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Wurzen Denkmalpflege stoppt wegen Mängeln die aktuellen Arbeiten im Wurzener Stadtpark
Region Wurzen Denkmalpflege stoppt wegen Mängeln die aktuellen Arbeiten im Wurzener Stadtpark
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00:19 27.02.2018
Nach einer Vorortbesichtigung Anfang Februar durch das Landesamt für Denkmalschutz musste die Stadtverwaltung sämtliche Arbeiten im Stadtpark einstellen. Quelle: Kai-Uwe Brandt
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Wurzen

Rüffel mit Folgen: Mitten während der Arbeiten im Wurzener Stadtpark hat die Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes jetzt das Vorhaben gestoppt. Grund für das Veto von oben war eine Ortsbesichtigung Anfang Februar. Dabei stellten die anwesenden Fachleute fest, heißt es im Schreiben an die Stadtverwaltung, dass die Tätigkeiten „ungenehmigt“ und „im Widerspruch zu denkmalrechtlichen Belangen durchgeführt worden sind“.

So unter anderem das Fällen der Alleebaum-Reihe in der Geschwister-Scholl-Straße samt Rodung der verbliebenen Hainbuchenhecke. Darüber hinaus bemängelten die Denkmalpfleger das maschinelle Entfernen „sämtlichen Bewuchses außer Altgehölze“ auf etwa 10 000 Quadratmetern und folglich der dort befindlichen Ziersträucher. Im Weiteren traten durch das Abziehen der Vegetationstragschicht großflächige Wurzelschäden auf sowie Beschädigungen der Wasserleitbahnen in der Wachstumsschicht von Bäumen durch das Einsägen von Efeu. All das und auch die Lagerung von 400 Tonnen Baustoffen im Stadtpark – gemeint ist der Splittberg auf dem früheren Konzertplatz in Höhe der Apotheke „Am Stadtpark“ – bewog letztlich die Denkmalschutzbehörde zum Ziehen der Reißleine.

Stadt wehrt sich gegen Vorwürfe

Doch gegen die Vorwürfe wehrt sich Kathrin Höhme, zuständige Sachbearbeiterin im Stadthaus. Immerhin, sagt sie und belegt ihre Aussage anhand von Dokumenten, beantragte Wurzen bereits im Oktober 2015 nicht nur den Abriss der alten Toilettenanlage und die Erneuerung der Trockenmauer, sondern ebenso den Gehölzschnitt sowie das Auslichten des Unterholzes. Und zwar im Paket entlang der Alten Nischwitzer, der Geschwister-Scholl- und Kutusowstraße. „Von ungenehmigt kann also keine Rede sein, da hierfür eine Genehmigung erfolgte.“

Ferner widerspricht Höhme der Behauptung, dass die gefällten Alleebäume zum Stadtpark gehören. „Wir betrachten nach wie vor den am Park gelegenen Fußweg als zum Straßenkörper gehörig.“ Zudem musste hier schon deshalb die Säge angesetzt werden, da die Bäume teils beschädigt waren und wegen ihres Standortes keine Aussicht auf weiteren Wuchs hatten. Die Beschädigungen am Fußweg würde noch beseitigt und später eine tiefer liegende Rasenborde gesetzt.

Unverständnis über Hinweis zum Rückschnitt

Unverständnis zeigt Höhme über den Hinweis zur Hainbuchenhecke. Der starke Rückschnitt sei nämlich aus pflegerischer Sicht erforderlich. „Nebenbei bedarf die Unterholzbeseitigung eines maschinellen Vorgehens. Eigens hierfür erfolgte der Einsatz sogar mit einer extra angeschafften Wurzelratte.“ Asche aufs Haupt streut sie sich indes beim Thema Efeu. Manche Ranken wiesen einen Durchmesser von acht Zentimetern auf, wodurch es Einschnitte bei Bäumen gab. „Diese werden allerdings fachgerecht nachbehandelt.“ Zuletzt verteidigt Höhme den von Amts wegen monierten Lagerplatz. Das Areal sei schließlich die einzige Stelle, um Gesteinsmaterial für die Parkwege aufzubewahren. Allerdings verlangen die Denkmalschützer nicht grauen Splitt, sondern gelben Kies.

Park wurde vor 139 Jahren angelegt

Das grüne Kleinod der Muldestadt wurde auf Bestreben des Teppichfabrikanten Petter Andreas Georg Juel (1840 –1900) und des damaligen Verschönerungsvereins vor 139 Jahren angelegt, der erste Baum – die sogenannte Fischer-Eiche – am 12. Oktober 1879 durch Bürgermeister Heinrich Alfred Mühle (1839 – 1907) gepflanzt. Heute ist das 16 Hektar große Gelände ein Kulturdenkmal. Schon 2009, so Höhme, forderte daher das Landesamt für Denkmalpflege vom Stadthaus ein denkmalpflegerisches Zielkonzept, ähnlich wie im Alten Friedhof. Den Auftrag erhielt wegen mangelnder Finanzen erst im Juli 2017 das Büro für Freiraumkonzepte in Bad Lausick. Zwischenzeitlich erklärte sich Erik Schulte, Leiter der Prüfstelle des Bundessortenamtes in Wurzen und promovierter Agraringenieur, bereit, eine Baumstatistik zu erstellen. Dabei stellte sich heraus, dass der Spitz-Ahorn mit 93 Exemplaren die häufigste Baumart ist – gefolgt von der Winterlinde (56), der Rotbuche (41) und Stieleiche (39).

Im Übrigen ordnete das Landesamt in Dresden „die Wiederherstellung der Wege und der gerodeten Bepflanzung“ an und setzte eine Frist bis zum 30. April. Wie die Arbeiten im Stadtpark nun weitergehen, weiß Höhme im Moment nicht zu sagen. Denn in der Vegetationszeit zwischen 1. März und 30. September dürfen sowieso per Gesetz keine Bäume gefällt werden.

Von Kai-Uwe Brandt

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