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Druckerei Bode in Wurzen schließt zum 1. Januar für immer die Türen

Traditionsunternehmen Druckerei Bode in Wurzen schließt zum 1. Januar für immer die Türen

Zum 1. Januar endet die traditionsreiche Geschichte der Druckerei Bode in Wurzen. Laut Geschäftsführer Stefan Henschel, der den Betrieb 2012 erwarb, wird der Standort im Domplatz 12 geschlossen „Wir ziehen nach Eilenburg.“ Dort betreibt der 47-Jährige bereits seit 1999 eine Werbeagentur.

Der Domplatz 12 in Wurzen: Das markante Gebäude ließ Druckereibesitzer Gustav Jacob von 1880 bis 1881 errichten.

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen. Das Ende einer traditionsreichen Ära: Zum 1. Januar 2017 schließt die Druckerei Bode GmbH am Standort Domplatz 12 für immer die Türen. Erst Anfang 2012 hatte Stefan Henschel das seit 1833 bestehende Unternehmen von Vorgänger Michail Michailow übernommen, der mit knapp 80 Jahren in Rente ging. Damals schrieb sich Henschel auf die Fahne, nicht nur die alten Kunden zu halten, sondern neue zu gewinnen, wie er sagte. Doch jetzt wirft er nach vier Jahren das Handtuch. „Wir machen zum 1. Januar definitiv zu.“ Zugleich aber deklariert er das Aus als „Umzug nach Eilenburg“, wo der 47-Jährige seit 1999 eine Werbeagentur betreibt.

Die Hiobsbotschaft ließ der Geschäftsführer nunmehr als farbigen Handzettel im aktuellen Amtsblatt der Stadt verteilen. Zu den Gründen des Schrittes teilte Henschel auf Nachfrage mit: „Leider ist es keine Zeit mehr für Druckereien wie die Bode GmbH.“ So wisse er allein von vier Betrieben im näheren Umkreis, die gleichfalls zum Jahreswechsel einen Schlussstrich ziehen. „Heute wollen Kunden ihre Drucksachen schnell, schnell und dafür am besten ganz wenig bezahlen. Nicht einmal auf Qualität wird noch wert gelegt, was ja zahlreiche Flyer beweisen, die voller Fehler sind.“ Ein zweiter Punkt für den Abschied sei Henschel zufolge auch die Auftragsvergabe des Amtsblattes mit 11 000 Exemplaren an das Druckhaus Borna. „Und zuletzt nach dem Tod von Fritz Bode, Sohn von Hans Bode, die Versteigerung des Hauses Domplatz 12“, welches zwar ein besonderes Flair habe, bei alledem gut 25 Jahre nach der Rekonstruktion die eine oder andere Alterserscheinung zeige.

Zu Spitzenzeiten beschäftigte Henschel sieben Leute und später sechs, von denen er fünf nach seinem Entschluss kündigte. Lediglich eine Mitarbeiterin aus der Fertigmacherei übernimmt der Werbefachmann mit der Fusion. Ebenfalls nach Eilenburg wechselt der Digitaldruck – die jüngste Investition, um dem Kostendruck Rechnung zu tragen. „Danach übergeben wir das Objekt leer und besenrein.“

Den eigentlichen Grundstock der Druckerei Bode legte übrigens Philipp Theodor Meltzer vor 183 Jahren in der Badergasse mit der Erstausgabe des Wurzener Wochen- und Intelligenzblattes am 19. Oktober 1833. Bereits Ende September 1834 produzierte der Verleger seine Schrift in der Johannisgasse 9 und ein Jahr danach ab Oktober 1835 auf dem Domplatz 12. Meltzers Sohn Karl übernahm die Druckerei Ende 1854 mit 29 Jahren. Er schaffte kurz vor seinem Tod im Juni 1863 eine Schnellpresse an.

Nächster Besitzer wurde am 1. April 1864 Johann Gottlob Schütze, Tischlermeister aus der Färbergasse, der die Leitung seinem Schwiegersohn Gustav Jacob übertrug. Jacob erlernte das Buchdruckerhandwerk bei Meltzer und führte vierzig Jahre lang die Geschäfte. Von 1880 bis 1881 ließ er das heutige Haus Domplatz 12 errichten, erwarb 1897 eine Doppelschnellpresse mit Falzapparat und im Dezember 1908 die erste Rotationsdruckmaschine. Der Name Bode tauchte erstmals in der Wurzener Unternehmensgeschichte 1921 auf. Hans Bode wurde am 1. Januar Teilhaber an der Seite Alfred Jacobs, einem Enkel von Gustav Jacob. Der neue Mann stammte aus einer Verlegerfamilie, die seit 1862 an verschiedenen Orten Sachsens Zeitungen herausgab, der Vater unter anderem die „Nachrichten für Grimma“. Die Russen verhafteten den Herausgeber Bode kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Er verstarb August 1945 im Internierungslager Tost (Polen) infolge der unmenschlichen Haftbedingungen.

Es folgte die Enteignung und Verstaatlichung der Druckerei, die dann zum volkseigenen Betrieb Kreisdruckerei Wurzen firmierte und später dem VEB Typodruck Döbeln angegliedert wurde. Mit der Wende erhielten die Söhne von Hans Bode, Fritz und Walter, die Firma zurück und machten bis 2000 unter dem Namen „Wurzener Tageblatt Dr. Hans Bode Nachfolger“ weiter. Ende 2000 kaufte Michail Michailow die vor der Schließung stehende Druckerei.

Von Kai-Uwe Brandt

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