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Wurzen Deubener Geflügelhof entkommt nur knapp den Fluten
Region Wurzen Deubener Geflügelhof entkommt nur knapp den Fluten
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16:50 19.05.2015
Es war knapp: Die Geflügelhof-Chefin inspiziert die Ställe. Quelle: Simone Prenzel

Auch nach Nepperwitz war kein Durchkommen. Eine, die eher als andere ins Evakuierungsgebiet durfte, war Gudrun Marienburg. "Sie glauben gar nicht, wie erleichtert wird sind, diesmal davongekommen zu sein", meinte die Geschäftsführerin des Deubener Geflügelhofes. In drei langgezogenen Baracken am Ortsrand von Nepperwitz gackerten gestern an die 125 000 Tiere munter vor sich hin. Der landwirtschaftliche Betrieb in der Muldenaue war um ein Haar der Katastrophe entgangen.

Während das nur wenige Meter weiter nördlich gelegene Nepperwitz auch gestern früh noch einer Insel glich, blieben die Ställe von den Wassermassen verschont. "2002 kam die Flut ohne Vorwarnung", erinnert sich die Geschäftsführerin. Der 20-Mann-Betrieb mit Sitz in Deuben hatte keine Chance, noch zu reagieren. Die Schadensbilanz damals: eine halbe Million Euro. 35 000 Tiere - die Hälfte der Bestände - ertranken. "Diesmal", berichtet Gudrun Marienburg, "konnten wir Vorsichtsmaßnahmen treffen." Einige tausend Tiere wurden in höher gelegene Käfige gesperrt, damit sie das Wasser erst gar nicht erreicht. Andere hätten sich im Ernstfall noch auf die Sitzstangen retten können. "Insgesamt", schaut die Geflügelhof-Chefin in ihre Bücher, "haben wir momentan 41 000 Lege- und 36 000 Junghennen vor Ort. Ihnen ist nichts passiert." In Sorge war man seit Sonntag vor allem um die erst zehn Tage alten Küken. "Aber auch sie haben alles gut überstanden." Zum Füttern und Eier abnehmen waren die Mitarbeiter zuletzt nicht mehr durchgelassen worden. Erst eine Anordnung des Veterinäramtes machte den Weg frei. Der Bennewitzer Vize-Bürgermeiser Wolfram Böttger (CDU) ist froh, dass der Betrieb keinen Schaden genommen hat, ebenso wie andere Firmen im Gemeindegebiet: "Wir mussten uns schließlich auf die Rettung von Menschenleben konzentrieren."

Auch wenn die Herden heil blieben - indirekt ist der Geflügelhof dennoch vom Hochwasser betroffen. "Einige unserer Mitarbeiter wohnen in den Auendörfern und mussten erneut ihre Häuser verlassen, wie bereits vor elf Jahren." Manfred Neustadt, der gestern an seinem Schreibtisch im Geflügelhof Deuben saß, ist einer von ihnen. Er bangt um sein Grundstück in Dögnitz: "Uns hat es wieder voll erwischt. Mein Keller ist komplett abgesoffen", berichtete der Buchhalter. Er wusste noch nicht, wann er das erste Mal wieder vorrücken kann, um die Schäden in Augenschein zu nehmen. Ähnlich wie im benachbarten Püchau war die Mulde über den gebrochenen Damm am Schusterbusch ins Dorf gelaufen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.06.2013

Simone Prenzel

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