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Colditzer Katholiken feiern 20. Geburtstag ihrer St.-Raphael-Kirche

Festgottesdienst Colditzer Katholiken feiern 20. Geburtstag ihrer St.-Raphael-Kirche

Eine Mietkostenexplosion, eine Eigenmächtigkeit und ein Schubladenprojekt, dieser Mix führte dazu, dass sich die räumlichen Verhältnisse für die Colditzer Katholiken schlagartig verbesserten. Vor 20 Jahren weihten sie ihre St.-Raphael-Kirche ein. Am Wochenende wollen sie das gebührend feiern.

Klein aber fein: Die katholische Kirche von Colditz an der Schulstraße.

Quelle: Andreas Döring

Colditz. Eine Mietkostenexplosion, eine Eigenmächtigkeit und ein Schubladenprojekt, dieser Mix führte dazu, dass sich die räumlichen Verhältnisse für die Colditzer Katholiken schlagartig verbesserten. Vor 20 Jahren weihten sie ihre St.-Raphael-Kirche ein. Am Wochenende wollen sie das gebührend feiern.

Bevor die Gemeinde ihr kleines aber feines Gotteshaus in Besitz nehmen konnte, war sie über Jahrzehnte in einer angemieteten Kapelle zusammengekommen, die sie in einer ehemaligen Lastwagen-Garage am Wettiner Ring eingerichtet hatte. Einen eigenen Pfarrer besaß sie nicht, als sogenannte Pfarrvikarie waren die Katholiken der Grimmaer Gemeinde zugeordnet. Nachdem der Colditzer Pfarrvikar Axel Kenke 1987 Pfarrer in Waldheim geworden war, vereinigte er die Gemeinden von Colditz und Waldheim. Damit waren die Messen gelesen; der langjährige Wunsch blieb unerfüllt, in Colditz einen eigenen Pfarrer einzustellen. Später, im Jahr 1997, sollte noch Leisnig zum Gemeindeverbund hinzustoßen.

Zwei Jahre zuvor standen die Katholiken an der Zwickauer Mulde vor einem großen Problem. „Der Eigentümer der Garage wollte die Miete für unsere Kapelle um das Zwanzigfache erhöhen“, blickt Andreas Leuschner zurück. Er war 1991 Pfarrer in Waldheim und Pfarrvikar in Colditz geworden, jetzt musste er schnell handeln. Ein Neubau sollte her.

Die christliche Gemeinde entschied sich für ein Grundstück an der Schulstraße. „Den Kaufvertrag unterschrieb ich, ohne vorher im Bistum Dresden-Meißen nachzufragen“, bekennt Leuschner und schiebt nach: „Dort war man nicht erfreut.“ Die Sache hatte er aber nun einmal ins Rollen gebracht, sie ließ sich nicht mehr aufhalten.

Um weiter zügig voranzukommen, entschied sich die Gemeinde für ein Wiederverwendungsprojekt. Das heißt, es sollte eine Kirche werden, die gleichzeitig dreimal errichtet wurde. Inzwischen gibt es sogar fünf nahezu baugleiche Gotteshäuser dieser Art. Nur im Inneren weicht das Colditzer von seinen Geschwistern ab.

„Wir wollten einen Gemeinderaum, in dem bis zu 20 Leute Platz finden“, erläutert Leuschner. „Er ließ sich schaffen, indem die Sakristei vergrößert wurde.“ Dazu kam noch ein Pfarrbüro, ebenfalls ebenerdig. Automatisch ergab sich damit über diesen Zimmern ein freier Raum, der als Empore fürs Kirchenschiff zur Verfügung stand. Dort oben wurde die Orgel aufgestellt, dort singt der Kirchenchor.

750 000 Euro hatte alles zusammen gekostet. Der Großteil des Geldes kam vom Bonifatiuswerk, das Katholiken in der Diaspora unterstützt. Das Bistum griff ebenfalls tief in die Tasche, und die Kirchgemeinde zahlte rund 100 000 Euro. „Wir haben alles bezahlt, ohne Schulden zu machen“, bemerkt der Pfarrer. Am Tag der Einweihung sah es aber fast so aus, als ob die Kirche zu klein konzipiert worden wäre, denn nicht alle Besucher fanden an jenem 29. September 1996 Platz.

Der Alltag bewies jedoch, dass alles richtig gemacht worden ist, worüber Leuschner glücklich sein kann, was ihn aber zugleich eine winzige Kritik äußern lässt. „Die Heiligen Messen jeden Sonntag und Donnerstag sind zwar besser besucht als in Waldheim und Leisnig, es könnten aber gern noch mehr Leute kommen“, meint der 65-Jährige.

Als „ein Stück Mittelpunkt der Gemeinde“ bezeichnet er den Kirchenchor. Mit seinen über 20 Mitgliedern sei er der stärkste in den drei Städten. Er setzt sich zusammen aus Frauen und Männern mehrerer Generationen, die sich über das Singen hinaus stark in der Gemeinde engagieren.

Jeweils einmal im Monat treffen sich nach der Heiligen Messe Männer und Frauen getrennt in der Kirche. Die einen, um beispielsweise Arbeitseinsätze oder ihre Himmelfahrtstour zu besprechen. Die anderen bereiten unter anderem Feste vor. Jeden Montag und Mittwoch kommen Frauen außerdem zu Gebeten zusammen – eigenständig, ohne Pfarrer. Monatlich gibt’s Seniorennachmittage. Und dann wären da noch – eher ungewöhnlich für eine Kirche – die Skatrunden im Gemeinderaum. Urgestein Erich Arendt hatte sie vor Jahrzehnten angeregt. Inzwischen ist er zwar gestorben, aber die Tradition hat Bestand.

Für die 200 Katholiken in Colditz und den umliegenden Dörfern stellt das Gotteshaus somit nicht nur ein geistliches Zentrum dar, sondern auch einen Mittelpunkt ihres gesellschaftlichen Lebens. Wert legen sie auch auf eine gute Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde. Gemeinsame Gottesdienste wie am Weltfriedenstag oder Feste wie am Martinstag zeugen vom Miteinander in der Kleinstadt.

Entsprechend schockierend war für Andreas Leuschner jener Einbruch in der Nacht zu Ostermontag 2015. Unter anderem Hostienschale, Kelche und Monstranz wurden gestohlen. In einer Garage am Europahaus tauchten später das Weihrauchfass und ein Dia-Projektor aus DDR-Zeiten auf. Ein Täter wurde nie ermittelt.

Feierlichkeiten zum 20. Geburtstag der St.-Raphael-Kirche:

Sonnabend, 24. September, ab 16.30 Uhr: Gebet vor dem Allerheiligsten in Dankbarkeit für die Kirche

Sonntag, 25. September, ab 14 Uhr: Festgottesdienst mit Altbischof Joachim Reinelt, anschließend Kaffeetrinken mit Kulturprogramm im Festzelt

Von Frank Pfeifer

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