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Wurzen Dramatischer Trend: Wurzener Feuerwehr beklagt Personalnot bei Tageseinsätzen
Region Wurzen Dramatischer Trend: Wurzener Feuerwehr beklagt Personalnot bei Tageseinsätzen
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00:30 01.03.2018
Glückwünsche vom Oberbürgermeister: Michel Uischner (Mitte) ist der neue Stadtwehrleiter. Ihm zur Seite steht Jürgen Jahn (r.). Quelle: Thomas Kube
Wurzen

Generationswechsel an der Spitze: Mit Thilo Bergt endet eine Ära, die gut zwei Jahrzehnte währte. So formulierte es zumindest Oberbürgermeister Jörg Rögin (SPD) bei seinem Grußwort zur Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Wurzen in der Aula des Lichtwergymnasiums.

Der 52-jährige Bergt wechselt nämlich zum Landkreis und steht mit der heutigen Zustimmung des Kreistages als Vize und Verantwortlicher des Inspektionsbereiches Wurzen an der Seite von Kreisbrandmeister Nils Adam. Insofern legte er ein letztes Mal vor den zahlreich erschienenen Kameraden Rechenschaft ab und verlas den obligaten Jahresbericht. Wenig später schritten die Floriansjünger zur Wahlurne und kürten nicht nur ihre neue Verbandsführung, sondern zugleich die Leiter der einzelnen Ortswehren von Wurzen, Kühren, Burkartshain, Nitzschka, Nemt sowie Sachsendorf.

Jörg Röglin (mi.) beglückwünscht den neu gewählten Stadtwehrleiter. Quelle: Thomas Kube

Das Rennen um den Posten des künftigen Stadtwehrleiters machte Michel Uischner. Von den 140 Wahlberechtigten gaben 97 ihren Stimmzettel ab, 87 kreuzten mit Ja für den gebürtigen Wurzener, der tags darauf seinen 32. Geburtstag feierte. Der Versicherungskaufmann im Außendienst trat mit elf Jahren in die Jugendfeuerwehr ein. Mit 16 wechselte der Vater eines Kindes in die aktive Wehr. Ebenso alt wie Uischner ist sein künftiger Spannemann und Stellvertreter – Jürgen Jahn. Für den Stadtjugendwart, der sich seit dem neunten Lebensjahr dem Ehrenamt verschrieben hat und in Roitzsch wohnt, votierten 93 Kameradinnen und Kameraden.

Die weiteren Ergebnisse der geheimen Wahlen: Mit 30 Stimmen setzte sich Tim Rasser gegenüber dem zweiten Kandidaten Chris Fitz als Ortswehrleiter Wurzen durch (Stellvertreter Einsatz/Ausbildung – Steve Kießling und Stellvertreter Technik – Torsten Thomas). Die Burkartshainer entschieden sich erneut für Christian Quiering (Stellvertreter Jaspar Kaltofen). Das Zepter in Kühren hält Hendrik Franke in der Hand (Stellvertreter Steffen Reimann) und Sebastian Weichert in Nemt (Stellvertreter Matthias Weichert). Zuletzt noch Nitzschka – neuer Ortswehrleiter ist David Pöge (Stellvertreter Jens Bergmann) sowie Sachsendorf – Ortswehrleiter Sebastian Musch (Stellvertreter David Hartmann).

Mehr Einsätze im Vergleich zum Vorjahr

Doch wie verlief das Jahr 2017 für die 269 Frauen und Männer der Stadtfeuerwehr, darunter 136 Brandbekämpfer im aktiven Dienst? Es hielt, so der scheidende Thilo Bergt, „wieder einige Überraschungen parat“. Demnach stieg das Einsatzaufkommen zu 2016 um fünfzig Prozent, wobei sich die reine Einsatzzeit um 33 Prozent reduzierte. Dies sei erfreulich, so Bergt, zeige aber, „dass durch andere Aufgaben und Arbeiten keineswegs mehr Freizeit erreicht wird“. Allein 1357 Stunden standen für alle Ortswehren letztlich zu Buche.

Summasummarum rückten die Wehren im Vorjahr 153 Mal aus – 20 Brände, 103 Hilfeleistungen, zehn Fehlalarmierungen und drei sonstige Einsätze „17 Mal unterstützten wir die Wehren der Nachbargemeinden.“ Alles in allem konnten 23 Menschen gerettet werden, leider seien auch fünf Tote zu beklagen.

Personal für Tagesbereitschaft fehlt

Manche der Einsätze ließen sich dennoch nur im Schulterschluss bewältigen. Der Grund: Es fehlte des Öfteren an Personal. „Dramatischer zeigte sich übrigens, dass insgesamt 100 Einsätze zwischen 6 und 17 Uhr erfolgten – das sind 65 Prozent aller Ereignisse im vergangenen Jahr.“ Gerade diese Tatsache, betonte Bergt, stelle die Tagesbereitschaft immer mehr vor „sehr große Probleme“. Da ein Teil der Kameraden außerhalb des Stadtgebietes oder auf Montage arbeite, sichern heute nur noch circa 14 Prozent der aktiven Frauen und Männer diese Zeitspanne ab – „ein wirklich erschreckender Abwärtstrend“. Insofern sei gerade den Unternehmen zu danken, die den Kameraden bei ihrem Dienst oder zur Weiterbildung uneingeschränkte Hilfe gewährleisten.

Nicht zuletzt wies Bergt auf einen weiteren „besorgniserregenden Umstand“ hin. Und zwar auf die Zunahme von Gewalt gegenüber den Helfern. „Auch wir bekommen mehr denn je die verbalen Attacken mancher Bürger zu spüren.“ Bergts mahnende Worte angesichts der Tatsache: „All denen möchte ich sagen, kommen und arbeiten Sie in der Freiwilligen Feuerwehr mit und helfen Sie Menschen aus einer Notlage. Jeder Einzelne kann von einem Unglück betroffen sein. Dann ist man froh, wenn man Hilfe erhält.“

Von Kai-Uwe Brandt

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