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Canitz: Mulde verschluckt Museumsdorf

Canitz: Mulde verschluckt Museumsdorf

Auf einer Länge von 15 Kilometern erstreckt sich die Gemeinde Thallwitz entlang der Mulde. In Friedenszeiten ist das ein idyllischer Zustand - doch jetzt hat der Fluss dem Landstrich zwischen Wurzen und Eilenburg heftig zugesetzt.

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Die Mulde wälzt sich durch den Park Canitz: Die Aufnahme entstand am Morgen des 3. Juni, nachdem der Deich unterhalb des beliebten Ausflugsziels in den Nachtstunden gebrochen war.

Quelle: Andreas Röse

Thallwitz/Canitz. Ein kleines Museumsdorf in Canitz wurde teilweise weggespült.

"Die Flut hat uns mit voller Wucht erwischt", berichtet Gerd Winkler, Vorsitzender des Fördervereins Mittleres Muldegebiet. Die Landschaftspfleger haben mit dem Park Canitz einen touristischen Anziehungspunkt etabliert, der jährlich bis zu 6000 Besucher lockt. Derzeit erinnern einige Bereiche allerdings eher an ein Schlachtfeld. Das Freigelände wurde nahezu vollständig vom Hochwasser überflutet und ist auf längere Zeit nicht nutzbar.

"Rund 1,5 Hektar des Parkes Canitzes sind der Mulde zum Opfer gefallen", bilanziert Projektleiter Thomas Fleischer. Einige der urgeschichtlichen Behausungen sind komplett von der Bildfläche verschwunden - einfach abtransportiert von den Wassermassen: Einen Kohlemeiler riss die Flut mit sich. Auch Nachbildungen von Zelten aus der Altsteinzeit - bestehend aus Fellen und getrockneten Gräsern - versetzte die Mulde nach ihrem Geschmack. Mehrere hundert Meter Benjeshecke und Flechtzaun sind irgendwo an fernen Gestaden gestrandet, vermutet Fleischer. Dafür hing ein Kühlschrank im Baum, und jede Menge anderen Müll lud der Strom ab. Erst als sich das Wasser vorigen Dienstag zurückzog, wurde das komplette Ausmaß der Wunden sichtbar. "Es ist verheerend. Noch immer können wir einige Bereiche des geschichtlichen Freigeländes nicht trockenen Fußes erreichen", macht Fleischer die Lage deutlich, in der die aktuelle Aufnahme der Schäden erfolgt.

Im Jahr 2000 wurde der Grundstein für Wohnbauten, Speicher und Feldwirtschaften gelegt, die das Leben der Slawen und Germanen vor allem für Kinder und Jugendliche veranschaulichen sollen. Relativ glimpflich ist dieser Bereich des Parks davongekommen. Er liegt einige, aber am Unglückstag entscheidende Zentimeter höher. Nasse Füße haben die Bauten dennoch bekommen. Fotos von den schilfgedeckten Häusern unmittelbar nach der Flutung erinnern an Klein-Venedig. Wege in der kleinen Museumssiedlung hatten sich in Wasserstraßen verwandelt. Die Nachbildung eines Grubenhauses und auch zwei Speicher wurden umspült.

"An den Lehmbauten ist das Hochwasser natürlich nicht spurlos vorübergegangen", berichtet Thomas Fleischer. "In unserem großen Germanenhaus muss der Fußboden komplett raus." Was an den anderen Objekten gemacht werden muss, werden die nächsten Tage zeigen.

Am schlimmsten hat es das Areal rund um das Langhaus aus der Jungsteinzeit erwischt. Die Feuerstelle, an der sonst Schulklassen auf flachen Steinen Korn mahlen und Fladenbrote backen, ist komplett verwüstet. "Das muss alles rausgerissen werden."

Normalerweise fließt die Mulde in sicherer Entfernung am Gelände vorbei. Doch in der Nacht zum 3. Juni war alles anders. "In weiser Voraussicht hatten wir zwar noch Sandsäcke gestapelt, um wenigstens das kleine Museum auf unserem Gelände zu schützen", erzählt der Projektleiter. Doch diesmal brach direkt unterhalb von Canitz, quasi vor der Haustür der Slawensiedlung, auf 150 Metern der Damm. Die Mulde wälzte sich mit voller Kraft über das beliebte Ausflugsziel. "Im Freigelände stand das Wasser bis zu anderthalb Metern hoch, im Museum konnten wir durch die getroffenen Vorsichtsmaßnahmen Schlimmeres verhindern." Aber auch hier habe das Wasser reingedrückt, stand etwa 60 Zentimeter im Erdgeschoss. "Die komplette Dielung muss raus, wie schon 2002." Ausstellungsstücke zur jahrhundertelangen Siedlungsgeschichte sowie zur Trinkwassergewinnung in der Muldenaue blieben glücklicherweise heil.

"Kopfzerbrechen bereitet uns die fehlende Erde", meint Vorsitzender Gerd Winkler. "2000 Kubikmeter wurden über Nacht einfach weggespült." Was die Mulde übrig ließ, beförderten in dieser Woche unter anderem Mitarbeiter der Gemeinde Lossatal auf Hänger. Nachbarbürgermeister Uwe Weigelt (SPD), selbst im Vorstand des Fördervereins tätig, packte kräftig mit zu: "Kein Witz, wir hatten für heute eigentlich eine Schlauchboottour auf der Mulde geplant - als Teambildungsmaßnahme." Aus dem Ausflug wurde bekanntlich nichts - stattdessen schufteten die Lossataler in Canitz. "Hier gibt es Arbeit ohne Ende, deshalb versteht es sich von selbst, dass wir in so einer Situation helfen", fügt Weigelt hinzu, "zumal das Lossatal selbst mit zwei blauen Augen davongekommen ist."

Auch im schwer geschädigten Park Canitz gibt es erste Lichtblicke: Den weiter oben gelegenen Bereichen wie Themengärten und grünem Klassenzimmer konnte die Flut nichts anhaben. "Mittlerweile können wir auch schon wieder Schulklassen empfangen, die wir in der Projektscheune betreuen", so Fleischer.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.06.2013

Simone Prenzel

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