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Wurzen Einwohnerversammlung: Asylproblematik entzweit Burkartshain
Region Wurzen Einwohnerversammlung: Asylproblematik entzweit Burkartshain
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Neues Zuhause: In diesem Wohnblock werden in Burkartshain Asylbewerber dezentral untergebracht, was nicht alle Dorfbewohner gern gesehen. Quelle: Frank Schmidt
Wurzen/Burkartshain

Ihnen saßen neben sieben von 13 Ortschaftsräten auch Wurzens Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) im Podium gegenüber. Und Versammlungsleiter Peter Poppe (Linke) stellte gleich zu Beginn fest, „dass die Bevölkerung bei diesem Thema entzweit ist. Es gibt Befürworter und Gegner.“

Das sollte in Kühren-Burkartshain nicht anders sein, wie aus den Fragen der Einwohner sowie den Reaktionen auf Antworten aus dem Präsidium herauszuhören war. Es brodelte im Versammlungsraum, ohne aber, dass die Stimmung überkochte. Nur vereinzelt hallten unsachliche Argumente durch den Raum. Harsche Kritik am Ortschaftsrat wurde aus der Runde laut, weil kein Vertreter der Kreisverwaltung anwesend war. In diesem Punkt räumte Poppe entschuldigend ein, dass dies in Vorbereitung der Sitzung nicht bedacht wurde.

Röglin sah sich daher in der Pflicht, zunächst das Prozedere des aktuellen Asylverfahrens zu erläutern. Von der Ankunft und Erstaufnahme in Deutschland, über die Aufteilung auf die Bundesländer bis hin zur Rolle der Länder, Landkreise und Kommunen. „Wir, die Verwaltung und Sie als Bürger, sind das letzte Glied in der Kette“, sagte Röglin. „Dennoch sind wir bemüht, Ihnen nach bestem Wissen und Gewissen auf all ihre Fragen zu antworten.“ Und: „Wenn wir Ihnen heute etwas sagen, morgen jedoch etwas anderes eintritt, ist das nicht der böse Wille von Entscheidungsträgern.“ Aktuell, so komplettierte der Rathauschef seine Informationen, leben in Wurzen etwa 130 Flüchtlinge, 30 in Burkartshain, vier in Kühren und zwei in Roitzsch – alle in angemieteten Wohnungen. „Insgesamt muss Wurzen 250 Flüchtlinge aufnehmen. Aber wir möchten für sie keine zentrale Lösung“, machte Röglin eine klare Ansage.

Damit war der Weg frei für die Runde vieler Fragen, auf die es nicht in jedem Fall eine umfängliche Antwort gab. So wurde kritisiert, dass aus Kostengründen eigene Wohnungen nicht in Ordnung gebracht werden, für Asylbewerber aber Geld da sei. Dass der Standort Burkartshain ungeeignet ist, weil es keine Einkaufsmöglichkeiten und keinen öffentlichen Nahverkehr gibt. Dass erst die Asylbewerber kommen, dann Informationen dazu. Zudem befürchten einige im Publikum, dass andere Mieter in den Wohnblöcken in der Nitzschkaer Straße, wo die meisten Wohnungen für Asylbewerber vorgesehen sind, ausziehen könnten. Mancher wollte wissen, wie die Integration von Flüchtlingen funktionieren soll, wenn diese dezentral untergebracht und somit auf sich selbst gestellt sind.

Von Interesse war zuletzt, ob die Politik auch daran gedacht hat, dass die meisten Flüchtlinge früher oder später ihre Angehörigen nachholen – „wo sollen die unterkommen?“ Ein Einwohner fand die Informationspolitik „abartig“. Ein anderer sprach von „Ungerechtigkeit den Deutschen gegenüber.“ Eine dritte Stimme aus diesem Lager forderte, „man muss auch mal Nein sagen können, oder müssen wir jetzt vor den Flüchtlingen flüchten?“

Frank Schmidt