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Burgfrieden im Püchauer Schloss-Streit

Burgfrieden im Püchauer Schloss-Streit

Püchau. Nicht viel Freude hat derzeit die Leipziger Unternehmerfamilie Goldhahn mit ihrem herrschaftlichen Landsitz. Behörden haben den Eigentümern von Schloss Püchau jegliche Nutzung untersagt.

. Gestern wurde am Tisch von Landrat Gerhard Gey eine Art Burgfrieden geschlossen.

Seit 1998 residieren die Goldhahns an geschichtsträchtiger Stelle am Ufer der Mulde. „Der Ort hat uns sofort fasziniert. Püchau kam uns wie ein verwunschenes Märchenschloss vor", schildert die 55 Jahre alte Benita Goldhahn, im wahren Leben Immobilienmaklerin, ihre ersten Eindrücke. „Seitdem haben wir viel Herzblut in das Denkmal gesteckt. Erst vor wenigen Tagen wurde die restaurierte Südfassade fertig." Um so mehr schmerzt es die Denkmal-Liebhaber, dass ihr Engagement nicht anerkannt wird. „Es muss doch gewürdigt werden, dass wir uns für dieses bedeutende Kulturdenkmal, eines der schönsten Schlösser der Region, einsetzen." Mit Gespür für ausgefallene Veranstaltungen erweckte das Ehepaar das Anwesen zu neuem Leben, bewahrte es nach dem Auszug eines Pflegeheimes vor weiterem Verfall. Im altehrwürdigen Gemäuer wird mittlerweile fürstlich getafelt, romantisch geheiratet, lodern Feuer zur Walpurgisnacht. Auch als Filmkulisse machte der prächtige Tudorbau schon von sich reden. Schauspieler wie Peter Sodann, Jörg Schüttauf oder Fritz Wepper standen in Püchau vor der Kamera. Regelmäßig laden die Schlossherren zu öffentlichen Führungen ein, ernten Bewunderung für die wunderschönen Säle in der Beletage. Benita Goldhahn schlüpft dann in die Rolle der Gräfin Walburga von Hohenthal, ihr Gatte Lothar unterhält die Besucher als Heinrich von Taube mit so mancher Episode.

Mittlerweile allerdings würden die Behörden ihnen das Leben schwer machen. „Mängel werden an den Haaren herbeigezogen", fühlt sich Lothar Goldhahn zu Unrecht angegriffen. „Man stellt uns sogar als verantwortungslose Zeitgenossen hin, die die Sicherheit ihrer Gäste gefährden. Dabei ist das alles absoluter Blödsinn", zürnt der 65-Jährige. „Natürlich haben wir Feuerlöscher und Rettungswege", weist er Vorwürfe des Bauordnungsamtes zurück. „Zu jeder Veranstaltung ist außerdem ein Feuerschutzbeauftragter zugegen. Es liegt doch schon in unserem eigenen Interesse, dass Besuchern und dem Schloss nichts passiert."

Um die Zukunft des einstigen Adelssitzes ging es gestern bei einem Gespräch im Landratsamt. „Wir haben versucht, auf pragmatischem Weg eine Lösung zu finden", erklärte Landrat Gerhard Gey. „Mit den Goldhahns wurde vereinbart, dass sie uns bis 30. November ein Nutzungs- und Brandschutzkonzept einreichen, das wir uns ansehen." Sollte es aus Sicht der Behörde machbar sein, würden die Goldhahns dann einen Antrag auf Nutzungsänderung stellen. Dieser könne, so Gey, zu der aus Sicht des Landkreises nötigen Baugenehmigung führen. „Ich denke, wir haben uns auf einen guten Kompromiss geeinigt", erklärte sich auch Benita Goldhahn mit dem Ergebnis des Gesprächs zufrieden. „Für uns ist wichtig, dass wir jetzt erst einmal eine Interimslösung gefunden haben." So könnten auch zwei noch geplante Führungen ohne Komplikationen stattfinden. „Und die Bräute, die bei uns heiraten wollen, müssen wir auch nicht ausladen."

Gegenüber der Landesdirektion will sich Gey dafür einsetzen, dass die laufenden Verfahren zur Nutzungsuntersagung vorerst ausgesetzt werden. „Was beide Seiten nicht wollen, ist ein juristischer Streit." Dem Landkreis, so Gey, liege viel daran, dass das Schloss weiter als Anziehungspunkt für Touristen erhalten bleibe.

Simone Prenzel

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