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Ein Teil der Dorfgeschichte

Ein Teil der Dorfgeschichte

Wurzen. Die Aktion organisierten die „Initiativgruppe Gedenkmarsch für die Opfer der Todesmärsche“, der Heimatverein Dehnitz und das Netzwerk für Demokratische Kultur Wurzen (NDK).

. Anwesend waren auch drei russische Frauen aus Samara die Zwangsarbeit beziehungsweise deutsche KZ überlebten.

Nichts erinnerte bislang an die grauenvollen Ereignisse, die sich zwischen dem 26. und 28. Februar 1945 am Fuße des Wachtelberges abspielten als Häftlinge aus dem KZ Groß-Rosen in Dehnitz ankamen. 65 Jahre später haben Initiativegruppe und Heimatverein dort einen Platz der Erinnerung geschaffen. Doch auch Stein und Gedenktafel dürften nur ungenügend jenes Leid transportieren, das am Ende des Zweiten Weltkrieges sein grauenvolles Gesicht auch in Dehnitz zeigte.

Fritz Lehne berichtete in bewegenden Worten von den Ereignissen, die er als Siebenjähriger gemeinsam mit seinem acht Jahre alten Bruder Karl beobachtete. „Wir wurden von unserem Großvater Moritz Risch aufgefordert, uns den Todeszug, der hunderte Häftlinge umfasste, anzuschauen. Es war entsetzlich, die hungernden Menschen zu sehen. Und unser Großvater sagte: Seht, was hier passiert, lasst das nie wieder zu.“

Die Gefangenen wurden in die Feldscheune von Walter Voigtmann gepfercht. Der konnte bei den SS-Bewachern durchsetzen, dass eine Teil der Häftlinge auch in der Hofscheune unterkam. Voigtmann habe auch erreicht, dass Bäuerinnen Kannen mit Malzkaffee an die Scheune stellen durften. Dennoch habe es Tote gegeben, so Lehne. Vermutlich drei bis fünf, die zunächst verscharrt und im Mai 1945 auf Veranlassung der Sowjetarmee auf den Wurzener Friedhof umgebettet wurden. Offenbar gelang auch einem Häftling die Flucht, so Fritz Lehne, der heute noch die gefundene Häftlingsjacke aufbewahrt.

Erwin Bruse von der Initiativgruppe freute sich, dass endlich ein Stein an die Ereignisse von Dehnitz erinnert. „Vor Jahren als die Grundmauern der Scheune noch standen, hatten wir schon an eine Erinnerungsstätte gedacht, aber erst jetzt konnte wir es realisieren. Auch Barbara Schneider, die Vorsitzende des Dehnitzer Heimatvereins betont die Notwendigkeit der Erinnerung: „Es ist kein schöner Teil unserer Dorfgeschichte, aber er darf nicht vergessen werden.“

Eine weitere Dimension bekam die Zeremonie durch die Anwesenheit dreier russischer Frauen, die im KZ einsaßen beziehungsweise als Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg schufteten. Lidia Rumjanzewa aus Samara wog als Siebenjährige bei ihrer Befreiung gerade einmal noch sieben Kilo, berichtete der Übersetzer Slava Baryschevski: „Geben wir die Erinnerungen an die Jugend weiter. Sie bringen mehr als dicke Bücher“, sagte er. Die Firma Kafril aus Großzschepa spendierte den Gedenkstein, das NDK sorgte für die Tafel, die die Ereignisse schildert.

Drago Bock

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