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Wurzen Ein Sachse im Oman - Thallwitzer entdeckt den Orient
Region Wurzen Ein Sachse im Oman - Thallwitzer entdeckt den Orient
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21:37 30.07.2018
Bei einer Rast in der Wüste: Stefan Hofmann liebt es, mit dem Land Cruiser durch die Dünen zu fahren. Quelle: Matthias Koch
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Thallwitz

Sigmund Jähn war der erste Deutsche im All, das ist bekannt. Kaum einer weiß dagegen, dass Stefan Hofmanns Vater, Gunther, der erste Sachse im Saudischen Königshaus war. Nicht weiter erwähnenswert, wenn, ja wenn Papas Geschäftskontakte in die arabische Welt nicht auch für Sohnemann richtungsweisend gewesen wären. Und das waren sie definitiv: Der 34-jährige Stefan Hofmann aus Thallwitz bei Wurzen kann sich inzwischen ein Leben ohne Arabien nicht mehr vorstellen. Im Oktober wird er voraussichtlich für immer in den Oman gehen, um als Reiseveranstalter noch mehr deutschen Touristen die Schönheit seiner Wahlheimat zu zeigen. Seine Wurzener Fußballkumpel waren bereits da und sind begeistert: „Berge, Wüste und Meer, fantastisch – und kaum Touristen“, schwärmt Thomas Pfendt.

Der einheimische Humaid Al Hajri verwirklichte sich seinen Traum vom eigenen Wüstencamp. Quelle: Stefan Hofmann

Doch der Reihe nach: Stefan Hofmanns Vater hatte damals eine Erfindung zum Patent angemeldet. Schaltschrankanlagen ohne Kabel. Es gab Prototypen für Messen und immer wieder Kontakte an den Golf. Ziel war die serienmäßige Produktion der Neuheit. Doch die erlebte er nicht mehr, er ist inzwischen verstorben. Im Jahr 2000 war Stefan Hofmann noch mit seinen Eltern auf Urlaub in den Emiraten. „Diese ganz andere, fremde Welt hatte es mir sofort angetan. Nach meiner Rückkehr las ich die Newsletter des Auswärtigen Amtes und beschloss, im Orient beruflich Karriere zu machen.“

Gesagt, getan. Nach seinem Abi am Wurzener Lichtwer-Gymnasium studierte er drei Jahre an der Berufsakademie in Breitenbrunn, Tourismuswirtschaft und Hotelmanagement. In einem Sechs-Sterne-Hotel im Oman heuerte Stefan Hofmann als Duty Manager an. Er kümmerte sich ums operative Geschäft an der Rezeption. Wenig später wurden die Gesetze im Arbeitsrecht verschärft. Sämtliche Positionen, auch und vor allem im Tourismus, mussten fortan überwiegend mit Omanis besetzt werden. Der Junge aus dem Wurzener Land musste sich etwas anderes suchen.

Am hauptstädtischen Strand von Maskat treffen sich die Omanis allabendlich zum Fußball. Quelle: Matthias Koch

Der Weltenbummler wollte aber im Land bleiben. Also wechselte er zum örtlichen Reiseveranstalter Al Azure Tours mit ungarischem Geschäftsführer: „Der sagte, hier hast du das Auto, fahre rum, schau’ dir das Land an, ich will dich hier eine Woche nicht mehr sehen.“ Stefan Hofmann nahm das wörtlich und verliebte sich in das Land mit 3600 Kilometer langer Küste. Er ist ganz hin und weg, wenn er von seinen Lieblingsplätzen erzählt: Vom Wadi Bani Awf, jener Berglandschaft mit ursprünglichen Dörfern, netten Menschen und atemberaubenden Aussichten von über 2000 Meter hohen Gipfeln. Vom Wadi Shab, dem Canyon mit Bergseen, Höhle und Wasserfall. Von der Wüste Sharqiyah mit Beduinen, Kamelen und unzähligen Sternschnuppen.

