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Einst berühmt - heute beinahe vergessen

Einst berühmt - heute beinahe vergessen

Wurzen. Es muss für Georg Bötticher ein erhabenes Gefühl gewesen sein. Wien lud im Jahr 1873 zur Weltausstellung ein. Auch der gebürtige Jenaer hatte sich aufgemacht, um in der Donaumetropole etwas von dem kosmopolitischen Flair dieser Tage mitzubekommen.

. Indianer aus dem Norden Amerikas campierten in einem riesigen Wigwam, das japanische Kaiserreich zeigte seine Machtfülle. Selbst von den Sandwich-Inseln in der Karibik war eine Delegation angereist. Der 24 Jahre alte Bötticher wollte sich dieses Chance nicht nehmen lasse, er hatte deswegen sogar seine Anstellung in Mannheim gekündigt. Dort entwarf er Tapeten für einen Fabrikanten. Als er durch einen Pavillon ging, wo Tapetenentwürfe des berühmten französischen Designers Paul Balin hingen, erkannte Bötticher darin seine eigene Kreationen. Der Star hatte von einer Nachwuchskraft abgekupfert.

Die Episode zeigt, welche Bedeutung Bötticher im ausgehenden 19. und beginnenden 20.Jahrhundert gehabt hat. Er war stilbildend mit seinen Entwürfen. Das kulturgeschichtliche Museum Wurzen würdigt ihn nun mit einer eigenen Ausstellung. Unter dem Titel „Meisterhaft – Musterhaft" wird sie am Sonntag geöffnet.

Böttichers Bedeutung für Wurzen liegt laut Sabine Jung, Leiterin des Museum, in seiner Rolle für die Industriegeschichte und der Kulturgeschichte der Stadt. Er verbinde beides miteinander: Denn als angestellter Künstler entwarf er seit 1873 für die hiesige Tapetenfabrik Muster, die sich großer Nachfrage erfreuten. Bötticher pflegte einen Stil, der sich von den barocken Ornamenten mit Tier- und Blütenmustern abwandte. Bei ihm fehlen diese Variationen vollkommen. Er reduzierte sich vielmehr bewusst auf Kreationen, die mit ihren Mustern die Fläche betonen. Zudem war Bötticher kein unbedeutender Mann für das kulturelle Netzwerk in der Region Leipzig. Er gehörte zu den Leoniden, einem Zusammenschluss von Honoratioren, die in ganz unterschiedlichen Wirtschafts- und Wissenschaftszweigen von sich reden machten. Bötticher schrieb für diese zu verschiedenen Anlässe Lieder oder Gedichte. Denn nicht nur mit Tusche wusste er umzugehen, auch mit dem Wort reüssierte er. Er war Autor verschiedener Kinderbücher, die sich großer Beliebtheit erfreuten. „Bötticher wollte sich bewusst nicht entscheiden", sagt Jung. „Ihm war beides wichtig."

Heute ist der Vater von Joachim Ringelnatz selbst bei Experten, die sich mit der Industriekultur beschäftigen, beinahe vergessen. „Das Problem ist, dass es kaum noch Entwürfe von ihm gibt", sagt Sabine Junge, Leiterin des stadtgeschichtlichen Museums in Wurzen. Vieles ging im Krieg verloren, Feuer in den Fabriken taten ein übriges. Jungs Mitarbeiter und sie haben ein knappes Jahr aufwändig recherchiert und Material zusammenzutragen, um eine Ausstellung über Georg Bötticher auf die Beine zu stellen. Dank Musterbüchern, die Bötticher für Werbezwecken produzieren ließ, konnten sie seine Arbeit rekonstruieren. „Die Besucher können so selbst sehen, wie genau er gearbeitet hat", sagt Jung.

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