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Wurzen Diskussion um Vorhaben in Brandiser Pappelallee
Region Wurzen Diskussion um Vorhaben in Brandiser Pappelallee
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11:05 20.05.2015
Vision des Planers: So könnte der Neubau einer Tischlerei aussehen, die in der Brandiser Pappelallee errichtet werden soll. Quelle: Grün Architekten

"Wir möchten gern von Ihnen wissen, ob sie mit der Ansiedlung mitgehen könnten", bat Fachbereichsleiter Jürgen Otto kürzlich im Stadtrat um eine Entscheidung. Zu einem sofortigen Votum konnte sich das Parlament nicht durchringen. Das Thema wurde in den Ausschuss verwiesen.

Entlang der Pappelallee siedelten sich bereits der städtische Kindergarten und eine Physiotherapie an. Ein Motorradladen mit Werkstatt steht unmittelbar vor der Eröffnung. Architektonisch, so meinen Kritiker, ist schon lange keine klare Linie mehr zu erkennen. Nachdem es besonders zur Ansiedlung des Motorradladens im Vorjahr hitzige Debatten gab, wollte das Rathaus die Stadträte vorher in die Pläne des Investors einweihen. "Wenn wir die Fläche erst einmal verkauft haben, kann die Tischlerei so gebaut werden", stellte Jürgen Otto klar.

Bei dem Karree zwischen Pappelallee, Mathildenstraße und Schmiedegasse handelt es sich um ein sogenanntes Mischgebiet. Die Kommune hatte die Flächen vor Jahren von Privaten erworben, um hier für eine geordnete städtebauliche Entwicklung zu sorgen. Früher befanden sich Kleingarten an der Stelle. Bestrebungen, ein reines Wohngebiet nahe Markt und Schloss zu etablieren, scheiterten in der Vergangenheit an fehlenden Erschließungsträgern. 2009 schob die Stadt die Planungen für die innerstädtische Brache neu an. Bewusst entschied man sich für ein Mischgebiet, um neben Eigenheimen auch Gewerbe zuzulassen.

Genau davon möchte nun der Tischlereibetrieb Gebrauch machen. Für den Neubau hat der Investor ein 1500 bis 2000 Quadratmeter großes Grundstück an der Ecke Pappelallee/Mathildenstraße im Visier. "Ich persönlich finde den Entwurf sehr gelungen", ließ Jürgen Otto durchblicken. Einige Stadträte konnten sich mit der mutigen Architektur allerdings nicht so recht anfreunden.

Noch hat es die Stadt in der Hand, ob sich der Handwerksbetrieb an dieser Stelle niederlassen kann. "Sollten wir die Ansiedlung ablehnen, würden wir als Kommune das Grundstück nicht zum Kauf ausschreiben", erläuterte Otto. Dann würden auf der Fläche voraussichtlich später drei Eigenheime entstehen.

"Ich habe vor allem Bauchschmerzen, ob das Gewerbe zur dort angedachten Wohnbebauung passt", wandte Stadtrat Ulrich Gäbel (Linkspartei) ein. Ingo Börner (CDU) meinte: "100 Dezibel nahe dem Kindergarten - ich weiß nicht, ob wir uns damit einen Gefallen tun." Zudem, so Börner weiter, sei die Stadt doch darauf angewiesen, die restlichen Bauplätze in der Pappelallee an interessierte Häuslebauer zu verkaufen. Ob die Vermarktungschancen mit der Ansiedlung einer Tischlerei steigen, wage er zu bezweifeln. Vize-Bürgermeister Jochim Kühnel (Bürgerverein Brandis) konnte der Ansiedlung hingegen positive Seiten abgewinnen: Man habe sich vor Jahren bewusst für ein Mischgebiet entschieden, in dem auch solches nicht störendes Gewerbe zulässig ist. "Wenn sich jetzt ein Brandiser Handwerksbetrieb dort ansiedeln möchte, sollte man das als Stadt unterstützen."

Derzeit ist die Tischlerei in Schlossnähe angesiedelt. "Das Gelände dort wird zu klein, deshalb möchten wir uns gern erweitern", erklärte André Schumann gegenüber LVZ. "Wir haben uns mit Andres Grün einen namhaften Architekten gesucht, der in Brandis schon mehrfach gezeigt hat, was er kann. Wir planen keinen unansehnlichen Klotz", wirbt der Handwerksmeister für sein Vorhaben, "sondern mit viel Holz etwas fürs Auge."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.03.2013

Simone Prenzel

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