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Wurzen CDU entzieht Macherner Bürgermeisterin Doreen Lieder das Vertrauen
Region Wurzen CDU entzieht Macherner Bürgermeisterin Doreen Lieder das Vertrauen
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12:57 13.02.2017
Die Macherner Bürgermeisterin Doreen Lieder wurde im Februar 2013 mit großer Mehrheit gewählt. Die CDU schickte die parteilose Juristin damals als Kandidatin ins Rennen. Inzwischen herrscht Ernüchterung bei den Christdemokraten. Quelle: Thomas Kube
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Machern

Der Konflikt um die Amtsführung von Bürgermeisterin Doreen Lieder ist wieder offen ausgebrochen. Nachdem der parteilosen Juristen 2014 bereits zeitweilig die Rathaus-Führung entzogen und ein Beauftragter vor die Nase gesetzt worden war, hatten Gemeinderäte und Bürger die Rückkehr der entmachteten Ortschefin mit großen Hoffnungen begleitet. Auch die Macherner CDU, die Lieder 2013 zur Bürgermeisterwahl ins Rennen schickte, wollte ihr gern eine zweite Chance geben. Doch inzwischen glauben die Christdemokraten nicht mehr an ein gutes Ende.

Nachdem die Orts-CDU lange Zeit offene Kritik an ihrer einstigen Kandidatin vermied, entzieht sie Doreen Lieder jetzt offiziell das Vertrauen. In einem Schreiben haben sich mehrere CDU-Räte sowie Fraktionssprecherin und CDU-Ortsvorsitzende Petra Puttkammer an die Rathauschefin gewandt. Mit Unterstützung aus den eigenen Reihen kann die 43-Jährige demnach nicht mehr rechnen.

Die CDU stellt noch einmal dar, dass man sich 2013 erhofft hatte, die Verwaltung zu beleben und Impulse zu setzen. Man habe alle Hoffnungen in Doreen Lieder gesetzt - trotz schon damals vereinzelt geäußerter Bedenken, die man aber über Bord geworfen habe. Auch die 2014 neu gewählten CDU-Gemeinderäte hätten sich hinter Lieder gestellt, so Puttkammer. Gemeinsam mit dem Vorstand der CDU-Ortsgruppe sei 2014 beschlossen worden, Lieder die Chance eines Neubeginns zu geben. Diese Möglichkeit habe sich überhaupt erst eröffnet, weil der zeitweilige Beauftragte Andreas Dietze es vermocht habe, ein vernünftiges Arbeitsklima im Rathaus zu schaffen und die Verwaltung wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen.

Man wollte Doreen Lieder eine zweite Chance geben

Nachdem Lieder im November 2014 wieder alle Amtsgeschäfte übernahm, wollte sich die CDU ursprünglich drei Monate Zeit geben, um die Entwicklung zu beobachten und endgültig zu entscheiden, ob man die Ortschefin weiter unterstützen könne. „Nun ist wesentlich mehr Zeit vergangen. Zeit, die wir immer wieder mit Hoffnung auf Besserung der Gesamtsituation verbunden haben“, so Puttkammer weiter.

Doch nunmehr stehe Machern erneut vor einem Scherbenhaufen. Lieder habe es nicht geschafft, klare Strukturen im Rathaus zu verankern. „Der Abgang an Personal in der Kernverwaltung ist seit Ihrem Amtsantritt so erheblich, dass die Gründe zweifelsfrei auch in Ihrer Person gesucht werden müssen“, schreibt die CDU Lieder in einem persönlichen Brief ins Stammbuch. Einzelne Mitarbeiter hätten sich in den vergangenen Monaten hilfesuchend an die Ortsgruppe der CDU und deren Gemeinderäte gewandt. Der Führungsstil der Bürgermeisterin gegenüber einem Großteil der Bediensteten sei von fehlender Sozialkompetenz geprägt, so die Schilderungen. Die Rede ist von endlosen Monologen der Rathauschefin und Selbstbemitleidung. Mitarbeiter oder Bürger würden bei Terminen selbst gar nicht zu Wort kommen. Bereits 2014 hätten sich fünf Angestellte in psychologische Behandlung begeben müssen, ruft die CDU in Erinnerung. Ein Fall sei damals zur Anerkennung als Arbeitsunfall anhängig gewesen.

CDU schlägt Alarm: Verwaltung steuert auf ein neues Desaster zu

In jüngster Zeit habe es erneut mehrere Krankschreibungen gegeben. Die Handlungsfähigkeit der Verwaltung sei inzwischen wieder akut gefährdet, schlägt die CDU Alarm. Die Verwaltung steuere mit Doreen Lieder an der Spitze „auf ein neues Desaster“ zu. Puttkammer und vier weitere CDU-Räte sind sich sicher: „In Anbetracht der Situation und der längerfristigen Krankschreibungen von Mitarbeitern ist es wohl kaum vermeidbar, dass auch der Landrat als Dienstherr handeln muss.“

Die CDU jedenfalls kann sich eine weitere Unterstützung Lieders nicht vorstellen. Eine zweite Amtszeit auf der Liste der CDU, so die klare Ansage,

2013 herrschte große Freude über den Einzug von Doreen Lieder ins Macherner Rathaus. Auch CDU-Mann Horst Kretzschmar gratulierte damals zur Amtseinführung. Quelle: Andreas Röse/Archiv

werde es für die Ortschefin nicht geben.

Lieder sagte am Freitag gegenüber LVZ, sie könne sich den Stimmungswandel der CDU nicht erklären. Mit den Räten der CDU seien bisher viele Beschlüsse im Einvernehmen gefasst worden. Ihr sei unverständlich, wieso die CDU-Ortsgruppe schon jetzt über die Bürgermeisterwahl 2020 entscheiden wolle. „Im Übrigen“, so Lieder, ist die Handlungsfähigkeit der Verwaltung gegeben.“

Von Simone Prenzel

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