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Der Holzmichel von Hohburg

Der Holzmichel von Hohburg

Gerhard Baum macht in Hohburg seinem Namen alle Ehre. Er gilt als der Holzmichel. Schon geht im Ort das Gerücht, der 79-Jährige habe auf seinem Grundstück so viel Holz gestapelt, dass er es bis zu seinem Lebensende nie und nimmer schaffe, alles zu verfeuern.

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Meister seines Faches: Gerhard Baum liegt das professionelle Stapeln der Scheite gewissermaßen in den Genen.

Quelle: Haig Latchinian

Lossatal/Hohburg. Seine Frau Lieselotte geht mit Augenzwinkern sogar noch weiter: "Nicht mal unseren Kindern und Kindeskindern dürfte das gelingen."

Nein, das übereinander geschichtete Holz heiße nicht etwa Stapel, sondern Feim, belehrt der alteingesessene Baum den Städter. Überhaupt hat der Meister seines Faches schnell den Eindruck, dass er beim Urschleim beginnen müsse: "Der Ofen ist 50 Zentimeter tief. Demzufolge sind die Scheite etwa 45 Zentimeter kurz. Nun kann ich aber nicht nur die Kurzen übereinander stapeln. Damit uns der Feim nicht zusammen rutscht, wird über Kreuz angeordnet, wobei längere Scheite als Binder fungieren." Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Gerhards Vater Hugo, Maurer seines Zeichens, wurde im Dorf gern "Millimetermeier" genannt. Er war bekannt für seine Feime, die wegen ihrer Festigkeit einem Monolith glichen. Nie habe er es verwunden, dass ihm am Wiesenhang doch tatsächlich mal ein solch tonnenschwerer Stapel einstürzte: "Er hatte offensichtlich die Schräglage unterschätzt, außerdem stand das ganze auf Mutterboden", erinnert sich sein Sohn. Ihm dürfe so etwas nicht mehr passieren, lacht Gerhard Baum: "Schließlich heißt es, dass jeder umgefallene Feim einen kleinen Neuankömmling ankündigt. Dafür bin ich nun wirklich zu alt", so der Vater dreier Töchter. Iwo, deshalb seien ihrem Mann noch lange nicht drei Stapel um die Ohren geflogen, stellt Ehefrau Lilo von der Seite klar.

1991 wurde der langjährige Elektriker im Steinbruch Zinkenberg in die Vorruhe geschickt. "Weil ich nichts anderes zu tun hatte, spannte ich jeden Tag meinen Trabi an und fuhr ins Holz", so Gerhard Baum. Der Förster habe ihm die Erlaubnis gegeben, das umher liegende Holz aufzuladen. Nichts für Weicheier: "Buche, Eiche und zum Teil auch Birke platzen wie Glas. Da reicht der Spalthammer. Die Lärche aber ist so zäh, die lacht dich aus, wenn du mit der Axt kommst. Also schaffte ich mir einen Spalter an, der funktioniert elektrisch und schont das ohnehin kaputte Knie."

Holz vor der Hütte - ein echtes Hobby des Rentners: "Andere gehen in den Kraftraum und stemmen Gewichte. Ich fahre eben in den Wald." 1996 baute er sich zusammen mit seinem Schwiegersohn eine Holzheizung ein. "Wir brennen da nicht etwa ein Indianerfeuer ab. Vielmehr wird dem im Ofen liegenden Holz über einen Ventilator Luft zugeführt, wodurch die Flamme nach unten gedrückt wird. In der Wanne passiert die Flamme ein Raster und erhitzt so das Wasser." 18 bis 20 Kubikmeter Holz fresse seine Heizung im Jahr, sagt der Holzmichel. Wie viele mit Wellblech abgedeckte Feime auf seinem Grundstück stehen - schwer zu sagen, es mögen gut zwei Dutzend sein. Wobei die Feime mitunter die Größe eines Holzhauses annehmen. Zwischendrin finden sich auch Reisigbündel. "Meine Oma, Emma Benndix, die auch schon hier wohnte, pflegte noch unsere sächsische Sprache. Sie nannte die Reisigbündel immer Reisbingel", so der Hausherr, der die Reisbingel zum Anfeuern benötigt.

Mancher Feim schmücke das Grundstück sogar schon seit 25 Jahren. "Da ist nichts dabei. Du kannst drücken wie du willst, so ein Feim lässt sich nicht umschubsen. Der steht wie eine Eins." Selbst als die Lossa dieser Tage über die Ufer trat und auch das Land von Gerhard Baum überschwemmte, passierte nichts: "Wenn so ein Feim 30 Zentimeter im Wasser steht, schwimmt er noch lange nicht fort."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.06.2013

Haig Latchinian

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