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Deutscher Dessert-König: Wurzener Mike Bednarsch ist heißer Favorit

Bundesfinale Deutscher Dessert-König: Wurzener Mike Bednarsch ist heißer Favorit

Sie gilt als die süßeste Versuchung, seit Wurzen einen Dom hat: Die Bischöfliche Götterspeise. Kreiert hat sie der 26-jährige Mike Bednarsch, Koch im Restaurant Schloss Wurzen. Im Wettbewerb um den Titel „Deutschlands Dessert-König“ schaffte er es mit seiner viel gepriesenen Nachspeise unter die besten Fünf. In einigen Tagen winkt in Köln sogar die Krone.

Bischöfliche Götterspeise aus dem Schlossrestaurant Wurzen – eins der fünf besten Nachspeisen Deutschlands.

Quelle: Jan Gutzeit

Wurzen. Süßer die Glocken nur zu Weihnachten klingen. Pünktlich zur glamourösen Verkostung der unwiderstehlichsten Nachspeise Wurzens scheint sogar Gott seine Hand mit im Spiel zu haben. Und so grüßt der benachbarte Dom die erlesene Kundschaft vorm Schloss mit schallendem Geläut. Kein Wunder: Es ist schließlich die Bischöfliche Götterspeise, die im großen Finale steht.

Erstmals küren Langnese, der Service-Bund und TV-Moderatorin Ruth Moschner die beste Dessert-Kreation Deutschlands. Die Wahl alles andere als eine Qual. Wer wüsste das besser als Chef-Schleckermäulchen Marcus Hannig. Zwischen Nordsee und Alpen testete er weit über 70 Süßspeisen. Der Gaumen und – sein Daumen. Letzterer zeigte für fünf Teilnehmer nach oben. Einer der Finalisten: Mike Bednarsch, stellvertretender Küchenleiter im Restaurant Schloss Wurzen. Der 26-Jährige kreierte besagte Bischöfliche Götterspeise, alles andere als ein Wackelpudding, auch wenn der Schöpfer vor Aufregung beinahe zittert.

Schlossherr Ronny Wedekind ist stolz wie Oskar. Zum einen auf die Kollegen um Küchenchef Toni Thiele, zum anderen auf die viel gepriesene Götterspeise: „Anno dazumal residierte Johann von Schleinitz auf Schloss Wurzen. 1518 wurde er zum Bischof ernannt. Nachdem ihm der Papst die Urkunde zustellen ließ, gab von Schleinitz ein rauschendes Fest. Mit 150 Gästen und 81 Gängen!“ Kein Witz, er habe die Akten studiert, so Wedekind. „Unter anderem gab es Mango. Die gilt in Asien seit jeher als göttliche Speise. Und weil unser Dessert im einstigen Bischofsschloss ganz auf Mangowürfel abgestimmt ist, heißt das Ganze eben Bischöfliche Götterspeise.“

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Tiramisu, Crème brûlée oder feinste Eiscreme – dem letzten, aber entscheidenden Gang wird zu selten die verdiente Beachtung geschenkt – deswegen suchen Langnese mit dem Service-Bund und Aktionsbotschafterin Ruth Moschner das beste Dessert Deutschlands – an Wurzen kamen sie nicht vorbei.

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Netzzellengewölbe, Kerzenschein, klassische Musik – Moderator Alexander Franke ist begeistert vom Ambiente des Schlosses. Vor allem aber von der hübschen Geschichte, die sich um die Bischöfliche Götterspeise rankt. Wurzens Ortschronist Wolfgang Ebert zeigt sich dagegen überrascht: „Mango? Wie soll die um 1518 nach Wurzen gekommen sein? Na ja, Dichtung und Wahrheit liegen nah beieinander“, kann der sonst gestrenge Forscher schon wieder lachen. Auf jeden Fall habe das Schloss da noch gestanden, es sei nämlich erst am Gründonnerstag 1519 abgebrannt.

