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Wurzen Entsetzen in Wurzen: Menschen nach Anschlägen fassungslos
Region Wurzen Entsetzen in Wurzen: Menschen nach Anschlägen fassungslos
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23:39 06.04.2018
Restaurantinhaber Mathias Schkuhr bekommt Hilfe von Wurzenern bei den Aufräumungsarbeiten nach Anschlägen auf Gaststätten in der Wurzener Innenstadt. Quelle: Frank Schmidt
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Wurzen

„Diese Anschläge auf die beiden Lokale in der Wurzener Innenstadt sind an Brutalität nicht zu überbieten.“ Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) fand am Freitag deutliche Worte: „Ohne mich an Spekulationen zu den Tätern beteiligen zu wollen, sind derartige Aktionen weder ein Protest noch eine Meinungsäußerung. Das ist ganz simpel kriminelle Gewalt.“

Bis zu 50 Einschläge im Sicherheitsglas

Freitag gegen zwei Uhr war für die Anwohner rund um die Postmeilensäule die Nacht zu Ende. Ohrenbetäubende dumpfe Schläge ließen sie hochschrecken. Augenzeugen sprachen von mehreren schwarz gekleideten Vermummten, die die Scheiben der Gaststätte „St. Wenzel/First Diner“ mit schweren Hämmern traktierten. Zurück blieb ein Trümmerfeld. Die 50 Einschlaglöcher im Sicherheitsglas sorgten für Entsetzen. Aus dem Innern des Lokals entwich übler Geruch. Schnell machte die Runde, dass auch die Pizzeria „La Grotta“ im Badergraben angegriffen wurde. Deren Inhaber Michael Wolk: „Die haben Buttersäure reingespritzt.“

Fahndung nach den Tätern erfolglos

Die Polizei fahndet nach den Tätern des Anschlages in Wurzen. Quelle: Haig Latchinian

Die Polizei wurde alarmiert und war schnell zur Stelle. Behördensprecher Uwe Voigt: „Die sofort eingeleitete Fahndung am Tatort sowie ein eingerichteter Kontrollposten an den Ausfallstraßen nach Oschatz und Leipzig blieben jedoch erfolglos.“ Die beiden betroffenen Gastwirte (59 und 52) sind Mitbegründer und Vorstandsmitglieder des Vereins „Neues Forum Wurzen“ (NFW). Wie berichtet, veranstaltete die neu gegründete Initiative erst vor wenigen Tagen eine Kundgebung auf dem Wurzener Markt.

Die Redner wehrten sich unter anderem gegen den Vorwurf, Wurzen sei ein braunes Nest. Zugleich kritisierten sie das in der Stadt ansässige Netzwerk für Demokratische Kultur, da von dort aus stets all jene zu Rassisten und Nazis erklärt würden, die sich kritisch über die Zuwanderung äußerten. „Ein politisch motivierter Hintergrund ist daher nicht auszuschließen“, so Voigt weiter. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen. Die Höhe des Sachschadens stehe noch aus.

Politische Hintergründe hinter der Gewalttat vermutet

„Die Feiglinge der Antifa haben die Existenzgrundlage zweier Vorständler des Neuen Forums für Wurzen angegriffen“, sagt dessen Vorsitzender Christoph Mike Dietel. „Wer sich politisch für die Heimat engagiert und die Machenschaften des Netzwerks für Demokratische Kultur durchleuchtet sehen will, muss fürchten, von Verbrechern angegriffen zu werden, die mit ungehemmter krimineller Energie zu allem bereit sind“, so der 53-Jährige. Gegenüber der LVZ appellierte er zu Friedfertigkeit: „Unser Zorn darf sich nicht in Untaten entladen.“

In einer ersten Stellungnahme distanzierte sich das Netzwerk für Demokratische Kultur von jeglicher Form der Gewalt. Ihr Verein bedauere die Angriffe auf die beiden Gaststätten, sagte Sprecherin Martina Glass. Gleichzeitig wies sie jede Schuld entschieden zurück. „Wir sind erschrocken über mündliche und schriftliche Drohungen, die gegen uns ausgesprochen wurden. Eine demokratische Auseinandersetzungen führt das NDK auf der Ebene der Diskussion und des Dialogs.“

Bekennerschreiben im Internet aufgetaucht

Unterdessen tauchte im Internet ein Bekennerschreiben aus der linksextremistischen Szene auf. Darin übernahmen die anonymen Verfasser die Verantwortung dafür, die beiden Lokale „angegriffen und unbegehbar gemacht“ zu haben. Sie enden mit der Forderung: „Kampf dem Faschismus in den Köpfen und auf der Straße!“

Restaurantinhaber Mathias Schkuhr bei den Aufräumungsarbeiten. Quelle: Frank Schmidt

Die beiden Gastwirte dankten derweil all den Helfern, die sich an ersten Reparaturen beteiligten. Mathias Schkuhr: „Viele von ihnen kannte ich nicht mal, mit vereinten Kräften sind wir gut vorangekommen.“ Beide Lokale, sowohl jenes in der Wenceslaigasse als auch das im Badergraben, konnten noch am Freitag wieder öffnen.

Oberbürgermeister Röglin kündigt Bürgerversammlung an

Oberbürgermeister Röglin kündigte für Mai eine Bürgerversammlung in Wurzen an, in der unter anderem die Gräben in der Bürgerschaft thematisiert würden: „Nur wenn wir uns mit den Ansichten des anderen respektvoll auseinandersetzen und Hetze sowie Gewalt tabu sind, können wir miteinander Lösungen finden.“

Von Haig Latchinian

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