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Wurzen Dammbruch bei Püchau: Mulde kommt über den Schusterbusch
Region Wurzen Dammbruch bei Püchau: Mulde kommt über den Schusterbusch
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16:50 19.05.2015
Zentimeter für Zentimeter: Rainer Koch muss in Püchau mit ansehen, wie die Mulde sein Haus in der Auenstraße in Besitz nimmt. Schon 2002 wurde es verwüstet. Quelle: Simone Prenzel

"Hier zu stehen und zuschauen zu müssen, wie das eigene Haus in den Fluten verschwindet, ist mehr als bitter", ringt der 54-Jährige Püchauer gestern mit den Tränen. Bis zuletzt hatte er sich geweigert, das schmucke Anwesen in der Auenstraße preiszugeben. "Heute früh um acht hat dann die Feuerwehr bei mir geklingelt und mich freundlich, aber bestimmt zum Gehen aufgefordert." Auch Tochter Claudia ist ihrem Vater zu Hilfe geeilt. Doch auch sie vermag nichts zu tun. "Wir können jetzt nur warten und hoffen, dass das Wasser nicht noch weiter steigt." Die Nacht will Rainer Koch im Oberdorf verbringen.

Ein paar Meter weiter steht ein Ehepaar, dessen Garage bereits vollgelaufen ist, mit dem Pkw abfahrbereit. "Aber so lange das Wasser nicht noch näher kommt, gehen wir nicht", erklärt ein wild entschlossener Püchauer. Pfarrer Martin Handschuh verfolgt derweil vom Kirchberg aus, wie sich die Mulde Zentimeter um Zentimeter die Siedlung zu seinen Füßen schnappt "Ich habe seit Sonntag vier Kirchen in der Muldenaue ausgeräumt, nachdem die ersten Warnungen eintrafen", erzählt der Geistliche. Bennewitz, Deuben, Nepperwitz, Grubnitz - in allen flussnahen Gotteshäusern wurde Inventar in Sicherheit gebracht. Wie es um die Kirchen bestellt ist? Martin Handschuh weiß es nicht: "Wir können nur hoffen."

Noch in der Nacht zum Sonntag hatte Macherns Bürgermeisterin Doreen Lieder (parteilos) alle Überredungskunst an den Tag gelegt, um eine ältere Dame aus dem Püchauer Unterdorf zum Verlassen ihres Hauses zu bewegen. Sie hatte allen Grund dazu: In Höhe des Schusterbuschs gab der Deich in der Nacht auf rund 100 Metern nach. Auch von zwei weiteren Lecks berichteten ihr Thallwitzer, die das Ausmaß der Schäden vom gegenüber liegenden Ufer besser ausmachen können.

In Püchau mussten etwa 50 Familien raus, in Dögnitz, das bereits seit gestern früh komplett unter Wasser steht, sind ebenfalls rund 50 Leute betroffen. Eine ungewisse Nacht und bange Morgenstunden vor sich, denkt die neue Gemeindechefin, die sich eine andere erste Bewährungsprobe gewünscht hätte, bereits an die Tage danach. "Das Wasser kann nicht weg, wir müssen uns schon jetzt einen Kopf machen, wie wir das lösen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.06.2013

Simone Prenzel

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