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Wurzen Die Bibel in Holz
Region Wurzen Die Bibel in Holz
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05:00 17.08.2010
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. Dann öffnet in der Wenceslaikirche zu Wurzen eine Ausstellung mit nicht weniger als 76 Figuren des Künstlers aus dem Erzgebirge. Das Thema: Die Bibel in Holz.

Pfarrer Martin Schiefer ist sichtlich stolz auf die Exposition im 2006 renovierten Kirchenschiff von St. Wenceslai. „Wir haben die Wanderausstellung am 30. Juni selbst in Pobershau abgeholt", sagt er. Dort im Erzgebirge befinde sich das Museum „Die Hütte", das gewöhnlich rund 400 von Reichel geschnitzte Figuren beherberge. „Dabei war der Mann von Beruf eigentlich Buchhalter." Aber in seiner Freizeit habe er über die Jahrzehnte eine beeindruckende Sammlung geschaffen, von der nun ein Teil bis Anfang Oktober in der Muldestadt besichtigt werden könne. Keine Selbstverständlichkeit. Denn eigentlich wollte der betagte Reichel die Wanderausstellung gar nicht mehr auf Reisen schicken.

Bei persönlichen Gesprächen, denen auch Peter Krüger, der Chef des Fördervereins „St. Wenceslai" beiwohnte, gelang es jedoch, Reichel zu überzeugen. „Die Ausstellung in Pobershau war überwältigend", so Krüger. Auch der Künstler selbst habe ihn sehr beeindruckt. „Solche Leute gibt es heute gar nicht mehr." Viele der Plastiken habe Reichel winters in einem unbeheizten Schuppen geschnitzt. „Wir sind wirklich froh, dass es mit der Ausstellung geklappt hat."

Die Mehrzahl der Lindenholz-Figuren thematisiere Motive der Bibel, erklärt Schiefer. Da ist Jesus mit der Samariterin zu sehen, die Gottesmutter mit dem Kinde oder auch eine große Pfingstgruppe. Für all jene, die nicht bibelfest seien, gebe es natürlich Tafeln mit Erklärungen, meint Schiefer schmunzelnd. Auch das Arrangement der Plastiken sei nicht zufällig, sagt Erika Siebert, die sich sowohl im Kirchenvorstand als auch im Förderverein engagiert. Als ehemalige Katechistin kennt sie sich natürlich aus: „Die Figuren sind nach alt- und neutestamentarischen Überlieferungen gruppiert." Beim Schnitzen habe Reichel auch zeitgenössische Erfahrungen einfließen lassen. So sei es kein Zufall, dass römische Soldaten in der Pfingstgruppe Wehrmachtshelme tragen.

Neben der Bibel habe auch die Geschichte Deutschlands in der Nazizeit Reichel nachhaltig beeinflusst. So sei die Ermordung der Juden Europas in den Konzentrationslagern das zweite große Thema der Ausstellung. Etliche Figuren verkörperten deshalb jüdische Menschen in Auschwitz. „Bei der Gestaltung der Gesichter hat sich Reichel von Originalfotos von Felix Nussbaum inspirieren lassen", weiß Schiefer. Neben den Figuren, die übrigens auch berührt werden dürfen, sind Schautafeln sowie eine Filmpräsentation Teil der Ausstellung.

Die Schau wird am 22. August um 14 Uhr eröffnet und ist bis zum 2. Oktober immer von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr zu sehen, mittwochs von 10 bis 12 Uhr. Montag und Freitag ist geschlossen. Markus Tiedke

Markus Tiedke

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