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Wurzen Drei tolle Tage – Wurzener Gartenlokal bittet zu Oldtimertreffen
Region Wurzen Drei tolle Tage – Wurzener Gartenlokal bittet zu Oldtimertreffen
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00:23 30.07.2018
Spartenwirt Jens Goudschmidt (l./53) und Kai Krähahn (42) organisieren das Oldtimertreffen. Quelle: Haig Latchinian
Wurzen

In der Gartensparte „Rodelbahn“ dreht sich naturgemäß vieles um Kulturen wie Kohlrabi und Co. Jens Goudschmidt (55), Wirt der Vereinsgaststätte, erweitert den Kultur-Begriff: Seit Jahren veranstaltet er Osterfeuer, Himmelfahrtssausen und Maitänze. Rund geht es auch an diesem Wochenende. Ab Freitag treffen sich in der Sparte bis zu 300 Oldtimerfreunde. Und das bereits zum siebten Mal. Wie immer werden vornehmlich Nobel-Hobel aus östlicher Fabrikation gezeigt. Warum? Die provisorische Zufahrt zur Ausstellungswiese ist eher schmal, schlicht zu eng für dicke Westbrummis.

Familiäres Treffen

Trabant, Wartburg, Moskwitsch – Schlitten haben Tradition an der „Rodelbahn“. Bis zum Bau der Umgehungsstraße gab es dort gleich zwei Rodelbahnen. Inzwischen gibt es nicht mal mehr Schnee. Geblieben jedoch ist der Name. Ein Begriff in der Szene, wie Kai Krähahn von den Oldtimerfreunden Bennewitz bestätigt: „Es ist ein kleines, aber feines Treffen á la DDR. Vom Hühnerschreck über den Feuerwehr-LO bis zum W 50-Tanker ist alles dabei. Inzwischen kennt hier jeder jeden – wie in einer großen Familie.“ Er könne sich noch gut erinnern, wie es damals anfing: „Den harten Kern bildeten Siegmar Müller, Christian Menge und meine Wenigkeit. Überall, wo wir mit unseren Autos waren, machten wir Werbung für Wurzen. Und so nahm das Ganze ordentlich Fahrt auf. Sogar das Fernsehen war schon da.“

Modelle beschnuppern

Am Sonnabend ab 14 Uhr können Nostalgiker die Modelle dann offiziell beschnuppern und – sollten es die Halter zulassen – auch vorsichtig(!) streicheln. Kinder dürfen womöglich sogar Probe sitzen. Die Frauen der Gartensparte bitten zum Kuchenbasar, zur Disco ab 20 Uhr spielt DJ Mike auf. Später am Abend wird eine Feuershow erwartet. Nein, das Oldtimertreffen ist nicht nur etwas für Menschen mit Benzin im Blut.

Kino aus DDR-Zeiten

Bereits am Freitag, 20 Uhr, erfüllt Wirt Jens Goudschmidt seinen Bildungsauftrag – in den Farben der DDR, aber ohne Kulturgroschen. Im Saal mit Bühne zeigt er bei freiem Eintritt wahlweise den Kinofilm „Die Heiden von Kummerow“ oder „Der tapfere Schulschwänzer“. Der Defa-Streifen aus dem Jahr 1967 handelt von Thomas. An einem schönen Sonnentag lässt er die Schule sausen und bummelt lieber durch Berlin. Dabei rettet er zwei kleinen Kindern das Leben. Alle wollen ihn als Helden feiern. Doch Thomas rennt weg. Er hat doch die Schule geschwänzt ...

Nach der Wende fuhr Jens Goudschmidt jahrelang mit seinem Imbisswagen von Ort zu Ort. Irgendwann hatte er die Nase voll. Er sehnte sich wieder nach einer Gartenkantine – so ähnlich wie die an den Lübschützer Teichen, die er von 1987 bis 1989 bewirtschaftete. 1999 übernahm der Wahl-Macherner zusammen mit seiner Heidi das zu dem Zeitpunkt verwaiste Lokal an der Rodelbahn in Wurzen. Mit Erfolg. Auf den Lorbeeren ruht er sich nicht aus. Im Vorfeld des Oldtimertreffens investierte er noch einmal kräftig – in Fußboden, Heizung und Stühle.

Frühschoppen und DDR-Gerichte

Der Sonntag startet 10 Uhr, eine Stunde später beginnt der musikalische Frühschoppen. Während die Kapelle spielt und draußen die Oldtimer zu bewundern sind, läuft Heidi in der Küche zu großer Form auf. Zur Feier des Tages bereitet sie typische DDR-Gerichte zu: Erbseneintopf mit Bockwurst, selbst gemachten Kartoffelsalat mit Schnitzel und – tote Oma. Der Wirt verbessert sich gleich: „Wir sagen lieber Grützwurst, mit toter Oma wissen die Kinder immer nichts anzufangen und fragen vor Schreck, was das denn sein soll.“

Von Haig Latchinian

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