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Wurzen Canitz: Nächtlicher Kraftakt am Deich
Region Wurzen Canitz: Nächtlicher Kraftakt am Deich
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16:45 19.05.2015
Das Werk einer Nacht: Sandsäcke sichern jetzt die Bruchstelle unterhalb von Canitz. Quelle: Andreas Röse

Neben 80 Soldaten schleppten 55 Berufsfeuerwehrleute aus Leipzig Sandsäcke gen Muldeufer. Außerdem waren regionale Kameraden im Einsatz.

Das Militär rückte damit bereits zum dritten Mal in der nördlichsten Muldentalkommune an, um der Gemeinde und den Kommunalen Wasserwerken Leipzig im Kampf gegen die Nachwehen der Flut beizustehen. Die KWL betreiben in der Gemeinde die Wasserwerke Thallwitz und Canitz, deren Brunnenfassungen seit dem Hochwasser von der Mulde überspült werden. Deshalb kam am Montag verständlicherweise Hektik auf, als ein repariert geglaubter Deich anderthalb Kilometer südlich der Ortschaft Kollau wieder bedrohlich schwächelte und sich auch unterhalb des Parkes Canitz das Wasser wieder unbarmherzig seinen Weg durch die dortige Bruchstelle suchte.

"Durch die jüngsten Gewitter war der Pegel der Mulde wieder um rund 30 Zentimeter gestiegen", schätzte Jürgen Schmidt. "Das führte dazu, dass sich durch das Leck unterhalb von Canitz massiv Wasser über die Brunnengalerien der Kommunalen Wasserwerke ergoss." Die Brühe sei wieder bis nach Kollau vorgedrungen, was die massiven Anstrengungen der vergangenen Tage zur Trockenlegung des 80-Seelen-Dorfes zu torpedieren drohte.

Insbesondere die erneute Anforderung der Bundeswehr gestaltete sich am Montagabend nicht ohne Komplikationen. Um die uniformierten Kräfte zu mobilisieren, löste der Krisenstab des Kreises noch einmal Katastrophenalarm für Thallwitz aus. Schließlich geht es in solchen Situationen immer auch darum, wer die Zeche zahlt.

Montagabend seien deshalb hektische Telefonate bis hoch ins Innenministerium geführt worden, um den Ernst der Lage deutlich zu machen, berichtete der Thallwitzer Amtsverweser. Landrat Gerhard Gey (CDU) habe zudem seinen Kollegen Czupalla am Hörer gehabt, bei dem zu diesem Zeitpunkt Kräfte der Bundeswehr stationiert waren. "Um Mitternacht traf endlich die ersehnte Verstärkung durch 80 Soldaten ein", so Schmidt. Bis dahin hatten die örtlichen Kräfte schon stundenlang Sandsäcke geschleppt und waren vollkommen platt. Ein zusätzlicher THW-Trupp wurde noch zur Ausleuchtung der Deichabschnitte angefordert. Da besonders die Bruchstelle bei Kollau schwer zugänglich war, mussten die Säcke über eine längere Strecke von Hand zu Hand zur Mulde befördert werden.

Noch in der Nacht heizte Lutz Müller, Koch der Feuerwehr Thallwitz, die Gulaschkanone an und zauberte 300 Portionen Erbsen und noch mal so viele Teller Linsensuppe aus dem Hut. "Denn die Versorgung mit Essen und Trinken - das sind wir den Helfern schuldig - muss klappen", zeigte sich Schmidt überzeugt. Um die Soldaten am Morgen mit einem kräftigen Frühstück zu verabschieden, schlüpfte der Amtsverweser selbst in die Rolle des Marketenders. "Ich stand früh als Erster vor der Landfleischerei Thallwitz und habe den halben Laden aufgekauft." Auch die Bäckerei Höhne und die Fleischerei Hilsebein seien mobilisiert worden, um die Einsatzkräfte ordentlich zu verköstigen.

Gestern inspizierte der Landrat die geschlossenen Deichwunden. "Wir sind uns einig, dass die Schwachstellen auf die Prioritätenliste der Landestalsperrenverwaltung müssen", meinte der Amtsverweser im Nachgang. Gey habe ihm versichert, dass die Botschaft bei der LTV angekommen ist. "Die Stellen sollen mit Spundwänden repariert werden. Wann genau, wissen wir noch nicht."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.06.2013

Simone Prenzel

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