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Dicke Luft im Gewerbegebiet Gerichshain

Dicke Luft im Gewerbegebiet Gerichshain

Dicke Luft in Gerichshain: Massive Beschwerden gibt es über Geruchsbelästigungen, die von einer Firma im Gewerbegebiet ausgehen sollen. In die Schusslinie ist dabei die Firma VS Frotscher Druck geraten.

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Steht in der Kritik: Die Kreisbehörde kontrollierte Frotscher Druck bereits mehrfach.

Quelle: Klaus Peschel

Machern/Gerichshain. "Die Situation ist nicht länger zumutbar", empörte sich Gemeinderat Wilfried Pohle (CDU). Bert Näther, Geschäftsführer der Firma Farben Schultze, macht sogar Erweiterungspläne davon abhängig, "ob der Gestank bald aufhört".

"Das Problem belastet den ganzen Ort. Nicht nur in unmittelbarer Nähe klagen Mitarbeiter benachbarter Firmen bereits heftig über Beeinträchtigungen", schildert Wilfried Pohle. Je nach Windrichtung sei der Geruch auch in den Wohngebieten wahrnehmbar. "Man kann nicht mehr in den Garten oder gemütlich auf der Terrasse sitzen, sondern muss sich in geschlossene Räume zurückziehen."

Das Ärgernis besteht offenbar schon länger. "Mit dem ehemaligen Bürgermeister und der Geschäftsführung haben wir hinter verschlossenen Türen mehrfach zusammengesessen und Frotscher Druck hat Besserung versprochen. Aber das hat alles nichts gebracht. Das Thema muss endlich an die Öffentlichkeit."

Unter der alten Geschäftsführung habe es solche Zustände nicht gegeben. "Der vorherige Besitzer", so Pohle, "hat die Sache im Griff gehabt." Erst nachdem ein neuer Investor ans Ruder kam, hätten die Belästigungen eingesetzt. Nach Meinung vieler Gerichshainer könne es sich nur bei der Produktionstechnik der Firma Frotscher Druck um den Übeltäter handeln. Dabei sei es schwer, einen Nachweis zu führen, macht der Gemeinderat deutlich. "Es stinkt an ganz unterschiedlichen Tagen und zu unterschiedlichen Zeiten."

"Es wurde versprochen, dass eine neue Anlage eingebaut wird, was vor zwei Monaten angeblich auch geschehen ist." Doch seitdem, so Pohles Eindruck, habe sich die Lage nicht sonderlich verbessert: "Der Geruch ist abartig, süßlich-penetrant - so wie es früher roch, wenn man durch Espenhain fuhr."

Einige Bürger würden die Gerüche sogar schon protokollieren, um etwas in der Hand zu haben. Auch etliche Unternehmer im Gewerbegebiet sind nicht mehr bereit, die Beeinträchtigung für ihre Mitarbeiter hinzunehmen. Zumal es in einigen Betrieben Klimatechnik gibt, die eigentlich mit Frischluftzufuhr funktioniert.

"Unsere Firma ist extrem betroffen", schildert Bert Näther, Geschäftsführer der Firma Farben Schultze. "Wir können kein Fenster aufmachen, unsere Mitarbeiter klagen über Kopfschmerzen und Augenreizungen." Mittlerweile hätten die Belästigungen ein solches Ausmaß erreicht, dass der Firmenchef sogar unternehmerische Entscheidungen vom Fortgang der Duft-Diskussion abhängig macht. "Um unseren Wachstumskurs fortzusetzen, planen wir derzeit eine Erweiterung unserer Verwaltung. Das sollte eigentlich am Standort Gerichshain passieren, aber wenn sich an der Situation nichts ändert, steht diese Aufstockung in Frage." Auch die Gerichshainer Kita, geben Bürger zu bedenken, liege in der Einflugschneise der Duftwolke.

Nur ein feines Näschen, da sind sich die Betroffenen einig, reicht wohl kaum, um die Situation zu verbessern. "Der Firma muss hieb- und stichfest nachgewiesen werden, dass sie für die Belästigung verantwortlich ist", heißt es aus den Reihen des Gemeinderates. Vielleicht müsse man ja mit einer polizeilichen Anzeige nachhelfen.

"Wenn Landwirtschaft betrieben wird, riecht es. Wenn eine Druckerei neben einem ist, stinkt es halt nach Farbe", kontert Frotscher Druck-Geschäftsführer Volker Schießl die Kritiken. Die Gerüche, die die Produktion mit sich bringe, seien nicht gesundheitsschädlich, erklärt der Unternehmer aus Königsbrunn bei Augsburg. "Sonst", so Schießl, "würden sich unsere Mitarbeiter ja auch beklagen." Um das Problem in den Griff zu bekommen, habe die Firma erst in diesem Jahr 150 000 Euro investiert.

Die Gemeinde Machern sucht den Kontakt zum Landratsamt. "Wir sind darauf angewiesen, dass der Kreis als zuständige Behörde reagiert", erklärte Bürgermeister Doreen Lieder (parteilos) unlängst. Die Kommune selbst könne nicht eingreifen. Appelliert wurde an die Bürger, sich bei erneutem Auftreten sofort an das Umweltamt zu wenden. Denn Gerüche seien bekanntlich eine flüchtige Angelegenheit.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.09.2013

Simone Prenzel

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