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Wurzen Detailgetreu bis zum Röhrenradio
Region Wurzen Detailgetreu bis zum Röhrenradio
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05:00 10.06.2011
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. Wenn die Blue Wonder Jazzband beim Dixieland-Konzert am Steinarbeiterhaus ab 16 Uhr eine Pause einlegt, wird die neueste Errungenschaft auf dem Freigelände eingeweiht: Eine Garage für die Primus-Zugmaschine von 1937, Stein für Stein nach einem Original nachgebaut.

Der Oldie hatte bisher nur zu Konzerten am Steinarbeiterhaus seinen Auftritt. Die meiste Zeit war das Prachtexemplar außerhalb untergestellt, denn Wind und Wetter wollte Müller den Veterenan um nichts in der Welt aussetzen. Seit Jahren suchte er nach einer Lösung und hielt bei Überlandfahrten nach alten Garagen Ausschau.

Aus ideales Vorbild entpuppte sich das alte Spritzenhaus in Watzschwitz. Nach der Genehmigungsprozedur wurde der Klinkerbau eins zu eins nachgebaut. Vorher musste Müller allerdings bei der Fahndung nach Sponsoren und Baumaterial etliche Klinken putzen. Die Biberschwänze auf dem Dach barg der Bauhof beim Abriss einer Scheune in Watzschwitz. Ziegel stammen von der ehemaligen Kantine am Steinbruch Zinkenberg. „Der Heimatverein durfte die historischen Bauteile kostenlos holen, wir haben 500 Ziegel abgehackt", erzählt Müller.

Die Garage ist ein Schmuckstück mit kleinen Stichbogenfenstern und Ziegeln in Schräg- und Zahnschnitt geworden. Solche Schmuckformen gab es früher selbst bei den schlichtesten Gebäuden. Innen hat Müller auf 14 Quadratmetern eine Schlosserwerkstatt wie in den 1930er Jahren eingerichtet. Alles ist so arrangiert, dass man denkt, der Meister macht gerade eine Fuffz‘n. Das große Werkzeugbrett hing einst in der Wurzener Teppichfabrik. „Jeder Schlüssel hat seinen festen Platz, man sieht gleich, wo etwas fehlt", erläutert Müller. Der Schrank kommt aus dem Steinbruch Frauenberg und sah erbärmlich aus. Mit der Messingbürste entrostet, eingeölt und an Schadstellen mit handgemixter Lackfarbe nachgebessert, kann er sich wieder sehen lassen.

Auf einem Flohmarkt hat Müller erst am Sonnabend eine Lampe mit Scherengitter und ein altes Röhrenradio von 1939 aufgetrieben. Ein Bastler aus dem Heimatverein lötet gerade noch einen Stecker an. Zum Detail versessen zusammengetragenen Inventar gehören ein alter Feuerlöscher, Garderobenhaken mit Rucksack und Klamotten von Anno dazumal, Emailschilder und eine Werbung für Autoöl, die Manfred Knochenmuß von der Heimatstube Podelwitz großzügig abgetreten hat. Selbst die Lüftungslöcher an der Tür, angeordnet im Vierpass, wie das Müller unterwegs in Neuruppin gesehen hat, gehören zu den zahllosen Kleinigkeiten, die hier bis zur Installation der Elektrik auf dem Putz Vergangenheit lebendig machen.

„Es ist alles so geworden, wie es in meinem Kopf war", freut sich der Museumsleiter. Er ließ sich mit der Umsetzung Zeit, war es doch mühsam, immer neue Gelder aufzutreiben. Drei Jahre dauerte es vom Fundament bis zum Dachfirst. Viel Gespür für Historisches bewiesen dabei die Mitarbeiter der Dachdeckerfirma Reiche aus Heyda, die den Hauptteil schulterten. Aber auch ohne die Vereinsmitglieder und nicht zuletzt Ein-Euro-Jobber Andreas Syre, auf den Müller immer zählen konnte, wäre das komfortable Zuhause für den alten Primus nicht denkbar.

Ingrid Leps

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