park und Ex-Allkauf-Parkplatz. Kendschek machte Mut mit Bautzener Erfahrungen, wo „Die Feuerzangenbowle“ zu Weihnachten schon Kult ist. „Es wurde alles schon mal erfunden.“

Klaus Israel schnitt das Thema Neubürger an. „Potenzial, das wir viel zu wenig ausschöpfen“, räumte Jesse ein. Dabei sei deren Blick aufs neue Umfeld oft „hochspannend“, so Kendschek. Neubürgerball, erste Infos im Einwohnermeldeamt seien Möglichkeiten, aktiv auf sie zuzugehen. Semek schlug außerdem Stadtrundgänge vor. Denn, so Kendschek, „über Wissen wächst Identität“.

Als viertes Projekt auserkoren wurde, Telefonzellen in Bücherregale umzuwandeln und u.a. auf dem Markt aufzustellen.

Von Ines Alekowa

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