Mit traditionellen Schiffen wie diesem sind Fischer und Touristen gleichermaßen unterwegs. Quelle: Matthias Koch

Als Business Development Manager begleitete er die Touren der Deutschen, Schweizer, Südafrikaner, Australier und Briten. 2011 machte sich Stefan Hofmann selbstständig, gründete mit Omani Rashid ein eigenes Reiseunternehmen. Nach dem Tod des Vaters, der zwischenzeitlich auch in den Oman ging, musste sich die Familie jedoch zunächst um dessen Nachlass kümmern. Auch aus finanziellen Gründen, das Leben am Golf ist nicht billig, kehrte Stefan Hofmann 2012 zurück nach Deutschland, wo er einen Job in einem Schleswig-Holsteinischen Autohaus annahm: „Ein Freund aus Wurzen hatte dort gekündigt und mir gewissermaßen seine eigene Stelle vermittelt. An einem Freitag war das Vorstellungsgespräch, drei Tage später Dienstbeginn.“

In der Wüste Sharqiyah gibt es jede Menge Kamele. Quelle: Matthias Koch

Bis heute arbeitet der Rand-Wurzener in eben diesem Autohaus im Norden Deutschlands. Mit seiner Frau Rezvan, einer Iranerin, die er im Oman kennen gelernt hatte, erfreut er sich jeden Tag am Werden und Wachsen der Tochter Shirin. So oft es geht besucht er die alte Heimat, seine Mutter, seine Großeltern, seine Freunde. Gern denkt er an die Abizeit zurück, er kennt noch Hinz und Kunz. Die Bindung an Thallwitz und Wurzen ist nach wie vor groß. Früher war er Nachwuchstrainer beim SV 84 Roitzsch, inzwischen schnürt er als Hobbyfußballer an der Mulde noch immer gern die Töppen. Nach den Spielen erzählt er oft über sich, seine Familie, den Oman: „Unser Reiseunternehmen vor Ort lief ja in all den Jahren weiter. Rashid kümmert sich um die täglichen Aufgaben, ich stoße sporadisch für Touren dazu und plane die Reisen von Deutschland aus.“

Das soll sich jetzt ändern. Weil die Auftragsbücher voll sind, hat sich Stefan Hofmann entschieden, dauerhaft in den Oman zu gehen: „Im Oktober ziehe ich zunächst allein runter, ehe wir ein Jahr später alle zusammen an den Golf wechseln.“ Wegen der Anschlagsgefahr in bisher als sicher geltenden Urlaubsgebieten werde der Oman für Reisende immer interessanter, sagt der Muldentaler. Natürlich gebe es im Oman keinen Massentourismus. Dafür sei das Land auch gar nicht ausgelegt. Aber für aufgeschlossene Leute, die gern abseits ausgetretener Pfade auf Entdeckungstour gehen, sei der Oman genau die richtige Wahl: „Kriminalität gibt es kaum, Terror überhaupt nicht und der praktizierte Islam ist deutlich toleranter als anderswo.“

Viele atemberaubende Plätze, wie hier im Wadi Arbeen, lassen sich nur Offroad erkunden. Quelle: Matthias Koch

Wer Wolkenkratzer sehen möchte, sei in Dubai besser aufgehoben, betont Hofmann. „Der Oman ist authentisch geblieben. Dort gibt es kein Haus, das höher als 42,5 Meter wäre. So hoch nämlich ist das Minarett der Großen Moschee.“ Er habe noch nie einen Gast geführt, der sich negativ über Land und Leute geäußert hätte. Auch die vier Sachsen, die er im Anschluss an einen Vortrag im Roitzscher Gemeindezentrum durchs Land begleitete, waren voll des Lobes. Einen Teil der Einnahmen spendete der Reiseleiter sogar dem örtlichen Frauenverein an der Mulde.

Stefan Hofmann mit einem Besucher auf dem höchsten Berg der Arabischen Halbinsel, dem 3007 Meter hohen Jabal Shams. Quelle: Matthias Koch

Matthias Koch aus Kiel begleitete den Muldentaler bereits mehrfach mit der Kamera. Er ist nicht nur von der spektakulären Landschaft des Oman begeistert, sondern auch von Stefan Hofmann, den er als Unikum bezeichnet: „Ich war mit ihm zehn Tage am Stück unterwegs. 2000 Kilometer auf Straßen, vor allem aber Offroad. Er musste nicht ein einziges Mal auf eine Karte schauen. Er kennt jeden Stein, jeden Strauch und gefühlt jeden Omani. Und die kennen ihn, sie freuen sich immer riesig, wenn sie ihn sehen.“ Zwar spricht der Wurzener kein Arabisch, aber er verstehe es ganz gut, sagt Koch: „Stefan ist ein ruhiger Typ, zurückhaltend und bescheiden. Ich denke, das ist auch ein Grund, weshalb er mit der Mentalität der Leute vor Ort so gut zurecht kommt.“ Koch hat auf den Reisen zahlreiche Fotos geschossen und – Videos gedreht. Bei YouTube hat er sie hochgeladen. Titel: „Ein Sachse im Oman.“

Von Haig Latchinian

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