Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Die große Kälte hält den Landkreis Leipzig in Atem
Region Wurzen Die große Kälte hält den Landkreis Leipzig in Atem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:30 02.03.2018
Ein Herz für Tiere zeigt dieser Spaziergänger an der Mulde in Trebsen und füttert Enten und Gänse fsw - Frank Schmidt - MTL - BOG Quelle: Frank Schmidt
Anzeige
Landkreis Leipzig

Klirrende Kälte in den Nächten und Dauerfrost am Tag hält die Region in Atem. Während sich die Menschen auf ihren täglichen Wegen warm anziehen, laufen die Erzeugungsanlagen von Strom- und Wärmeproduzenten auf Hochtouren. Der Winter hat den Landkreis fest im Griff, aber das Leben geht hier immer noch seinen normalen Gang.

Für Stromversorger klingelt die Kasse

Kommunale Versorger: In Borna muss niemand damit rechnen, im Kalten zu sitzen. Die Städtischen Werke Borna (SWB) sind nach Angaben von Geschäftsführer Jan Hoppenstedt auch für die eiskalten Temperaturen gut gerüstet: „Es wird keine Versorgungsengpässe geben.“ Dafür sorgen neben den drei Blockheizkraftwerken Am Wilhelmschacht sowie in der Thomas-Müntzer- und der Schulstraße auch sogenannte Spitzenlastkessel, die generell bei steigendem Verbrauch zum Einsatz kommen. Für die SWB sei die aktuelle Wetterlage aus wirtschaftlicher Sicht durchaus von Vorteil, nicht zuletzt auch wegen des vergleichsweise ausgesprochen warmen Vormonats.

Ob der strenge Frost dem Naunhofer Eigenbetrieb Wasserversorgung wie im vergangen Winter viel Arbeit bringen wird, sei im Moment noch nicht einschätzbar, erklärt Pressesprecherin Anja Lohn. Erst wenn die Temperaturen wieder steigen, würden eventuelle Rohrschäden an den Trinkwasserleitungen sichtbar. „Auch Hausbesitzer sollten Vorkehrungen treffen“, rät sie. „Deshalb warnt der Eigenbetrieb jedes Jahr, vor Winterbeginn Leitungen und Trinkwasseranschlüsse vor Frost zu schützen.“ Nicht nur leerstehende Gebäude seien gefährdet, sondern auch Wasserleitungen, die abseits der beheizten Räume verlaufen, zum Beispiel auf Dachböden, in Kellern oder außerhalb von Gebäuden.

Winterdiesel bringt Busse in Fahrt

Regionalbus: Auch bei Frost bewältigt die Flotte der Regionalbus Leipzig GmbH den öffentlichen Personennahverkehr. Der Fuhrpark ist entsprechend gerüstet. „Alle Fahrzeuge tanken Winterdiesel, so dass die Technik auch bei Kälte bis minus 18 Grad nicht schlapp macht“, berichtet Unternehmenssprecher Thomas Fröhner. „Die meisten Fahrzeuge stehen außerdem in der Halle und sind dem Dauerfrost nicht so ausgesetzt.“ Und sollte doch mal ein Fahrzeug nicht anspringen, wird externe Starthilfe gegeben. Darauf ist die Werkstatt-Besatzung in diesen Tagen eingestellt. „Auf den Fahrplan haben sich die frostigen Temperaturen bislang jedenfalls nicht negativ ausgewirkt“, versichert das kreiseigene Busunternehmen.

Kindergartensteppkes wollen unbedingt in den Wald

Kindergarten: Die schönen Seiten des Winterwetters genießen derweil die Steppkes des Macherner Kindergartens „Weidenkörbchen“. Die Einrichtung der Diakonie verfügt über eine Waldgruppe, die sich bei Wind und Wetter in der Natur tummelt. Dem Bewegungsdrang der Kinder wird auch in der kalten Jahreszeit entsprochen, berichtet Leiterin Isabel Praprotnick-Czerwinka. „Warm eingepackt mit Schneeanzug, Schal, Mütze und Handschuhen machen uns die Minustemperaturen gar nichts aus.“ Im Gegenteil, die Kinder fragen schon beim Frühstück: „Gehen wir heute wieder raus?“ Die Dauer des Aufenthaltes wird dabei den Bedürfnissen angepasst. „So kann es sein, dass wir eine halbe oder sogar eineinhalb Stunden draußen sind, schließlich gibt es im Garten und Park eine Menge zu entdecken.“ Die Rückkehr ins warme „Weidenkörbchen“ ist für die unverfrorenen kleinen Entdecker dann umso angenehmer.

Unfreiwillige Pause auf den Straßenbaustellen

Straßenbauamt: „Bei uns hat die Eiseskälte leider zu einer unfreiwilligen Pause geführt“, sagte Isabel Siebert, Sprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Für die Betonage sei das Wetter ohnehin nicht geeignet, aber am Montag mussten sogar die Erdarbeiten eingestellt werden, weil der Frost diese zu sehr erschwert. „Für unseren Baufortschritt ist das aber kein Problem, durch den milden Winter haben wir einen guten Vorsprung rausarbeiten können“, so Siebert.

