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Wurzen Einkaufsexperiment in Thallwitz
Region Wurzen Einkaufsexperiment in Thallwitz
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05:00 05.08.2010
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. „Wir sind es der treuen Kundschaft einfach schuldig, dass sie im Ort weiter Einkaufsmöglichkeiten findet", zog Geschäftsführer Andreas Böhme nach er Schließung der Konsum-Filiale Anfang Juli Konsequenzen.

Der Vermieter hatte vor, aus einem Teil der besenrein übergebenen Ladenfläche eine behindertengerechte Wohnung zu machen und der bestehenden Fleischtheke der Agrargesellschaft ein Backwarensortiment zur Seite zu stellen. Böhme überlegte nicht lange – obwohl vieles dagegen sprach. Der Konsum, so gab mancher zu bedenken, habe nicht umsonst in Thallwitz das Handtuch geworfen. „Wenn wir uns vorwerfen müssen, es nicht mal versucht zu haben, ärgern wir uns womöglich schwarz", hielt Böhme dagegen. Er dachte dabei auch mit an die älteren Leute, die über die Jahre hinweg hier ihren kompletten Einkauf bestritten haben. Viele Anfragen hätte es gegeben. In Thallwitz seien mit Bank, Friseur und Versorgungsmöglichkeiten Strukturen geschaffen worden, von denen nichts wegbrechen dürfe. Hinzu kam Böhmes Befürchtung, der Umsatz an der Fleischtheke könnte drastisch einbrechen, wenn das bisherige Rund-um-Einkaufsmodell nicht mehr funktioniert. Böhme investierte viel Zeit und erkundigte sich auch jenseits der Kreisgrenzen, wie ähnlich profilierte Geschäfte laufen.

Die Thallwitzer einigten sich zu beiderseits guten Konditionen mit dem bisherigen Zulieferer des Lebensmittel-Sortiments, der sie auch bei der Möblierung und Einrichtung des Ladens unterstützte. Die Agrargesellschaft ist jetzt in der Lage, zu den bisherigen Preisen das gewohnte Sortiment anzubieten. Lediglich die Öffnungszeiten haben sich leicht verändert. „Wir müssen das alles erst testen", lässt Böhme Flexibilität ahnen. Aus dem alten Mitarbeiterstamm hat die Agrargesellschaft eine langjährige Mitarbeiterin eingestellt. Auch ein selbst ausgebildeter Lehrling wird in das Ladengeschäft übernommen. An der Fleischtheke, die nahtlos die Konsum-Turbulenzen überstand, halten zwei Mitarbeiterinnen weiter die gesamte Platte des Selbsterzeugers an Fleisch und Wurstwaren nebst Imbissangebot und Partyservice bereit. Geplant, so blickt Böhme voraus, sei auch ein Stehimbiss mit preiswerter Mittagsversorgung.

Böhme macht sich aber nichts vor: Der Einkaufsmarkt unter Regie des Thallwitzer Unternehmens ist ein Experiment. Ob es gelingen wird, das Geschäft kostendeckend zu betreiben, darüber entscheiden in allererster Linie die Kunden in Thallwitz und Umgebung.

Ingrid Leps

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