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Wurzen Die gute Seele des Wurzener Friedhofs: Halina Bitto packt mit an
Region Wurzen Die gute Seele des Wurzener Friedhofs: Halina Bitto packt mit an
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00:34 22.10.2015
Immer noch rüstig: Die 81-jährige Halina Bitto befreit den Friedhof montags, mittwochs und freitags von anfallendem Laub. Quelle: Haig Latchinian
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Wurzen

1988 verunglückte ihr Mann bei einem Verkehrsunfall tödlich: "Andreas saß am Steuer und geriet mit dem Trabi auf die Gegenfahrbahn. Wie durch ein Wunder überlebten die Enkel und ich." Fortan ging Halina Bitto regelmäßig auf den Friedhof. Sie meldete sich, als Anfang der 1990er-Jahre Freiwillige fürs Besenkommando gesucht wurden. Die Vorruheständlerin und Kleingärtnerin war dankbar für die neue und sinnvolle Aufgabe. Bis jetzt fegte sie fünfmal die Woche. Weil sie nun keine 18, sondern schon 81 ist, tritt sie etwas kürzer, hilft "nur" noch montags, mittwochs und freitags.

Die nimmermüde Frau stammt aus Kattowitz, Oberschlesien. 1945 flüchtete sie mit Mutter Elisabeth und Bruder Heinz zunächst nach Leipzig, weil ihr Onkel dort beim Militär war. Als die Drei auf dem zerbombten Hauptbahnhof ankamen, schickte man sie gleich weiter in ein Flüchtlingsheim ins nahe gelegene Wurzen: Im Gewerkschaftshaus am Sportplatz kamen sie für zwei Jahre unter, schliefen in einem Zimmer auf Strohsäcken. "Krankenschwester Margarete Reisland, die mit einem Rechtsanwalt verheiratet war, kümmerte sich um die Flüchtlinge. Wir verstanden uns gut. Irgendwann nahm sie uns zu sich in ihre Fünf-Zimmer-Wohnung." Halina Bitto besuchte die Diesterwegschule, arbeitete nach der Lehre zunächst als Spinnerin in der Teppichfabrik, ehe sie 1956 an den Sparkassenschalter wechselte. 1968 begann sie in der Abrechnung im Motorenwerk, wo auch ihr Mann als Ingenieur tätig war. Dort blieb sie bis 1990.

Die Rentnerin schätzt den Zusammenhalt der Friedhofsmitarbeiter: "Wir frühstücken zusammen, und zum Geburtstag spendiert jeder eine Bockwurst. Ob Sie es glauben oder nicht: Zu meinem 80. überraschten mich die Kollegen mit einer goldenen Harke - die hat einen Ehrenplatz in meinem Wohnzimmer." Niemand müsse ihr sagen, was zu tun sei. Die routinierte Frau weiß das selbst am besten: Lindenblüten, Eicheln, Buchecker, Nadeln und immer wieder Laub - von März bis Weihnachten sorgt Halina Bitto für den ungehinderten Zugang zu den Gräbern.

Oft wird sie von Fremden mitten in der Stadt angesprochen. Sie danken ihr für die Mühen. Das freut die Wurzenerin, die auf dem Friedhof jedoch kein Ohr für Lobeshymnen hat: "Wenn ich doch recht geräuschvoll fege, höre ich sehr schlecht." Ansonsten ist sie noch rüstig und will weiter arbeiten, solange es ihre Kräfte erlauben. Weil die Gesundheit - anders als das Laub - nicht vom Himmel fällt, genehmigt sie sich in der Physiotherapie auf eigene Kosten manche Nackenmassage: "Muskelkater? Was ist das?"

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