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Deichbau in der Püchauer Aue hängt noch in der Warteschleife

Hochwasserschutz Deichbau in der Püchauer Aue hängt noch in der Warteschleife

Das Püchauer Unterdorf hatte sich 2013 in eine Seenlandschaft verwandelt. Während die Bennewitzer Ortsteile inzwischen ein neuer Deich schützt, hängt der Hochwasserschutz für Püchau und Dögnitz noch in der Warteschleife. Landesdirektion und Landestalsperrenverwaltung äußern sich zum aktuellen Sachstand.

Wasser so weit das Auge reicht: Die Flut 2013 in der Muldenaue bei Püchau.

Quelle: G. Heigel

Machern/Püchau. Während die Nepperwitzer alle Hebel in Bewegung setzten, herrscht in der Gemeinde Machern beim Thema Hochwasserschutz absolute Funkstille. Der nach wie vor fehlende Deich spielt in der öffentlichen Diskussion keine Rolle. Als sich ein Püchauer kürzlich im Gemeinderat nach dem Stand der Dinge erkundigte, musste Bürgermeisterin Doreen Lieder (parteilos) passen. Dazu sei sie momentan nicht aussagefähig.

Dabei sind es besonders die Macherner Ortsteile Püchau und Dögnitz, die Flutschutz bitter nötig haben. Knut Becker, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Wir für Nepperwitz“, ist baff, wie ruhig die Gemeinde Machern bleibt. Seine Meinung: „Nachdem der Deich bis zur Gemarkungsgrenze von Bennewitz errichtet wurde, sind die weiter nördlich gelegenen Macherner Ortschaften gefährdeter denn je.“

Bereits seit 2005 liegen umfangreiche Planungen für die Muldenaue vor. Die Rückverlegung des Deiches zwischen Bennewitz und Püchau gilt als eine der wichtigsten Maßnahmen, um dem Fluss im Hochwasserfall mehr Raum zu geben, aber auch die Auendörfer zu schützen. Doch das Vorhaben scheiterte unter anderem am Widerstand von Landbesitzern und Interessen des Naturschutzes. Quälende Jahre des Stillstandes gingen ins Land.

Bis sich die Natur 2013 nicht an den Dienstweg hielt. Wie schon 2002 waren die Dörfer in der Muldenaue nördlich von Wurzen dem Fluss ausgeliefert. Die Mulde strömte nördlich von Bennewitz in den Junitagen 2013 wieder durch ihr altes Bett – ohne Rücksicht auf Verluste.

Von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) wurde ein komplett neuer Schutzwall für den Bereich von Bennewitz bis Püchau konzipiert. Fünf Kilometer lang soll der Deich einmal werden. Auf 1,8 Kilometern ist er seit einem Jahr fertiggestellt und lässt die Einwohner der Bennewitzer Ortschaften ruhiger schlafen. „Würde sich jetzt eine vergleichbare Flut wie 2013 ereignen“, so die Einschätzung des Nepperwitzers Knut Beckers, „würde das Wasser an dem neuen Damm entlang laufen und dann mit voller Wucht auf Dögnitz treffen.“ Die seit Jahren sehr engagierten Nepperwitzer wundern sich deshalb, dass in der Nachbarkommune auch auf politischer Ebene kein Druck aufgebaut wird.

Axel Bobbe, Betriebsleiter der LTV für Elbaue, Mulde und Untere Weiße Elster, hatte auf einer Einwohnerversammlung den frustrierten Flutopfern 2013 erklärt: „Bis das komplette Vorhaben bis Püchau umgesetzt ist, kann es schlimmstenfalls noch fünf Jahre dauern.“ Bobbe hat gelernt, in historisch langen Zeiträumen zu denken.

Der Spielball im Rahmen des aufwendigen Planfeststellungsverfahrens liegt derzeit bei der Landesdirektion. Obwohl 2018 bald auf dem Kalender steht, wird man beim Antragsteller LTV keineswegs ungeduldig. „Es ist auch in unserem Interesse, wenn der Planfeststellungsbeschluss sorgfältig vorbereitet wird“, erklärt Heinz Kaiser, für die Mulde zuständigen Betriebsteilleiter. „Im Vorfeld kann auf diese Weise vieles ausgeräumt und spätere Konflikte vermieden werden.“

Eine abschließende Entscheidung stellt die Landesdirektion auf LVZ-Anfrage für dieses Jahr in Aussicht. „Mit dem Abschluss des Planfeststellungsverfahrens ist im vierten Quartal 2015 zu rechnen“, informiert Jana Klein, stellvertretende Pressesprecherin der Behörde. „Insgesamt haben sich 234 Einwender geäußert“, gibt sie Auskunft. Nachteile bei der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen oder die Festsetzung von Schutzauflagen seien von Betroffenen angesprochen worden. Zudem spielt auch die Forderung nach Entschädigungen eine Rolle. „Problematisiert wurde in einigen Einwendungen ebenso die ungenügende Dimensionierung des Schöpfwerkes Püchau“, fasst die LD-Sprecherin zusammen. Der Denkmalschutz habe unter anderem Bedenken hinsichtlich des Schöpfwerkes vorgebracht. Hier ging es um mögliche optische Beeinträchtigung der Sichtachse zum Püchauer Schloss und zum Schlosspark.

Die LTV habe in einigen Punkten schon reagiert. So sei das Schöpfwerk anders als in den ursprünglichen Plänen angeordnet worden. Die Dauer des Verfahrens beunruhigt die Verantwortlichen in Rötha nicht: „Die sorgfältige Abwägung aller Einwände ist auch in unserem Interesse und ganz einfach notwendig für die juristische Sicherheit des Vorhabens“, so Heinz Kaiser.

„Sobald der Planfeststellungsbeschluss vorliegt, werden wir in die Ausführungsplanung gehen und die Maßnahme ausschreiben“, erklärt der Experte. Für diese vorbereitenden Arbeiten veranschlagt die LTV ein dreiviertel bis ein Jahr. Der eigentliche Deichbau würde dann noch einmal zwei Jahre dauern. Hinzu käme die technisch durchaus anspruchsvolle Errichtung des Schöpfwerkes bei Püchau. Den Zeitraum 2019/2020 nennt die LTV derzeit als voraussichtlichen Fertigstellungstermin für das komplette Vorhaben. Erst dann wären sämtliche Muldedörfer in diesem Bereich vor einem Hochwasser geschützt, wie es statistisch alle 100 Jahre auftritt.

Von Simone Prenzel

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