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Wurzen Communalgarde schießt Salut zum Landesschützentag in Borsdorf
Region Wurzen Communalgarde schießt Salut zum Landesschützentag in Borsdorf
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17:05 22.04.2018
Die Leipziger Communalgarde mit ihrem Ehrenmitglied, dem ehemaligen Landrat Gerhard Gey. Quelle: Frank Schmidt/LVZ-Archiv
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Borsdorf

Aller zwei Jahre lädt der Sächsische Schützenbund (SSB) zum Landesschützentag ein, am 21. April zum 20. Mal. Ausrichter wird diesmal die Leipziger Communalgarde (LCG) zusammen mit der Gemeinde Borsdorf sein, Veranstaltungsort die neue Sporthalle. „Wir sehen es als Ehre, wenn alle Schützenvereine aus Sachsen nach Borsdorf kommen“, sagen Claus Wüsteneck, gerade erst wieder zum Vorsitzenden beziehungsweise Major der Garde gewählt, und Bürgermeister Ludwig Martin (CDU) unisono.

Kein Wunder, dass der Verein mit seiner Idee, sich für das Ereignis zu bewerben, im Rathaus nicht zweimal anklopfen musste. Die nicht alltägliche Chance, den Ort und seine rege Traditionspflege sachsenweit bekannt zu machen, haben beide inzwischen schon kräftig genutzt. Auf der Internetseite des SSB stellt sich die Communalgarde vor und in der Sächsischen Schützenzeitung zeigte Mitte 2017 die Gemeinde ihre besten Seiten – vom regen Vereinsleben, attraktiven Wohngebieten, günstiger Verkehrsanbindung über die Mitgliedschaft im Grünen Ring bis zum Sitz des Bildungszentrums des Handwerks, nicht zu vergessen ihre 750-jährige Geschichte.

Bürgermeister überzeugte mit Präsentation

Im November 2016 hatte Bürgermeister Martin, seit fast 20 Jahren Ehrenmitglied der Garde, mit einer schlüssigen Präsentation beim SSB-Vorstand ins Schwarze getroffen und einen weiteren Mitbewerber in die Strafrunde geschickt. Basis waren Beschlüsse des LCG-Präsidiums und des Gemeinderates – im November 2016 hatten sich von 18 anwesenden Räten 15 für die Bewerbung ausgesprochen.

Streit um Kosten der Veranstaltung

Die gesammelten Unterlagen hat Martin jetzt noch einmal den Gemeinderäten zukommen lassen. Denn einige hatten sich in der jüngsten Ratssitzung verwundert gezeigt, dass Borsdorf als Gastgeber für den Schützentag auftritt. Mit ihrer Weigerung, der Finanzierung der Kosten von 2700 Euro zuzustimmen – weitere 1500 Euro übernimmt die Garde –, hatten sie fast für einen Eklat gesorgt (die LVZ berichtete). Tatsächlich ist im 2016er-Beschluss nur davon die Rede, dass die Gemeinde Halle samt Aufbau, 100 Parkplätze – die Feuerwehr spielt Einweiser – und zwei bis drei Busse kostenlos zur Verfügung stellt. „Weitere Kosten entstehen nicht“, hieß es.

Gemeinde will sich als guter Gastgeber zeigen

Klar müsse jedem aber ebenso sein, meint Martin, dass unter anderem Fußbodenschoner und Bestuhlung, vom Tresenwald geborgt, Miete kosten, die Partheplautzer, engagiert für die musikalische Umrahmung, einen Obolus erwarten oder auch der Bürgermeisterempfang am Abend zuvor im Rathaus nicht ohne Catering geht. Durchaus kostenbewusst, hat er die feierliche Inbetriebnahme der Sporthalle auf den Abend nach dem Schützentag gelegt, so dass der Hallenaufbau effektiv genutzt wird. Martin: „Besonders ärgert mich, dass ich zuvor in nicht öffentlicher Ausschusssitzung die Kosten offengelegt habe und kein Widerspruch kam.“ Der Bürgermeister musste sich die Ausgaben durch den Rat genehmigen lassen, weil die Gemeinde noch keinen Haushalt hat. „Mit Haushalt wäre das Geld einfach aus dem Öffentlichkeitsfonds gekommen“, erklärt er. Der Bürgermeister hofft nun trotz der Querschläger im Vorfeld, „dass wir uns als Gemeinde positiv präsentieren und zeigen, dass wir in der Lage sind, eine solche Veranstaltung durchzuführen. „Mir ist es schon peinlich genug, dass die Fassade der Turnhalle nicht fertig wird, eigentlich sollte die Halle schon im August vergangenen Jahres in Betrieb gehen.“

