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Wurzen Ein Jahrhundert Sport in Thallwitz
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17:16 19.05.2015
Galt lange als verschollen: Die Fahne des Turnvereins 1924/1926 Thallwitz und Umgebung. Nach der 750-Jahr-Feier des Dorfs gehörte sie zum Inventar des Sportvereins. Heute hängt sie im Schösserhaus. Quelle: Felix Forberg
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Thallwitz

Der ehemalige Sportlehrer Bernd Möhring hat die Geschichte des Thallwitzer Vereinssports in der Ortschronik dokumentiert.

Das Jahr 1959: Die Hälfte der Thallwitzer Sportgeschichte ist bereits geschrieben, als Bernd Möhring nach Thallwitz kam. Er hatte sein Studium in Rostock gerade abgeschlossen und wollte an der Polytechnischen Oberschule Russisch und Geschichte unterrichten. Das Fach Sport kam später dazu. Damit war Möhring einer der ersten Sportlehrer in Thallwitz, denn erst seit 1953 wurde das Fach an der Schule wieder unterrichtet: "Nach dem Krieg fehlte es an Lehrern", erinnert sich der heute 75-Jährige. Dem Sport stand ein schwerer Neuanfang bevor: "Es mangelte 1945 an allem." Deswegen ging es bei Wind und Wetter in den Park, auf den Eichberg und im Winter auf das Eis.

Die fünfziger Jahre waren das Jahrzehnt, in dem die Thallwitzer das runde Leder für sich entdeckten. 1954 wurde die BSG Traktor Thallwitz gegründet, "dann ging es mit dem Fußball los." Der Sportplatz reichte jedoch schon bald nicht mehr aus. "Unser großer Nachteil war, dass wir ewig keine Turnhalle hatten." Deswegen wurde 1963 in einem 72 Quadratmeter großen Raum ein provisorisches Domizil eingerichtet. Dort standen auch zwei ungeschützte eiserne Öfen. "Glücklicherweise hat sich in der ganzen Zeit niemand daran verletzt." Erst ab 1986 konnte Möhring unter besseren Bedingungen unterrichten, denn in diesem Jahr wurde die jetzige Turnhalle eingeweiht.

Doch zurück in die Zeit, als im Winter noch Fußball auf dem Eis des Park- und Herrenteichs gespielt wurde: Die Thallwitzer Schüler nutzten ihren Standortvorteil mit den beiden Seen und gründeten 1959 die erste Eishockeymannschaft. "Thallwitz war der Mittelpunkt des Eishockeys im Muldental", berichtet Möhring. Die ersten Eishockeyschläger hat man damals noch selbst gebastelt.

Im Laufe der Zeit gab es neben dem Turnen, Frauengymnastik, Fußball und Eishockey immer mehr Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Der Schulsport spielte laut Möhring eine große Rolle für die Leichtathleten. Ein weiterer Höhepunkt in der Thallwitzer Sportgeschichte ist auch der Bau der Kegelbahn im Jahr 1976. Nach und nach etablierten sich unter anderem auch der Reit- und Angelsport. Seit 15 Jahren wird regelmäßig Volleyball gespielt.

Bis 1992 war Bernd Möhring im Schuldienst. Heute engagiert er sich bei den Nachwuchsmannschaften des SSV: "Ich mische mich ab und zu ein und gebe Anleitungen." Seit zehn Jahren kümmert er sich auch um die Chronik der Gemeinde. Bei seinen Recherchen ist er auch auf die Ursprünge des Vereinssports in Thallwitz gestoßen.

1913 wurde der erste Sportverein der Gemeinde aus der Taufe gehoben. "Das erste Dokument, aus dem das Gründungsdatum hervorgeht, ist ein Protokoll aus dem Jahr 1923 mit dem Titel ,Wir feiern 10 Jahre Sport'. Aus diesem Protokoll wissen wir eine Menge über den Sport in Thallwitz." Der Verein hieß "Freie Turnerschaft Thallwitz und Umgebung". Eine Fahne wurde jedoch erst im Jahr 1928 angeschafft. "Erst dann konnte man sich eine leisten." Heute ist sie verschollen.

Aber es gibt ein weiteres Zeugnis für die lange Sporttradition der Ortschaft: Die Fahne des zweiten Thallwitzer Sportvereins, die im Jahr 1926 geweiht wurde. Der Jugendsportverein wurde zwei Jahre zuvor gegründet. Die Turner des "Turnvereins 1924/1926 Thallwitz und Umgebung" turnten unter dem Motto: "Turner sein heißt tüchtig sein", so steht es auch auf der Rückseite der Fahne gestickt. Ende der zwanziger Jahre schlossen sich beide Vereine zusammen.

Die Fahne aus dem Jahr 1926 war lange nicht auffindbar, ist aber vor zehn Jahren wieder aufgetaucht. Seit anderthalb Jahren hängt sie im Schösserhaus, wo sich auch die Sportchronik befindet. Was die Zukunft des Thallwitzer Sports betrifft, ist Bernd Möhring guter Dinge: "Es hängt viel von einer guten Leitung ab."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.04.2013

Felix Forberg

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