Voilà! Die 20-jährige Küchenfee Natalie Fucke kredenzt die Vorspeise. Blue Cheese Panna Cotta mit Rote-Beete-Carpaccio. Ein Raunen geht durch den Fürstensaal. Lisa Barchewitz und ihrem Freund Felix Höhndorf läuft das Wasser im Munde zusammen. Nun geht es Schlag auf Schlag. Zunächst folgt die Hauptspeise, feinste Filetspitzen vom Fasan an Schwarzwurzel, Zuckerschotenragout sowie Maronen-Kürbis-Püree, und schließlich – tätärätä – die Bischöfliche Götterspeise, die süßeste Sünde seit Wurzen einen Dom hat.

Ein eingespieltes Video beweist, wie hin und weg TV-Schönheit Moschner war, als sie vor einiger Zeit zusammen mit Mike Bednarsch in der Wurzener Küche stand. O-Ton: „Mike gib’ mir Anweisungen! Ich mache alles, was du willst!“ Prompt spritzt es. Nämlich, als Frau Moschner mit dem Löffel auf die Himbeersoße patscht. Eigentlich soll damit das unvergleichliche Muster am Tellerrand entstehen. Tatsächlich aber landet ein Spritzer geradewegs auf dem weißen Hemd des Schlossherrn. Der Fleck ist längst weg, beruhigt Ronny Wedekind die Runde und lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf die Götterspeise. Der eigens aus Dresden angereiste Werbefotograf Jan Gutzeit rückt sie ins rechte Licht. Das Eis, die Minze, die Mangowürfel – einfach köstlich.

Koch Mike Bednarsch und Ruth Moschner in der Schlossküche

Koch Mike Bednarsch und Ruth Moschner in der Schlossküche.

Quelle: Best Dessert

„Egal zu welcher Jahreszeit, der Koch vom Schloss ist stets bereit!“ Goethe? Schiller? Shakespeare? „Nein, ein früher Röglin“, triumphiert der Wurzener Oberbürgermeister und hält sich vor Lachen den Bauch. Er ist überzeugt davon, dass die Bischöfliche Götterspeise das Rennen macht: „Sehr lecker, volle Punktzahl.“ Marcus Hannig, der Chef-Verkoster, gibt sich unbestechlich. Gekürt werde der Sieger erst am 9. Oktober auf der Kölner Anuga, der weltgrößten Lebensmittelmesse. Bis dahin müssten sich alle noch gedulden. Zu beneiden der Mann. Kraft seiner Wassersuppe futterte er sich in den vergangenen Wochen bereits bei der Konkurrenz in Stuttgart, im Sauerland, bei Berlin, in Meißen und nun also in Wurzen durch. Für die gute Sache, wie er betont: „Die fünf Finalisten sollen zeigen, was sie drauf haben. Gerade das Dessert fällt bei Restaurantbesuchern immer öfter hinten runter. Entweder um zu sparen, weil es angeblich zu lange dauert oder der Figur wegen. In diesem Sinne: Es lebe der Nachtisch!“

Der Held des Abends, Mike Bednarsch, ein ganz stiller – im Rampenlicht mit Worten ähnlich sparsam wie mit dem Orangenlikör im Dessert. Ja, natürlich sei er glücklich, es mit seiner Kreation unter die besten Fünf im ganzen Land geschafft zu haben, gesteht er freimütig. Zur Feier des Abends hat der Koch seine Mutter eingeladen: Jacqueline Daniel strahlt mit all den Kerzen im Fürstensaal um die Wette: „Ich bin so stolz auf meinen Sohn. Er ist der älteste meiner fünf Kinder. Ich habe oft mit ihm zusammen gekocht. Gern hat er mir in der Küche über die Schulter geschaut. Er träumte davon, einmal Koch auf dem Schiff zu werden. Nun ist er in einem Schloss gelandet – ist doch auch toll.“ Sie selbst habe einst auch Köchin gelernt, arbeitete dann aber im Kullerbetrieb, wie sie das Wälzlagerwerk nennt. „Jetzt drücke ich dem Mike ganz fest die Daumen. Vielleicht wird er in Köln ja sogar Erster, Deutschlands Dessert-König. Es wäre zu schön!“

Von Haig Latchinian

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