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Wurzen Entscheidend war der Kreissitz – Köpping verliert Wahl
Region Wurzen Entscheidend war der Kreissitz – Köpping verliert Wahl
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06:00 13.07.2018
Die Bornaer Landrätin Petra Köpping 2004 bei der Schlüsselübergabe für das neue Bornaer Landratsamt. Quelle: Andreas Doering
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Borna

Sie wusste, dass die Sache schiefgehen musste. Jedenfalls für sie persönlich. Das macht Petra Köpping (SPD) zehn Jahre nach der Strukturreform im Landkreis Leipzig unmissverständlich klar. Die heutige sächsische Integrationsministerin verlor im Juni 2008 die Landratswahlen für den neuen Landkreis Leipzig, gebildet aus dem Muldentalkreis und dem Leipziger Land, klar gegen ihren Grimmaer Amtskollegen Gerhard Gey (CDU).

Millionen schwerer Umbau der Kasernen in Borna

„Entscheidend war der Kreissitz“, sagt Köpping heute. Dass Borna einem Beschluss der Staatsregierung und anschließendem Landtagsvotum zufolge Kreisstadt werden sollte, habe die Ausgangslage für den Urnengang im Juni 2008 bereits a priori zu ihren Ungunsten verändert. Erste Gerüchte über eine Verschiebung beziehungsweise Kappung der Kreisgrenzen, die bei der letzten Kreisrefom im Jahr 1994 festgelegt worden waren, kamen bereits 2005 auf, erinnert sich die Frau vom Jahrgang 1958, die ihre politische Laufbahn als Bürgermeisterin von Großpösna begann.

Das Landratsamt in Borna. Quelle: Thomas Kube

Zu einem Zeitpunkt, zu dem der Umbau der ehemaligen Kasernen in der Bornaer Stauffenbergstraße als zentrale Kreisverwaltung des Leipziger Landes gerade einmal zwei Jahre zurücklag. Ein Projekt, das Millionen gekostet hatte, die im Nachhinein herausgeschmissenes Geld gewesen wären, wenn das Landratsamt nicht auch weiter seinen (Haupt-)Sitz in Borna gehabt hätte.

Bekenntnis zum Standort der Kreisverwaltung

Ohnehin hatte sich Köpping sofort und eindeutig nach ihrer Wahl zur Landrätin im Leipziger Land im Jahr 2001 zur Kreisstadt Borna bekannt. „Ich bin sofort in die Deutzener Straße in Borna gezogen“, in ein eher bescheidenes Dienstzimmer. Ein Zeichen, das ihr auch deshalb wichtig war, weil ihr Amtsvorgänger Werner Dieck (CDU) auch dann noch hauptsächlich am Leipziger Tröndlinring residierte, als Borna, geschunden durch das weitgehende Ende des Bergbaus und den Verlust des Kreissitzes 1994, ebendiesen bereits im Jahr 1999 wiedererhalten hatte.

Um diesen Kreissitz focht die Landrätin. Auch und vor allem deshalb, „weil Borna durch die vielen Verwaltungsmitarbeiter wirtschaftlich und sozial gewonnen hat“. Als die Kreisreform umgesetzt werden sollte, lag die Arbeitslosigkeit in Borna teilweise bei über 20 Prozent. Köpping: „Es war richtig, sich in dieser Frage für Borna zu entscheiden.“ Grimma, wo sie einst zur Schule ging und heute wohnt, „hat den Schub durch den Kreissitz nicht so gebraucht“.

Späte Zweifel an der Kandidatur

Der Einsatz für den Kreissitz schlug sich speziell in ihrem Bornaer Wahlergebnis nieder. Hier fuhr sie 86 Prozent ein, was aber unterm Strich nicht reichte, weil ihr Konkurrent aus Grimma im Ergebnis für das gesamte neue Kreisgebiet mit 57 Prozent deutlich vor ihr lag. Bereits damals hatte sie gegenüber der LVZ zu Protokoll gegeben, dass es wohl besser gewesen wäre, wenn sie nicht wieder kandidiert hätte.Genau das aber hatten ihre Dresdner SPD-Vorleute von ihr verlangt. Vor allem der damalige SPD-Landeschef und Wirtschaftsminister Thomas Jurk hatte sie aufgefordert, wieder anzutreten. „Ich war dagegen.“

Nach der Wahl war Petra Köpping eine Zeit lang bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB), landete 2009 im Landtag und ist seit knapp vier Jahren in der Regierung – als Integrationsministerin. Ein Posten, von dem bei ihrer Amtseinführung noch nicht zu ahnen war, welche Bedeutung er so schnell bekommen würde. Mittlerweile dürfte es kaum einen Zweifel daran geben, dass das Integrationsministerium für sie wie geschaffen ist.

Was nicht bedeutet, dass sie sich bei Abstechern an ihren alten Arbeitsplatz im Bornaer Landratsamt doch nicht irgendwie auch noch ein wenig zu Hause fühlt. Etwa dann, wenn es Kaffee gibt – aus Tassen mit Neuseenland-Logo, die zu ihrer Zeit als Landrätin angeschafft wurden.

Von Nikos Natsidis

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