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CDU-Kandidat im Interview: Thallwitz allein überlebensfähig

CDU-Kandidat im Interview: Thallwitz allein überlebensfähig

Nicht nur das Schicksal von Merkel, Steinbrück und Co entscheidet sich am Sonntag. In der Gemeinde Thallwitz wird auch der Nachfolger des langjährigen Ortschefs Kurt Schwuchow (parteilos) gewählt.

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Krisenerprobt: Als Gemeindewehrleiter behielt Thomas Pöge bei der Juniflut die Nerven. Künftig will sich der 44-Jährige als Ortschef für Thallwitzer Interessen einsetzen.

Quelle: Andreas Röse

Thallwitz. LVZ sprach mit CDU-Kandidat Thomas Pöge, der als einziger Bewerber antritt.

Frage: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wäre es Ihnen lieber, Sie hätten einen Mitbewerber?

Thomas Pöge: Die Frage hat sich so gar nicht gestellt. Die Ausgangssituation war vielmehr die, dass sich anfangs überhaupt kein Kandidat gefunden hat. Deshalb sind viele Bürger auf mich zugekommen und haben den Wunsch an mich herangetragen, ich möge mich doch um das Amt bewerben.

Ist die Funktion des Thallwitzer Bürgermeisters so unattraktiv, dass kein wirklicher Wettbewerb darum stattfindet?

Viele schätzen richtig ein, dass die Aufgabe nicht einfach ist und haben Respekt vor dem Amt. Gerade in letzter Zeit hat man erlebt, dass die Bürgermeistertätigkeit der Gesundheit nicht gerade förderlich ist, ob man nach Naunhof, Bennewitz oder auch auf Thallwitz schaut, wo unser langjähriger Bürgermeister Kurt Schwuchow ebenfalls krankheitsbedingt ausscheiden musste. Hinzu kommt, dass nicht garantiert ist, dass die Gemeinde Thallwitz noch ewig existiert. Auch das hält manchen vielleicht davon ab, bei so einer Wahl anzutreten.

Ihr erklärtes Ziel ist es, dass Thallwitz weiter auf eigenen Beinen steht. Laut jüngstem Zensus verringerte sich die Einwohnerzahl aber weiter auf unter 3700. Ist es angesichts dieser Tendenz nicht unrealistisch, den Bürgern den Erhalt der kommunalen Eigenständigkeit zu versprechen?

Richtig ist, dass wir hart darum kämpfen müssen. Die Voraussetzungen, dass uns das gelingt, schätze ich aber als günstig ein. Das Wichtigste ist: Wir als Gemeinde sind finanziell allein überlebensfähig. Thallwitz muss sich nicht zwanghaft einen Partner suchen. Die Gewerbesteuereinnahmen sind bekanntlich so schlecht nicht. Beleg dafür ist, dass Thallwitz ebenso wie Machern oder Neukieritzsch auf Grund der üppig sprudelnden Steuereinnahmen in der Vergangenheit schon einmal Reichensteuer zahlen musste. Was ich sagen will: Der Weg zum Erhalt unserer Selbstständigkeit führt über einen soliden Haushalt und solide Finanzen.

Die vom Freistaat angepeilte Einwohnerzahler von 5000 für ländliche Kommunen erreicht Thallwitz aber nie und nimmer. Also noch einmal: Wie soll das klappen mit der Eigenständigkeit?

Fakt ist, in Sachsen gibt es derzeit keine gesetzlich festgelegten Mindestgrößen für Gemeinden. Die 5000 sind lediglich ein Richtwert und führen dazu, dass es ab dieser Größe proportional mehr Zuschüsse gibt. Sachsens Ministerpräsident Tillich hat bei seinem jüngsten Besuch im Landkreis ausdrücklich noch einmal erklärt, dass es keine Zwangsvereinigungen geben wird. Das macht uns Hoffnung.

Wie wollen Sie als Bürgermeister die Wirtschaft fördern, wenn von den Steuereinnahmen das Wohl und Wehe der Kommune abhängt?

Der regelmäßige Kontakt zu den Gewerbetreibenden ist das A und O. Als Bürgermeister muss man wissen, wo der Schuh drückt, und das meint sowohl die größeren Unternehmen zum Beispiel im Nischwitzer Gewerbegebiet, aber auch die vielen kleinen Firmen. Die Verwaltung, darauf möchte ich hinarbeiten, muss sich als Ansprechpartner für die Gewerbetreibenden profilieren. Wir wollen uns fit machen, was zum Beispiel Förderprogramme angeht und dafür eng mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises kooperieren.

Welche Konzepte haben Sie, um den Zuzug junger Familien zu fördern?

Thallwitz für neue Mitbürger interessant zu machen, gehört zu meinen wichtigsten Anliegen. Unsere Kitas und die Grundschule müssen weiter an Attraktivität gewinnen. Als wichtigen Standortfaktor sehe ich auch unser überaus vielfältiges Vereinsleben, das weiter unterstützt werden soll. Die Vereine spielen eine zentrale Rolle im Zusammenleben. Ich bin noch in einem Dreigenerationenhaushalt groß geworden, den es so heute kaum noch gibt. Um so mehr verlagern sich soziale Kontakte in die Vereine, hier trifft Alt auf Jung, entsteht Heimatverbundenheit. Eines meiner ersten Ziele wird sein, die Vereinsförderung neu zu justieren und den Schwerpunkt auf die Kinder- und Jugendförderung zu legen.

Sie waren bislang nicht im Gemeinderat. Was qualifiziert Sie für das wichtigste Amt in der Kommune?

Wenn in Thallwitz Gemeindepolitik diskutiert wurde, war ich schon immer mit einbezogen, das brachte das Amt des Gemeindewehrleiters mit sich. Mein Vater war außerdem 30 Jahre im Gemeinderat, meine Mutter war Kämmerin in Böhlitz und leitete später das Einwohnermeldeamt in Thallwitz. Gemeindepolitik war - so lange ich denken kann- bei uns zuhause Thema und hat mich schon immer interessiert.

Sie sind parteilos, warum die Kandidatur für die CDU?

Zu den Mitgliedern der CDU-Ortsgruppe besteht schon jahrelang ein guter Kontakt. Die Thallwitzer CDU ist auf mich zugekommen, und unsere Ziele waren identisch. Ich danke aber auch der Freien Wählervereinigung Thallwitz-Nischwitz und der Freien Wählervereinigung Böhlitz, die mich ebenso als Kandidat unterstützen. Das zeigt, dass wir alle gemeinsame Ziel haben, die wir im Sinne der Gemeinde erreichen wollen.

Sie sind Geschäftsführer einer Metallbaufirma in Böhlitz. Wie geht es dort weiter?

Die Firma wird natürlich weiter existieren. Thomas Lohse wird als Meister die Geschäftsführertätigkeit übernehmen. Ich bleibe dem Betrieb als Gesellschafter erhalten und werde sicher in der Anfangszeit noch die eine oder andere Hilfestellung geben.

Im Falle Ihrer Wahl muss auch die Funktion des Gemeindewehrleiters neu besetzt werden. Gibt es hierfür schon Weichenstellungen?

Das ist ein Amt, das ich wirklich nur schweren Herzens aufgebe. Aber ich bin sicher, dass es einen geeigneten Nachfolger in unseren Reihen gibt.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.09.2013

Simone Prenzel

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