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Einsatz unter widrigen Bedingungen

Einsatz unter widrigen Bedingungen

Während die meisten Muldentaler am Sonnabendmorgen noch gemütlich beim Frühstück gesessen haben mögen, war knapp die Hälfte der Mitglieder des Ortsverbandes Grimma des Technischen Hilfswerkes (THW) bereits im Einsatz.

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Probe für den Ernstfall: Weil der Fluchtweg nicht nutzbar ist, installieren die Mitglieder des THW eine Seilwinde, die den Verletzten auf der Trage hält.

Quelle: Roger Dietze

Brandis/Waldpolenz. Zwar handelte es sich dabei zum Glück nicht um einen Ernstfall, doch auch die Übung forderte den Frauen und Männern in der blauen Einsatzkleidung alles ab. Das Geräusch eines Bohrhammers liegt am Sonnabendvormittag über den alten Kasernen in Waldpolenz. Doch es ist nicht etwa ein Investor, der sich an der maroden Gebäudesubstanz zu schaffen macht, vielmehr sind es Mitglieder des Grimmaer THW-Ortsverbandes, die sich trotz des ungemütlichen Wetters dazu entschlossen haben, eine Übung wie geplant durchzuführen. „Das THW ist keine Schönwetter-Organisation, Katastrophen haben es zudem an sich, sich zumeist bei meteorologisch ungünstigen Rahmenbedingungen zu ereignen“, merkt der Ortsbeauftragte Samuel Grünert an.

Dieser hatte vorgestern 19 seiner knapp 50 Ortsverbands-Mitglieder in den Ruinen der einstigen Wohnblöcke der Soldaten der „Bruderarmee“ versammelt, um den Ernstfall zu proben. Im Mittelpunkt stand dabei das Retten aus Höhen und Tiefen sowie das von verschütteten Personen unter Zuhilfenahme hydraulischer Rettungsgeräte. Doch so top ausgerüstet die Grimmaer THWler auch sind, so geschult sind sie nicht minder darin, mit vergleichsweise kleiner Technik eine große Wirkung zuerzielen. Und so kamen bei dem Auftrag, Menschen aus einem Gebäude zu retten, dessen Obergeschosse nicht über die erste Etage erreichbar waren, unter anderem vergleichsweise unspektakuläre Leitern zum Einsatz, die so positioniert (schiefe Ebene) und miteinander kombiniert (Leiterhebel) wurden, dass über sie die vermissten Personen erreicht und schließlich aus dem Gebäude gebracht werden konnten. Darüber hinaus wurden jedoch auch kompliziertere Verfahren zur Menschenrettung erprobt wie die Installation eines Vorsprunges an der Gebäudefassade, an dem wiederum ein Flaschenzug angebracht werden konnte, oder auch die Montage einer Seilwinde zwischen einem Einsatzfahrzeug und einem Gebäude, an der im Ernstfall eine Bahre mit einer verletzten Person befestigt werden kann.

Für diese Technik mussten Grünert und seine Kameraden den Bohrhammer zum Einsatz bringen, um ein Loch in eine Betondecke zu bohren, das wiederum für die Einrichtung eines Widerlagers zum Spannen des Seiles benötigt wurde. Damit nicht genug standen auch noch die Themen Heben und Bewegen mittels Hebekissen, Schere und Spreize sowie die Versorgung von Verletzten auf dem Plan. Alles Dinge, die für Rocky Gogol trotz seiner jugendlichen 15 Jahre kein Neuland darstellten. „Allein mit einer Seilbahn hatte ich bislang noch nicht gearbeitet“, so der Geithainer Mittelschüler, der seit gut drei Jahren der THW-Jugendgruppe angehört. „Ich habe damals mit meinem Kumpel ein Betätigungsfeld gesucht, und beim THW sind wir nicht zuletzt der professionellen Technik wegen hängengeblieben“,so der Colditzer.

Roger Dietze

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