Neue Sporthalle bietet Platz für Vereine

Die neue Sporthalle bietet mit 1050 Quadratmetern genug Platz für die 394 Delegierten der Mitgliedsvereine. Immerhin sind mehr als 16 000 Schützen in 364 Vereinigungen unter dem gemeinsamen Motto „Brauchtum – Hobby – Sport“ im SSB vereint. Die Delegierten wollen zum Landesschützentag Rechenschaft über das Geleistete ablegen, die Aufgaben für die kommenden Jahre beraten und das Präsidium des Sportfachverbandes für die nächsten vier Jahre wählen. Die Feierstunde mit Proklamation des Landesschützenkönigs zu Beginn des Landesschützentages und die Fahnenehrung am Ende sind weitere Höhepunkte des Programms. Als Ehrengast wird unter anderen Ministerpräsident Michael Kretschmer erwartet. Und natürlich schießt die Communalgarde einen Salut.

Die Leipziger Communalgarde

Die Leipziger Communalgarde gab es von 1830 bis 1867, im Jahr 1995 wurde sie neu als Geschichts- und Traditionsverein gegründet.„Wir sind ein junger Verein im Verhältnis zu Schützenvereinen, deren Gründung bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht“, sagt Wüsteneck. Leipzig hatte 1830 circa 33 000 Einwohner, in der Stadt herrschte Chaos und Anarchie, da König und Regierung auf den alten politischen Verhältnissen beharrten und erste Kunde von der französischen Julirevolution eintraf. Nach Tumulten am 2. September rief der Magistrat die Bürger zur Selbsthilfe auf, Kompanien zu Fuß und zu Pferde wurden gegründet, um die Angriffe des Pöbels abzuwehren. Prinz Johann, Herzog zu Sachsen, genehmigte Ende November den Fortbestand der 800 Mann starken Truppe. Nun war der Dienst nicht mehr freiwillig, jeder Mann, der das Leipziger Bürgerrecht besaß, hatte bis zu seinem 50. Lebensjahr der Communalgarde anzugehören. Neben dem Wachdienst wurde sie auch bei bedeutenden Ereignissen eingesetzt, übernahm zum Beispiel am 7. April 1839 die Absicherung der Feierlichkeiten zur Eröffnung der Ferneisenbahnstrecke Leipzig - Dresden. Zu besonderen Events tritt die historisch uniformierte Garde, ausgestattet mit Musketen und der sächsischen Drei-Pfünder-Kanone, auch heute noch an, ob 2001 zur Einweihung der Löwensavanne im Zoo oder 2015 zum Abschiedsempfang von Landrat und Ehrenmitglied Gerhard Gey. „Die Communalgarde eröffnet auch jedes Jahr das Borsdorfer Parthefest“, ergänzt Martin.

Noch immer in Leipzig ansässig – der jeweilige Oberbürgermeister ist Oberbefehlshaber der Garde –, steht das Schützenhaus der LCG indes seit Ende der 1990er im Borsdorfer Ortsteil Panitzsch. An der alten Rennbahn haben die aktuell 60 Mitglieder ihre Vereinsräume, wo im historischen Kabinett die Aktivitäten der Garde dokumentiert sind, einen 50-Meter-Außenschießstand sowie eine 25 Meter und eine zehn Meter lange Raumschießanlage. „Denn natürlich haben wir auch Sportschützen in unserem Verein“, sagt Wüsteneck, wobei auch das Vorderlader-Schießen mit traditionellen Steinschlossmusketen aus dem 19. Jahrhundert zu den Disziplinen gehöre. „Die Altgardisten zeigen sich glücklich, dass bei ihren Sportschützen die Jugend eine immer stärkere Rolle spielt. Denn es geht uns nicht anders als vielen Vereinigungen in Sachsen: Der Nachwuchs ist knapp“, sagt Wüsteneck. Auch deshalb hofft er auf einen positiven Nachhall des Landesschützentages.

Von Ines Alekowa

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