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Wurzen Bürgerverein Brandis startet Initiative zum Ratskeller-Abriss
Region Wurzen Bürgerverein Brandis startet Initiative zum Ratskeller-Abriss
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00:22 15.02.2018
Eingerüstet: der ehemalige Ratskeller am Markt. Quelle: Foto:
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Brandis

Der Bürgerverein Brandis (BVB) setzt sich für den Abriss des ehemaligen Ratskellers am Brandiser Markt und „einen angemessenen, dem historischen Vorbild verpflichteten Neubau“ ein. „Wir sind gegen eine kostenintensive Sanierung, die eine wirtschaftliche Nutzung nicht zulässt“, sagen Joachim Kühnel, Hans Ross und Nikita Zähler im Namen des Vereins, der auch eine fünfköpfige Fraktion im Stadtrat stellt. Er reagiert damit auf jüngste Informationen von Bürgermeister Arno Jesse (SPD), unter anderem beim Neujahrsfeuer und im LVZ-Interview, wonach der Denkmalschutz nach einer zwischenzeitlichen Annäherung der Positionen nun wieder einen Kompletterhalt des Ratskellers fordert. Die Kosten dafür werden im Rathaus auf zwei Millionen Euro geschätzt. Vor allem aber will der potenzielle Investor, die Drogeriekette Rossmann, sich am Markt nur bei Neubaumöglichkeit engagieren.

Erhalt nicht alleiniger Maßstab

„Der Denkmalschutz sieht nur sein Anliegen, den Erhalt. Aber das kann nicht der alleinige Maßstab sein“, sagt Kühnel. „Zwei Millionen, das ist so viel, wie unsere neue Kita kostet“, zieht er einen Vergleich. Das Geld, das im Ratskeller „vergraben“ werde – zu dem, was Gutachten und Sicherung schon kosten –, stehe für Investitionen in Brandis auf Jahre nicht mehr zur Verfügung. „Man muss doch sehen, was Vorrang hat.“ Zähler erinnert an die geplante Sanierung der Straßen in Waldsteinberg. „Stellen Sie sich vor, man muss den Bürgern vermitteln, dass das Geld dafür im Ratskeller gebunden ist.“

„Was gibt es eigentlich zu bewahren?“, fragt Zähler. Das Sandsteinportal mit zwei Säulen an dem 1697 erbauten und bis 1884 als Rathaus genutzten Objekt sei ebenso wenig erhalten wie die Gauben zum Markt oder der spitze Turm, der im II. Weltkrieg weggeschossen wurde. Ebenso sehe es im Inneren aus, weiß Zähler, von Beruf Nachrichtentechniker, der zu DDR-Zeiten im 1954 zum Versammlungsraum umgebauten Tanzsaal nebenbei als DJ bei Discos Platten aufgelegt hatte, bis der Saal baupolizeilich gesperrt wurde.

Historische Ansicht des Ratskellers Quelle: privat

„Wir sind nicht gegen Denkmalschutz an sich“, betont Kühnel, „aber es muss auch Ermessensspielraum geben.“ Zum Beispiel, indem nur die Fassade erhalten und dahinter neu aufgebaut wird. Dass so etwas funktioniert, sei am sanierten Markt 13 zu sehen. „Es geht alles zu machen und wesentlich billiger“, pflichtet Zähler bei. Dass Kühnel Altes nicht leichtfertig abschreibt, dafür steht auch die Musikarche am Grimmmaischen Platz. Der Umbau der ruinösen Wäscherei – noch nicht einmal ein Denkmal – ist maßgeblich der Initiative von Kühnel und Ross zu danken. Der Unterschied: „Bei uns stand die Nutzung im Vordergrund“, betont Ross. Für die hatten wir mit der Wäscherei das passende Objekt gefunden.“

Investor nicht verprellen

Und genau die Nutzung ist neben der aufwändigen Sanierung die Crux. Nicht ohne Grund, so Zähler, habe die Stadt jahrelang vergeblich nach einem Käufer für den Ratskeller gesucht. „Denn mit dem jetzigen Zuschnitt ist er nicht vermarktbar.“ Und dann, so Kühnel, komme mit Rossmann endlich ein Investor, noch dazu einer, der ein in Brandis fehlendes Sortiment mitbringt – „den können wir doch nicht einfach vor den Kopf stoßen“. Zumal in der Etage über der Drogerie Platz für Fachärzte entstünde. „Bis jetzt müssen die Leute dafür nach Wurzen oder Grimma fahren“, so Zähler. Und Ross ergänzt, dass hier nicht nur jemand verprellt würde. „Unter der gesperrten Rathausgasse leiden auch ansässige Gewerbetreibende wie die Fleischerei und die Wäscherei.“

Der BVB ist nicht der erste, der sich deshalb für den Abriss des Ratskellers stark macht. Im Oktober 2017 hatte der Brandiser Thomas Schirmer 484 Unterschriften pro Rossmann gesammelt. Genutzt hat es nichts. „Der Denkmalschutz kann doch nicht einfach den Bürgerwillen ignorieren“, sagen die drei. „Wollen wir ein kleines Amt für eine ganze Stadt mit 10 000 Einwohnern entscheiden lassen?“ Kühnel erinnert daran, dass sich Brandis Mit-Mach-Stadt nennt. „Wir werden gefragt , wenn es um das Aufstellen von Bänken oder Veranstalten eines Flohmarktes geht. Da sollten wir erst recht bei so einer ungleich wichtigeren Sache wie dem Ratskeller unsere Meinung sagen.“

Initiativgruppe will wachsen

Wer sich der Initiative des Bürgervereins Brandis anschließen möchte, kann sich per E-Mail melden. Der Verein denkt darüber nach, Landtags- und Kreistagsabgeordnete, Landrat und Behörden für seine Position zu gewinnen. „Denkbar wäre auch, die Denkmalschützer zu einer Bürgerversammlung einzuladen“, sagt Kühnel. Natürlich sei ihm bewusst, dass es zum Ratskeller auch andere Meinungen gibt. „Es ist leicht, etwas zu fordern. Aber keiner gibt einen Cent dazu“, sagt er.

Kontakt: BVB-Brandis@gmx.de

Von Ines Alekowa

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