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Wurzen Daueralarm für Feuerwehren im Landkreis Leipzig
Region Wurzen Daueralarm für Feuerwehren im Landkreis Leipzig
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11:19 26.07.2018
Ein Feld zwischen Neukirchen und Zedtlitz brennt. Durch das schnelle Handeln der Gerätefahrer konnte Schlimmeres verhindert werden. Quelle: A. Schug
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Wurzen

Thilo Bergt redet nicht lange drum herum: „Seit 32 Jahren bin ich Feuerwehrmann. So schlimm wie jetzt war es noch nie. Seit Monaten regnet es praktisch nicht. Vor allem: Es ist keine Besserung in Sicht.“ Besorgnis erregend zudem, dass der Boden inzwischen steinhart sei und kaum Wasser aufnehmen könne. „Sollte es demnächst also Unwetter geben, drohen die nächsten Extreme: Überschwemmungen und Hagelschlag.“

Einsätze halten Feuerwehren in Atem

Der Wurzener Thilo Bergt ist seit 32 Jahren bei der Feuerwehr und seit März stellvertretender Kreisbrandmeister. Quelle: Haig Latchinian

Bergt ist einer der vier Stellvertreter von Kreisbrandmeister Nils Adam. Im März wurde der bisherige Wurzener Stadtwehrleiter vom Kreistag in seinem neuen Amt bestätigt. Sofern es die Zeit erlaubt, rückt er mit seinen Wurzener Kameraden jedoch auch weiter aus. So kennt er die Probleme vor Ort wie kaum ein zweiter: „Wegen der Hitze und Dürre hatten wir schon jetzt so viele Einsätze wie im kompletten vorigen Jahr. An manchen Tagen heult die Sirene gleich mehrfach.“ Als Beispiel nennt er den 7. Juli, als die Feuerwehr zum Haselbruch zwischen Kleinzschepa und Röcknitz gerufen wurde: „Dort brannte nicht nur das Feld. Der Wind wehte so ungünstig, dass die Flammen auch auf den nahegelegenen Wald übergriffen.“

Kameraden schieben Nachtwache

Die Kameraden hatten bis in die Abendstunden hinein zu tun, schoben zudem Nachtwache. Doch damit nicht genug: „Am frühen Morgen mussten wir nach Körlitz, wo ein Dachstuhl brannte.“ Klar, die Feuerwehrleute gehen wie jeder andere auch ihren Berufen nach und freuen sich auf das freie Wochenende, holt Bergt aus: „Doch statt mit ihren Familien unterwegs zu sein, eilen sie dann von Feuer zu Feuer. Das schlaucht.“

Landrat Henry Graichen (CDU) wandte sich dieser Tage mit einem offiziellen Schreiben an die 32 Stadt- und Gemeindewehrleiter im Landkreis Leipzig. Seit Pfingstmontag seien die Kameraden allein wegen Feld- und Flächenbränden fast 100-mal zum Einsatz gerufen worden: „Alle Wehren sind derzeit ungewöhnlich stark gefordert und belastet. Dass die Kameraden diesen Kraftakt meistern, verdient großen Respekt und Anerkennung.“ Graichen bedankt sich für die große Einsatzbereitschaft: „Wir alle können stolz auf Sie sein!“ Nicht zuletzt würdigt der Landrat auch das Verständnis der Angehörigen und Freunde, deren Pläne in den vergangenen Wochen mehr als nur einmal durchkreuzt worden seien. Ihm, Graichen, bleibe nur zu wünschen, „dass alle Kameraden die anstrengenden Einsätze körperlich und auch psychisch gut verkraften“.

Sogar der Zugverkehr schon betroffen

Kai Noeske ist stellvertretender Kreisbrandmeister. Quelle: Andreas Doering

Kai Noeske kümmert sich als stellvertretender Kreisbrandmeister um den Bornaer Bereich. „Allein die Bornaer steuern jetzt schon auf den 150. Einsatz zu. Sonst haben wir so viele Brände in einem ganzen Jahr. Das ist absolut extrem.“ Er erinnert an den 17. Juli, als seinen Leute zum Feldbrand nach Neukirchen gerufen wurden. Dort loderten die Flammen auf 5000 Quadratmetern. Sogar der Zugverkehr zwischen Borna und Geithain kam zum Erliegen. Genau wie sein Kollege Thilo Bergt im Norden des Muldentals verweist auch er darauf, dass Kameraden an manchen Tagen mehrfach ausrücken müssen: „Vormittag brannte in Neukieritzsch der Acker, abends musste das Feld bei Altwitznitz gelöscht werden.“

Nein, im Landkreis jammere trotz der Mehrfachbelastungen keine einzige der insgesamt 159 Feuerwehren. Thilo Bergt ist es wichtig, das zu betonen. Im Namen der Wehren dankt er vor allem den größtenteils verständnisvollen Arbeitgebern, die ihre Angestellten im Alarmfall freistellen. Natürlich reagierten auch die Führungskräfte innerhalb der Feuerwehren auf die angespannte Lage: „Wenn nach einem anstrengenden Einsatz womöglich Sport auf dem Dienstplan steht, verlegen wir die Wasserausbildung schon mal ins Schwimmbad. Oder wir sorgen für Marscherleichterung, indem wir die Uniformjacken ausziehen lassen.“ Ansonsten sei derzeit mancher Kasten mit Mineralwasser mehr auf den Autos: „Wir schwitzen viel, da muss entsprechend nachgetankt werden.“

Mehr zum Thema

Sommer 2018: Feld- und Waldbrände in der Region Leipzig

Von Haig Latchinian

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