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Wurzen Eritreer berichtet in Wurzen über Flucht
Region Wurzen Eritreer berichtet in Wurzen über Flucht
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10:57 07.12.2018
Zum Abschluss des Abends signierte Zekarias Kebraeb viele Bücher mit einem Satz in Anlehnung eines Zitates von Ralf S. Kassemeier: Wer sich bewegt, kann etwas bewegen." Quelle: H.-J. Grellmann
Wurzen

Im Mittelpunkt des „Eritreischen Abends 3.0“, der kürzlich in der Adventgemeinde Wurzen stattfand, stand die Buchlesung mit Zekarias Kebraeb aus Nürnberg und Marianne Mösle aus Tübingen. Der junge Eritreer las aus ihrem gemeinsamen Buch „Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn” und über 100 Menschen aus Wurzen, Grimma, Colditz, Bad Lausick und Leipzig hörten ihm sichtlich gerührt zu – unter ihnen viele Geflüchtete aus Eritrea, Libyen und Afghanistan.

Flucht über vier Jahre

Mit 17 Jahren floh Zekarias Kebraeb aus Eritrea, am Roten Meer im Nordosten Afrikas, über den Sudan, Libyen und das Mittelmeer nach Europa – ein Höllentrip, den jedes Jahr unzählige Afrikaner auf sich nehmen. Für Kebraeb haben sich die Strapazen gelohnt: Der heute 33-Jährige ist nach einer vierjährigen Odyssee 2006 in Deutschland angekommen. Für das Buch „Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn“, das er zusammen mit der Tübinger Journalistin Marianne Mösle schrieb, hat er sich daran erinnert.

Brennender Durst und Todesangst

Eindrucksvoll schildert Kebraeb seine Flucht, die ihn über Khartoum im Sudan und durch die Wüste Libyens zunächst nach Tripolis brachte. Von brennendem Durst, Todesangst und dem Streit mit Gott, erzählt der gläubige Christ in seinem Buch, ebenso von der Abgeklärtheit der Schlepper, die ihn wegen Schwäche und Krankheit in der Wüste zum Sterben zurücklassen wollten, und von Fischerbooten vor der Küste Italiens, deren Mannschaften sich weigerten, die Flüchtlinge aufzunehmen.

Kebraeb lebt heute unweit von Nürnberg

„Meine Geschichte ist nicht nur meine Geschichte, sondern die von Tausenden Eritreern“, sagte Kebraeb, der sein Buch zuerst in der eritreischen Landessprache Tigrinya schreiben wollte. „Aber warum? Die Menschen in Eritrea wissen doch, was Flucht heißt“, begründet er seinen Entschluss für die deutsche Sprache. Heute lebt Kebraeb, der mit der Veröffentlichung des Buches seine Aufenthaltserlaubnis zugesprochen bekam, in der Nähe von Nürnberg und unterstützt mit Radiosendungen und selbstständig produzierten TV-Sendungen im Internet die Opposition in Eritrea.

Heiße Rhythmen der Gruppe „Wontanara“

Gestartet war der Abend übrigens per Rückblick auf drei Jahre Sozialarbeit mit eritreischen Geflüchteten in Wurzen und Umgebung. Darüber hinaus begeisterte die multikulturelle Musikgruppe „Wontanara“ aus Leipzig mit heißen Rhythmen, und ein Buffet eritreischer Speisen, von Filimon Tesfamariam und seinem Team aus Wurzen vorbereitet, sorgte für kulinarische Gaumenfreuden. Wie Jörg Wietrichowski vom Projekt „Gemeinsam für Flüchtlinge” berichtete, fand im Anschluss der Lesung ein reger Meinungs- und Gedankenaustausch statt, „der zeigte, wie wichtig und wertvoll es für alle Beteiligten ist, wenn sie einander ihre Geschichten erzählen und zuhören können“.

Träger des „Eritreischen Abends 3.0” ist die Adventgemeinde Wurzen mit ihrem Projekt „Gemeinsam für Flüchtlinge”, gefördert durch den Freistaat Sachsen im Rahmen des Landesprogramms „Integrative Maßnahmen”.

Von LVZ

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