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Wurzen Dicke Luft in Wurzen: Mieter beschweren sich über mangelhafte Hausordnung
Region Wurzen Dicke Luft in Wurzen: Mieter beschweren sich über mangelhafte Hausordnung
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00:22 05.08.2018
Reinigung und Sauberkeit werden subjektiv unterschiedlich wahrgenommen. In Wurzen gibt es Ärger von Mietern, die die Qualität der Hausordnung in ihren Häusern beklagen. Quelle: dpa
Wurzen

Balkons, Sonnenschirme, gepflegte Grünanlagen: Die Blöcke der Wurzener Wohnungsgenossenschaft sind eine Augenweide. Alles schön, alles schick? Offensichtlich nicht ganz. Hinter den schmucken Fassaden regt sich Protest. Mieter sind unzufrieden mit der Arbeit der Reinigungsfirma. Die seit April beauftragten neuen Dienstleister würden Aufgaben als erledigt abhaken, die nicht erfolgt seien. Fenster würden mitunter nicht mehr geputzt, Eingaben der Mieter beharrlich ignoriert, heißt es in einem an die LVZ adressierten anonymen Hilferuf.

Heinz Finger ist Aktivist der ersten Stunde in der Georg-Schumann-Straße. Er hat sich sein ganzes Leben wohl gefühlt in dem Viertel, zeigt stolz sein Heft mit den geleisteten Aufbaustunden im Jahr 1959: „Über 500!“ Er sei bestimmt kein Nörgler, schickt er voraus. Aber es stimme: Die Hausordnung sei wirklich ein Ärgernis, sagt der 83-Jährige. „Staub auf dem Geländer, Spinnweben an der Decke, Fusseln auf den Stufen.“ Früher hätten die Mieter die Hausordnung selber übernommen, da sei alles „picobello“ gewesen: „Jetzt klappt das nicht mehr, obwohl wir dafür bezahlen.“

Acht Euro pro Monat seien das, sagt Klaus Schmidt, ein paar Aufgänge weiter. Auch er sei unzufrieden mit dem jetzigen Reinigungsunternehmen. Dabei habe die Vorgängerfirma bewiesen, dass es funktionieren könne: „Über Aushänge hatte die sich immer angekündigt. So konnten wir Fußabtreter und Schuhe reinholen. Das lief immer wie am Schnürchen.“ Inzwischen aber gehe alles nur noch „Husch, husch und fertig“.

Die Wohnungsgenossenschaft gilt in Wurzen als Musterschüler. Mit Bauinvestitionen auf Rekordniveau hat sie das Jahr 2017 abgeschlossen. Sowohl bei Neuvermietungen als auch bei Mitgliedern legten „die Gelben“ zu. Der Leerstand liegt bei nur 3,05 Prozent, im Vergleich zu anderen Genossenschaften der Region ein Spitzenwert. Alles in allem erwirtschaftete der Großvermieter im Vorjahr einen Überschuss von 350 000 Euro.

Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender Sven Mittenzwei wehrt sich gegen die Vorwürfe. Man könne sicher trefflich darüber streiten, was sauber ist. „Grundsätzlich habe ich aber ein Problem damit, wenn sich einzelne anmaßen, für alle zu sprechen.“ Dass nichts getan werde, stimme nicht. „Wir sind ständig in Kontakt mit den Mietern – und der Firma.“ Mangelnde Leistungen würden selbstverständlich angemahnt. Mittenzwei bedauert, dass es mancher an Respekt gegenüber der Leistung von Reinigungskräften vermissen ließe: „15 Treppenhäuser mit jeweils fünf Etagen – das bedeutet hochgradig körperlich anstrengende Arbeit. Erst recht bei der Hitze.“

Rentner Lothar Wallis, Mieter in der Lessingstraße 33, bescheinigt der Reinigungsfirma eine leichte Verbesserung. Er hat große Achtung vor den Besen- und Wischkommandos. „Es ist schon so, sie müssten einfach mehr Zeit haben. Alles soll eben schnell gehen.“ Genossenschafts-Geschäftsführer Mittenzwei erinnert daran, dass alles seinen Preis habe. „Für die Grundreinigung zahlen die Mieter monatlich etwas mehr als fünf Euro. Klar, die Leute vergleichen mit der Hausordnung zu DDR-Zeiten. Aber ein solcher Aufwand ist heute kaum zu finanzieren. Wer wäre schon bereit, künftig 75 Euro zu zahlen?!“

Die Firma Piepenbrock sei bemüht, die Arbeiten zur Zufriedenheit der Kunden auszuführen, sagt Regionalvertreterin Andrea Luft: „Es ist schwierig. Allein im Mai hatten wir drei Feiertage, da musste alles nachgearbeitet werden.“ Sechs Beschäftigte betreuen über 170 Treppenhäuser in Wurzen und Umgebung. „Ich weiß, manche Leute regen sich über die liegen gebliebene Fliege auf, scheinen keine Vorstellung davon zu haben, was die arbeitende Bevölkerung heute leisten muss.“

Annett Köhler in der Lessing 38 schimpft über den breitgetretenen Kaugummi, der erst oben und jetzt unten liegt. „Wenn es vor der Tür schmutzig ist, nehme ich selbst den Besen in die Hand.“ Überhaupt würde sie die Hausordnung gern wieder in eigene Regie nehmen. So ähnlich sagt es auch Siegrun Achilles. In ihrem Aufgang in der Georg-Schumann-Straße führt sie Listen darüber, was ihrer Meinung nach nicht gut läuft und lässt es die Hausverwaltung wissen. Eine Antwort habe sie nicht bekommen: „Zumindest die Fenster wurden inzwischen geputzt.“ Auch der einstige legendäre Chemie-Fußballer Manfred „Manner“ Walter, der Am Steinhof wohnt, kennt das Problem: „Ja, viele Leute beschweren sich, aber ich bin dagegen, auf der einzelnen Reinigungsfrau rumzuhacken, die sich redlich müht und von ihrer Firma mehr unterstützt werden müsste.“

Von Haig Latchinian

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