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Wurzen Ein Stück Wurzener Geschichte fällt
Region Wurzen Ein Stück Wurzener Geschichte fällt
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05:00 13.02.2010
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Jetzt zieht das Bauaufsichtsamt des Kreises offensichtlich die Reißleine. Nicht nur die Kreisbehörde, sondern auch die Stadt Wurzen hatte in den vergangenen Jahren den Eigentümer* immer wieder aufgefordert, entsprechende Sicherungsmaßnahmen einzuleiten. Denn das Gebäude, das seit langem leer steht, bröckelt. Wie Karin Wagner vom Kreis-Bauaufsichtsamt auf Anfrage sagte, hätten sich Prüfstatiker in dem Gebäude einen Überblick verschafft. Ergebnis: Das mehrstöckige Haus ist einsturzgefährdet, schneller Abriss nötig. Auf den Denkmalschutz müsse keine Rücksicht genommen, da das Objekt nicht im sensiblen Bereich liege.

Der Abriss kostet rund 58000 Euro. Der Kreis wird zunächst zahlen, in so genannte Ersatzvornahme gehen, um dann beim Eigentümer, dem bereits ein Zwangsgeld in vierstelliger Höhe aufgebrummt wurde, die Kosten wieder einzutreiben. Die Firma Kafril wird mit ihren Baggern anrücken, zubeißen und das Areal begradigt und gesichert wieder verlassen.

Auch die Stadt hat sich lange mit dem Eigentümer herumgeärgert, sagte ein Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung. Seit Monaten steht ein Zaun, der vor der Gefahr des bröckelnden Gebäudes warnt. Was mit der Fläche nach dem Abriss werden soll, ist unklar und liegt in Verantwortung des Eigentümers. Eine Stellungnahme zur Sache und zu möglichen Plänen war von ihm nicht zu bekommen.

Das Gebäude hat ein Stück Stadtgeschichte geschrieben, dürfte manchem Wurzener noch in Erinnerung sein. Die Wenigsten werden allerdings im Publikum gesessen haben, als Theodor Marx 1908 mit seinen Söhnen dort die „Central-Theater Lichtspiele“ eröffnete. Wurzens Geschichtskenner Richard Klinkhardt weiß, dass Marx „nach zweimaligem Umbau 1910 und 1914 einen Saal mit 450 Plätzen eingerichtet hat, geeignet für Theatervorführungen, vorrangig aber für Filmvorführungen.“ Im Einwohnerverzeichnis von 1921 fand sich dann erstmals der Name „Central-Theater“. Der Eingang zum Kino und die Kasse befanden sich am Haupteingang von der Schweizergartenstraße her, erinnert sich Klinkhardt. Entlassen wurden die Kinogäste seitlich in die Schlippe (jetzt Schmiedegasse), die zur Straße und nach oben zum Jacobsplatz führt. Seit 1923 wurde sowohl das Central-Theater als auch das im Januar 1920 eröffnete Lichtspiel-Theater im Bürgergarten von Rudolf Marx geführt.

Stadt-Mitarbeiter Werner Seichter erinnert sich an das so genannte „Kleine Kino“, dass etwa bis Mitte/Ende der 1960er Jahre in der Schweizergartenstraße existiert habe. Dann bauten Mitglieder des Wurzener Jugendklubs das Objekt Anfang der 1970er Jahre zu ihrem Domizil um, weiß Udo Kretzschmar vom Kulturbetrieb. Nach der Wende firmierte dort das „Multikulturelle Zentrum Harlekin“. Es hatte mehrere Betreiber und Mieter. Im Juli 1999 ist laut Gewerbeamt der Betrieb aufgegeben worden.

Im Jahr 1997 soll ein Verkaufsversuch gescheitert sein. 1998 brannte es im Saal des Gebäudes. Anschließend zogen schrittweise alle Mieter aus. Im Juli 1999 brannte schließlich der Dachstuhl. Nur drei Wochen später zerstörte ein weiteres Feuer die gesamte Dachkonstruktion und das Treppenhaus. Gutachten bestätigten damals den Verdacht der Staatsanwaltschaft, dass Brandstiftung die Ursache war. Das Verfahren wurde 2001 eingestellt, da kein Täter gefasst werde konnte. *Name der Redaktion bekannt

Drago Bock

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