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Ehemalige Sternwarte Wurzen wird im Juni 50 Jahre alt

Wandel zum Vereinshaus Ehemalige Sternwarte Wurzen wird im Juni 50 Jahre alt

Die Wurzener Sternwarte wird in diesem Monat 50 Jahre alt. Das Gebäude dient als Vereinsdomizil und beherbergt drei Clubs. Das Jubiläum soll mit einem Grillfest begangen werden.

Die ehemalige Sternwarte in Wurzen wird 50 Jahre alt. Sie dient als Vereinsdomizil.

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen. Dass die Sternwarte am östlichen Ende der Schillerstraße diesen Monat 50 Jahre alt wird, war Jens Keil so nicht bewusst. „Eigentlich hat mich eine Nachricht von Birgit Friedrich, geborene Maurer, darauf gebracht“, erzählt der 42-Jährige von der Interessengemeinschaft Aquarienfreunde Wurzen. „Sie schlug nämlich das Jubiläum als Motto fürs Sommerfest vor.“

In die Sterne schaut unterm Kuppeldach schon lange niemand mehr. Vielmehr ist das Gebäude mit Unterrichtsraum und Beobachtungsplattform die Heimstatt dreier Klubs – der Aquarianer, die das Haus nach der Sanierung 1998 gepachtet haben, des Fotoclubs und des Motorsportclubs (MSC) Wurzen. Dabei wäre die Immobilie beinahe eine Randnotiz in der Stadthistorie geworden. Denn 1997 drohte dem Bau die Abrissbirne. Als Uwe Scharf und Mario Riedrich davon in der Zeitung lasen, reifte in ihnen der Entschluss, das Haus als künftiges Domizil zu nutzen. 70 000 D-Mark pumpten die Aquarianer in die Sanierung, gingen Klinken putzen bei Sponsoren und Handwerkern. Gut ein Jahr später erfolgte die Einweihung – am 23. April 1998.

Doch viel mehr als an die Renaissance Ende der 90er-Jahre erinnern sich Wurzener und vor allem ehemalige Schüler der Pestalozzi-Oberschule an die Geburtsstunde der Sternwarte, die unwiderruflich mit dem Namen Wolfgang Maurer verbunden ist. Selbst der Leipziger Volkszeitung war die Einweihung am 5. Juni 1966 ein Artikel und zwei Fotos auf der einzigen Lokalseite wert. Darin heißt es: „Zur Feierstunde im Kultursaal des VEB Drahtseilwerk konnte Bürgermeister Karl Pfendt zahlreiche Gäste begrüßen.“ Darunter die Leiter der Schulsternwarten Eilenburg und Radebeul. Pfendt „würdigte in herzlichen Worten die Arbeit der Initiatoren des Objektes, Wolfgang Maurer und Gerhard Kuhnert (Direktor der Schule).“ Und weiter: „In zweieinhalb Jahren wurde die Sternwarte, die einen Wert von mehr als 32 000 Mark darstellt errichtet. 13 600 Mark wurden dabei in 4300 NAW-Stunden (NAW – Nationales Aufbauwerk) von Lehrern und Schülern erarbeitet.“ Mauer erhielt für sein Engagement die „Medaille für ausgezeichnete Arbeit“ inklusive der Aufbaunadel in Gold und Direktor Kuhnert in Silber. „Aber auch die jungen Helfer wurden belohnt: die ehemaligen Schüler Franz, Stephan, Kleine und Kurth, die Arbeitsgemeinschaft Astronomie und das Schlosserlehrlingskollektiv des VEB Wutra-Werk.“

Von der Geschichte zurück ins Heute, gleichwohl der Rückblick nicht nur Aquarianer Keil fesselt. So schlägt Angelika Wittor vom Fotoclub vor, per Aufruf die Chronik des jetzigen Vereinshauses zu komplettieren. „Wer also etwas weiß, kann sich gerne bei uns melden“, so die 46-Jährige. Kontaktadresse: angelika@wittor.net oder aquarienfreunde-wurzen@gmx.de. Natürlich seien zugleich Interessenten willkommen, die einem der drei Klubs beitreten möchten. Vielleicht dem Fotoclub, dessen Mitglieder sich donnerstags im Rhythmus von 14 Tagen (außer Juni bis August) treffen, dabei Fotos anschauen, miteinander diskutieren und im Jahr zwei interne Wettbewerbe durchführen. Diesmal unter dem Motto „Falten & Nebel“. Oder dem MSC, der laut Geschäftsführer Rainer Wohlgemuth seinen Sitz in der Schillerstraße 40 seit 2007 hat. „Wir nutzen die Räume, um unter anderem unsere Aktionen, wie die Verkehrstestfahrt oder die Muldentalfahrt, vorzubereiten“, erzählt der 69-Jährige.

Themenabende und Vorträge bestimmen das Vereinsleben der zehn Aquarienfreunde und „darüber hinaus Sport, Zoobesuche oder Arbeitseinsätze“, fügt Keil an. Das 50-jährige Jubiläum der einstigen Schulsternwarte „Giordano Bruno“ – den Namen des italienischen Astronomen erhielt das Gebäude Anfang der 70er-Jahre – will das Trio mit einem Grillfest im Sommer begehen.

Von Kai-Uwe Brandt

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