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Wurzen Die ursprünglichste Art der Fleischgewinnung
Region Wurzen Die ursprünglichste Art der Fleischgewinnung
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13:55 04.01.2016
Yvonne Mucke und Ehemann Michael Kracht in ihrem Waldhaus im Brandiser Ortsteil Polenz. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Polenz

Es ist Hoch-Zeit für Jäger. Gerade in der Zeit um den Jahreswechsel finden viele Jagden statt, sagt Yvonne Mucke. Die 48-Jährige ist die Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Muldental und mit ihrem Mann Michael Kracht leidenschaftliche Jägerin. Beide leben im Waldhaus, einem stattlichen Gebäude, das sich tatsächlich mit im Wald östlich des Naunhofer Ortsteils Polenz befindet. Wie es sich für leidenschaftliche Jäger gehört, sind sie täglich im Wald. Die eigentliche Jagd, also das waidgerechte Erlegen von Wildtieren, „machen aber nur fünf Prozent unserer Arbeit aus“, sagt die oberste Jägerin der organisierten Jägerschaft im einstigen Muldentalkreis.

300 Jäger – davon 15 Frauen

Im Kreisjagdverband Muldental sind derzeit etwa 300 Waidmänner organisiert, „vom Studenten bis zum Selbstständigen“, wie Michael Kracht sagt, „aber auch Doktoren“. Zwar sind Jägerinnen noch in der Minderheit, eine Ausnahme ist die Kreisverbandschefin aber keineswegs. Etwa 15 Frauen gehen mittlerweile im Colditzer Forst, dem Wermsdorfer Wald oder anderswo rechts und links der Mulde auf die Pirsch. Yvonne Mucke selbst kam durch ihren Gatten dazu. Seit drei Jahren steht sie an der Spitze des Kreisjagdverbandes Muldental und ist auf diesem Posten die Nachfolgerin des Wurzener Bürgermeisters und designierten Ersten Beigeordneten im Landratsamt, Gerald Lehne (CDU).

Wer in Deutschland auf die Jagd gehen will, muss nicht zwingend einem Verband angehören. Voraussetzung dafür ist allerdings der Erwerb eines Jagdscheins, für den nicht nur polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen ist, sondern durch den Besuch einer Jagdschule auch Kenntnisse in Naturschutz und Gesetzen nachwiesen werden müssen. Selbstverständlich auch in Waffenkunde sowie in Schießkunde. „Wenn jemand bei einen Reh aufs Herz zielt, aber nur den Lauf trifft, geht das nicht“, macht Yvonne Mucke klar.

Mit ihrem Mann jagt sie auf einer 310 Hektar großen Fläche, die beide gepachtet haben. Selbstverständlich zum Eigenbedarf oder auch zum Verkauf, schließlich gilt Wild vor als edles Fleisch. Vor allem aber auch als Naturschützer, damit es nicht zu viele Tiere im Wald gibt. Oder mit einem Gnadenschuss, wenn ein verletzter Rehbock mit gebrochenem Lauf erlöst wird.

Bisweilen gibt es auch Druck von Landwirten, wenn sich etwa eine Rotte Wildschweine auf einem Acker gütlich getan hat. Dann geht es für die Jäger auch ins Geld, weil sie dem Landwirt den Schaden auf seinem Feld am Ende ersetzen müssen. „Ein Quadratmeter Wiese kostet etwa einen Euro“, sagt Michael Kracht. Wenn es mehrere hundert Quadratmeter betrifft, handelt es sich um einen echten Kostenfaktor. Das Problem lässt sich lösen, wenn der Jäger dann dort eine Sau erlegt. „Dann verschwinden die anderen Schweine“, sagt Michael Kracht. Jagddruck nennt das der Fachmann. Dass auf Sauen mit Frischlingen ebenso wenig geschossen wird wie auf Tiere an der Futterkrippe, gehört zum Selbstverständnis des modernen Jägers. Wobei die Jäger im Muldental neben Wildschweinen, Reh- und Schwarzwild sowie Damm- und Rotwild selbstredend auch Raubtiere wie Füchse, Dachse und Waschbären aufs Korn nehmen.

Das Tier fällt sofort um

Also töten, was gesamtgesellschaftlich immer wieder zu Kritik am Jägerhandwerk führt. Davon halten überzeugte Jäger wie Yvonne Mucke und Michael Kracht nichts. Die heutigen Geschosse sorgen, anders als in früheren Zeiten Pfeil und Bogen, vergleichsweise verlässlich für einen Tod, der entweder sofort oder binnen einiger Sekunden eintritt. Michael Kracht: „Das Tier fällt sofort um.“ Ganz abgesehen davon handelt es sich bei der Jagd „um die ursprünglichste Art der Fleischgewinnung“. 

Von Nikos Natsidis

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