Auf den Feldern kann die Saat erfrieren

Landwirtschaft: Die meiste Zeit des Jahres sind die Kühe von Susann und Udo Schönberg draußen auf der Weide. Jetzt sind sie wohl versorgt im Stall, haben ordentlich Heu als Einstreu. „Die Tiere halten sich selber warm“, sagt Udo Schönberg, der gemeinsam mit seiner Schwester den Familienbetrieb am Rand von Bad Lausick betreibt und vor allem auf Milch setzt. Besondere Vorkehrungen angesichts des strengen Frostes müsse man nicht treffen, so lange es nicht minus 20 Grad sind.

Die Tiere bleiben im Stall

Landwirt Udo Schönberg hält die Kühe derzeit im Stall. Aber erst ab minus 20 Grad wird es kritisch. Quelle: Thomas Kube

„Kühe haben im Hochsommer mehr Stress als an sehr kalten Tagen“, sagt er. Das sei auch an der Milchleistung ablesbar. Die sei eher bei 40 Grad im Schatten geringer als während einer kurzen Frostperiode. Die 30 Kühe, die Schönbergs versorgen, liefern deshalb auch in diesen winterlichen Tagen verlässlich – und ihre Milchtankstelle „läuft gut“. Viel problematischer als die aktuelle Wetterlage ist für die Milcherzeuger der Preis, den die Molkereien zahlen: Der befindet sich nach ein paar Monaten der ungefähren Auskömmlichkeit schon wieder im Sinkflug.

Andere Landwirte haben derzeit jedoch Kältesorgen. „Der Dauerfrost kann für die Felder ein Problem werden“, sagt Yvonne Kern, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Borna/Geithain/Leipzig. Wenn Schnee liegt, sei die Saat auch bei Kälte in gewisser Weise geschützt, aber Frost ohne Schnee könne die Saat im Extremfall erfrieren lassen. Generell ruhen jetzt alle Arbeiten auf den Feldern, auch Dünger könne nicht mehr ausgebracht werden. Viele Landwirte nutzen das Wetter für Arbeiten in der Werkstatt oder auch für Schulungen.

Bandanlagen werden oft kontrolliert

Bergbauunternehmen: Die Mibrag ist auf schwierige Wetterverhältnisse und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt eingerichtet, sagt Elke Hagenau von der Pressestelle des Unternehmens. Der Kohlemisch- und Stapelplatz im Tagebau Vereinigtes Schleenhain sei mit Kohle bevorratet und stelle „eine ständige Verfügbarkeit von bis zu 250 000 Tonnen sicher“. Damit kann das Kraftwerk Lippendorf etwa eine Woche lang versorgt werden.

Zwar ohne Schnee, aber mit Temperaturen bis Minus 11 Grad kämpfen die Bergmänner im Tagebau Schleenhain. Quelle: Andreas Döring

Die Tagebaugroßgeräte seien für ihren Einsatz unter winterlichen Witterungsverhältnissen umfassend ausgerüstet. Neuralgische Punkte wie Übergabestellen an den Bandanlagen würden besonders beobachtet und häufig kontrolliert. Der Betrieb führe kontinuierlich Generalreparaturen und Ertüchtigungen an den Baggern durch, damit sie auch unter extremen Bedingungen zuverlässig Kohle und Abraum gewinnen können. „Zu Problemen kommt es eher, wenn die Temperaturen wieder steigen und die Kollegen im Tagebau verstärkt mit Schlamm zu kämpfen haben“, so Hagenau.

Von cc, es, fsw, sp, nn, FP

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Er habe den „Zentralisierungswahn“ und das damit verbundene Aus für die Grimmaer Rettungsleitstelle schon immer kritisch gesehen. Nach einer mutmaßlichen Alarmierungspanne fühle er sich in seinem Urteil bestätigt, sagte Oberbürgermeister Matthias Berger: „Technisierung und Digitalisierung können weder gesundem Menschenverstand noch Ortskenntnis das Wasser reichen.“

27.02.2018

Zwischen Sprache und kulturellen Unterschieden: Über 150 Teilnehmer lernen an der Volkshochschule Muldental Deutsch. Trotz des Problems mit der Vorfinanzierung von Fahrten zum Unterrichtsort, nehmen viele Teilnehmer diese Hürde auf sich. Dennoch schreckt es mögliche Kursinteressierte ab.

02.03.2018
Wurzen Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ - Schüler aus Brandis sind in der nächsten Runde

Ein Mähdrescher vor dem Augusteum in Leipzig, eine innovative Idee für die Maisernte und die Verarbeitung der Überreste führten zum Erfolg: Am Montag konnten drei Schüler des Gymnasium Brandis den Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ für sich entscheiden. Doch sie haben sich noch weitere Ziele gesetzt.

02.03.2018
Anzeige