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Wurzen Eisenzeitliche Siedlungsreste bei Altenbach
Region Wurzen Eisenzeitliche Siedlungsreste bei Altenbach
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00:32 26.05.2018
Einen ganzen Tisch bedecken die Scherben, die die Archäologen bereits gefunden haben. Quelle: Ines Alekowa
Bennewitz/Altenbach

Die Scherben, die die Archäologen zwischen Altenbach und Neualtenbach gefunden haben, bedecken inzwischen einen großen Tisch. Auf 27 500 Quadratmetern, bis jetzt landwirtschaftlich genutztem Areal, untersuchen Grabungsleiter Marco Häckel und sein Mitarbeiter Konrad Lietz vom Landesamt für Archäologie (LfA) in Dresden seit Anfang April und voraussichtlich noch bis Mitte Juni den Boden, bevor hier die Bagger anrollen dürfen, um die Baugruben für das neue Wohngebiet auszuheben. „Die Nähe zum alten Dorfkern von Altenbach, die vermuten lässt, dass die Siedlung einst weiter ausgedehnt war, und die Topographie – eine leichte Erhebung, von der man eine gute Sicht über die Senke hat – machen das Gelände für uns interessant“, sagt Häckel. Wie überhaupt Mitteldeutschland einzigartig sei, weil sich hier Kulturgruppen aus Nord, Süd und Ost vermischten.

Zwischen Altenbach und Neualtenbach sind noch bis Mitte Juni die Archäologen am Werk. Bis jetzt haben sie drei Kisten an Scherben aus der Erde geholt. Die stammen aus der frühen Eisenzeit und aus dem Mittelalter.

Zwischen den meterhohen Erdwällen sind die beiden Männer kaum zu sehen. Große Bagger haben die 30 bis 60 Zentimeter starke Humusschicht auf zehn mal circa vier Metern breiten Streifen abgetragen und zur Seite geschoben. „Diese ist modern überprägt, der Pflug drüber gegangen“, begründet Häckel. Die Wahrscheinlichkeit, hier etwas zu finden, sei damit gering. Der Grabungsleiter hat schon diese Phase genauestens überwacht, um zu sehen, wo der anstehende und damit archäologisch interessante Boden beginnt. „Das zeigt sich in Unterschieden bei der Zusammensetzung und Farbe des Bodens“, erklärt er.

Und tatsächlich zeichnen sich an verschiedenen Stellen graue, meterlange ovale Verfärbungen im eher gelblichen Grund ab. Für das ungeschulte Auge sind sie erst nach Hinweis erkennbar, aber Häckel hat nach 22 Jahren Berufserfahrung natürlich einen Blick dafür. Und auch ein paar geologische Kenntnisse seien sehr hilfreich, weiß er. „Die Verfärbungen entstehen, wenn sich Eingriffe in den Boden über die Zeit wieder mit anderem Material füllen“, erklärt Häckel. An diesen Stellen legen die Archäologen Profile an, graben sich noch einmal etwa 60 Zentimeter in die Tiefe. Häckel tritt dem Klischee entgegen, Archäologen würden nur mit Kelle und Pinsel arbeiten: „Wir heißen auch Spatenforscher. Gerade bei dem knochenharten Schluff-Lehm-Gemisch hier hätten wir sonst wochenlang zu tun“, lacht er. Kein Wunder, dass der Regen vor Pfingsten als dritter Mitarbeiter durchaus willkommen war.

Grabungsmitarbeiter Konrad Lietz legt gerade eine mittelalterliche Scherbe frei. Quelle: Ines Alekowa

Was die beiden Forscher bei Altenbach entdeckt haben, sind Siedlungsgruben. Also Vertiefungen, in denen Vorräte gelagert oder Abfälle entsorgt wurden. „Die sind in Siedlungen relativ häufig“, sagt Häckel. Allerdings kommen aus Abfallgruben eher selten intakte Gefäße ans Tageslicht. Was nicht heißt, dass nicht auch Scherben das Herz eines Archäologen höher schlagen lassen können. „Auf der Kuppe haben wir ein Fragment eines eisenzeitlichen Riefengefäßes entdeckt, das ist der bisher schönste Fund“, schwärmt Häckel. „Die Form mit Rand und anschließender Gefäßschulter und die Verzierung aus vertikalen Riefen lassen eine deutliche Datierung zu.“ Denn beides war in der Billendorfer Kultur Mode, die im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. im Wesentlichen zwischen mittlerer Elbe und Oder verbreitet war. Während die Funde auf der Kuppe und an deren Hang aus der frühen Eisenzeit (etwa 800 v. Chr.) datieren, stammen die aus der sich zur Straße neigenden Senke – etwa 60 Prozent – aus dem Mittelalter. Alle Scherben werden nach Dresden oder zur LfA-Arbeitsstelle in Belgern geschickt, wo sie gewaschen, inventarisiert und ausgewertet werden. „Und wenn wir feststellen, dass ein Gefäß vollständig ist, wird versucht, es zu rekonstruieren.“

Ob die Archäologen noch Nebenstreifen öffnen, hängt vom Grabungsergebnis ab. Momentan geht Häckel davon aus, dass das nicht notwendig ist. „Die Befundlage, also das, was wir nur dokumentieren, ist verstreut, man erkennt keine Siedlungsstruktur. Denn Pfostengruben, anhand deren diese nachvollziehbar wäre, gehen erfahrungsgemäß nicht so tief in die Erde, sodass viel schon erodiert ist.“ Einen kleinen Pfostenrest haben er und Lietz trotzdem gefunden.

Von Ines Alekowa

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