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Der Ringelnatzpfad in Wurzen erhält drei neue Kunstwerke auf Stelen

Kunstinstallation Der Ringelnatzpfad in Wurzen erhält drei neue Kunstwerke auf Stelen

Die drei Sieger des Kunstwettbewerbes 2015 „Auch Schatten leuchten“ zum Wurzener Ringelnatzpfad montieren derzeit ihre Kunstwerke auf die Stelen, die für sich schon ein Stück Kunst sind. Neben jeder Stele wird eine Tafel angebracht, auf der das Kunstwerk erläutert und der Sponsor genannt wird. Der vollständige Pfad wird zum Ringelnatz-Sommer 2016 am 6. August eingeweiht.

Jan Thomas’ „Betmäuschen“ ist am Wenceslaikirchhof gelandet.

Quelle: privat

Wurzen. Schon die Stelen für sich sind ein Stück Kunst. Derzeit montieren darauf die drei Sieger des Kunstwettbewerbs 2015 „Auch Schatten leuchten“ zum Wurzener Ringelnatzpfad ihre Kunstwerke. Das letzte soll Ende April am Schloss seinen Platz finden. „Neben jeder Stele wird eine Tafel angebracht, auf der das Kunstwerk erläutert und der Sponsor genannt werden. Der vollständige Pfad wird zum Ringelnatz-Sommer 2016 am 6. August eingeweiht“, informiert Viola Hess, Vorsitzende des Ringelnatzvereins.

Der Künstler Jan Thomas und die Mitarbeiter der Kunstgießerei Gebrüder Ihle in Dresden gaben jetzt dem „Betmäuschen“ am Wenceslaikirchhof sein endgültiges Zuhause. Jan Thomas beschreibt das vom Schmuck gotischer Kathedralen inspirierte Kunstwerk als „eine Chimäre aus Frauenfigur und Fledermaus“. Betend und mit ausgebreiteten Flügeln auf ihrem Schwanz tänzelnd, schwebt sie für den Betrachter über der Stele.

Fledermäuse seien faszinierende Schatten- und Nachtwesen, so Thomas, und sie würden als sozial hoch entwickelt gelten. Die Plastik passe zum Ringelnatz-Gedicht „Gebetchen“ auf der Stele und in die direkte Umgebung als mögliches Habitat. Das flüchtige Schattenwesen könnte aus den Bäumen oder als gefahrabwehrende Groteske gar von der Kirchenfassade geflogen gekommen sein, um für ein kurzes Gebetchen im Schein der Straßenlaterne auf der Stele zu verweilen.

Am Dienstag montierte Jean Kirsten sein Kunstwerk am Badergraben. Der Standort am Rand eines Parkplatzes, bedrängt von einer wuchernden Konifere, zwang den Künstler, mit seiner Skulptur in die Höhe zu gehen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Auf das eingegrabene Keramikrohr setzte er einen geschlossenen Glaskörper mit einer gleichseitigen, dreieckigen Grundfläche, 150 Zentimeter hoch. In dessen Innerem steht die aus bläulichem Glas mit Wasserstrahl geschnittene Silhouette eines Seepferdchens.

In die Glasflächen ätzte Kirsten die Textzeilen „... und immer wieder fort, fort. Nicht aus Vergnügen und nicht zum Sport. Manchmal tut’s weh.“ aus dem Ringelnatz-Gedicht „Schnee“. Für Kirsten ist dies eine visuelle Interpretation des Gedichtes: „das Gefangensein im Aquarium einerseits und das ewige Sich-selbst-Wachrütteln des Künstlers und Bereitsein zum Weggehen“.

Die Stele am Schloss wird bald eine Bronze-Skulptur von Jana Beerhold, 40 Zentimeter groß, zum Ringelnatz-Vierzeiler „Der sächsische Dialekt“ schmücken. Der Schriftsteller und Weltenbummler spielt darin voller Schalk auf die Gemütlichkeit des sächsischen Dialekts im Vergleich zum Spanischen an. Den Witz der widersprüchlichen Verse versuchte die Künstlerin mit einer Analogie einzufangen: Auf der einen Seite der vielleicht bekannteste Sachse, August der Starke, als Goldener Reiter auf kolossalem Schlachtross, auf der anderen der vielleicht bekannteste Spanier der Literatur: Don Quijote, der Ritter von der traurigen Gestalt auf seiner klapprigen Rosinante. Die Skulptur, so Beerhold, „zeigt Ringelnatz auf einem Pferd, das an Rosinante erinnert, gebeugt von den gescheiterten Abenteuern ihres Besitzers.“ Trotzdem sitzt dieser selbstbewusst im Sattel. „Seine künstlerische Freiheit erlaubt es ihm, die Langsamkeit des Sächsischen zu karikieren.“

Von Ines Alekowa

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