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Erleichterung und Ärger liegen in Bennewitz dicht beieinander

Erleichterung und Ärger liegen in Bennewitz dicht beieinander

Bennewitz. Es sind nur wenige Meter, die grenzenlose Erleichterung und massiven Ärger an diesem Morgen trennen. Während Bennewitz in weiten Teilen trocken blieb und sich gestern wieder in die Normalität zurückkämpfte, sind Anwohner südlich der Bahn stinksauer.

"Denen muss jetzt ganz Bennewitz helfen", appellierte Feuerwehrchef Nils Adam an alle, die von einem erneuten Schicksalsschlag verschont blieben. Bedrohlich war die Lage immer noch für Nepperwitz. "Ein gebrochener Damm zwischen Grubnitz und Nepperwitz", so Bernd Laqua am Morgen in der Krisenzentrale in Altenbach, "macht uns extreme Probleme."

Schon seit vier Tagen hält der Kampf der Bennewitzer gegen das Hochwasser an. Und erst jetzt wird deutlich, dass nur wenige Minuten darüber entschieden haben, ob der Ort wieder vollends absäuft oder nicht. "Wir haben am Montag das Wasser schon kommen sehen, als wir den Durchlass an der B 107 dicht gemacht haben", schilderten Björn und Nils Adam von der Bennewitzer Feuerwehr die dramatische Situation. "Dass die paar Sandsäcke nicht reichen, das Wasser aufzuhalten, war schnell klar", berichtet Björn Adam. Die Firma Kafril und Frank Degenhardt aus Lübschütz erhörten die Hilferufe und schickten zwölf Lkw los. "Binnen zwei Stunden wurden über 2000 Tonnen Schotter angefahren. Das hat Bennewitz gerettet."

Einer, der zu den Glücklichen nördlich des Bahndamms zählt, ist Bäckermeister Gunter Schwarze. Gestern sitzt er in seinem Laden und ist einfach nur dankbar: "Wir haben am Dienstag vor Glück geheult, als klar war, dass wir diesmal verschont bleiben", beschreibt der 63-Jährige seine Gefühle. Auch seine Söhne Ken und Percy konnten die Tränen nicht zurückhalten. Die Bilder von 2002 vor Augen, hatte der Bäckermeister das Schlimmste befürchtet. "Wir haben das Geschäft vor der Evakuierung zwar mit Spundwänden geschützt, Knetmaschinen, Glacieranlage und Kuchenwagen auf einem Laster abtransportiert, aber so einen Tag möchte ich ehrlich gesagt nicht noch einmal erleben." Aller 30 Minuten habe er auf den Pegel Golzern geschaut und trotz Evakuierung die Stellung gehalten. Auch Schwarze, der Brot, Brötchen und Teiglinge aus der Kühlung wegwerfen muss, ist sich sicher, dass das Verbarrikadieren des Bahndamms die einzig richtige Lösung war. Dadurch erhielt Bennewitz im entscheidenden Moment einen zweiten Deich, der die Mulde aufhielt. "Was die Kameraden geleistet haben, ist übermenschlich. Schreiben Sie das bitte: Wir haben die beste Feuerwehr der Welt!" Jeder Bennewitzer sei jetzt verpflichtet, findet Schwarze, den Betroffenen südlich der Gleise zu helfen. "Das sind wir ihnen einfach schuldig."

Auch gestern stand die braune Brühe noch in der Senke bei Schmölen. "Wir haben in der Bahnhof- und Bergstraße noch 1,50 Meter Wasserstand, im Schulweg etwa einen Meter", so Bernd Laqua am Mittag. Die Feuerwehr rückte an, um das aufgestaute Wasser über den Saubach abzupumpen. Von dort soll es über Deuben in die Mulde zurückfließen.

"Die geschlossenen Durchlässe bleiben auf jeden Fall heute und voraussichtlich auch morgen noch dicht", erklärte der Leiter des Krisenstabes. "Mit dem Fahrzeug ist also über die B 107 kein Durchkommen Richtung Grimma. Autofahrer sollten Bennewitz meiden", forderte er auf. Die ganze Zeit über befahrbar war trotz höchster Bedrängnis übrigens die Bennewitzer Ortsumfahrung. Hier hat der Deich gehalten.

Flussabwärts kann davon keine Rede sein. Ein massiver Dammbruch zwischen Grubnitz und Nepperwitz bereitete den Gemeinden Bennewitz und Machern auch gestern ernsthafte Probleme. Denn nicht nur am Püchauer Schusterbusch hatte der Wall in der Nacht zum Montag nachgegeben. Auch kurz hinter Grubnitz hielten die Deiche den Wassermassen nicht stand. Die Mulde schlug genau an der Stelle zu, wo die Spundwände enden. Widerstände während des Planungsverfahrens hatten einen umfassenden Hochwasserschutz für die Auendörfer bislang torpediert.

"Es kommt immer noch Wasser dazu, wir brauchen Verstärkung aus der Luft", erklärte Laqua am Morgen. Gemeinsam mit Machern forderte man beim Katastrophenstab Hilfe an. "Dort müssen dringend Hubschrauber hin, um das Leck zu schließen. Sonst bekommen wir auch in Nepperwitz keine Entspannung." Der nördlichste Bennewitzer Ortsteil stand auch gestern noch an einigen Stellen unter Wasser. Feuerwehrmann Lars Nicol hatte sich in aller Frühe in seinen Heimatort vorgekämpft: "Etwa ein Dritten der Häuser hat es erwischt. Das Wasser stand aber niedriger als 2002." Bereits damals war der Damm bei Grubnitz nicht für die Gewalt des Flusses gerüstet und die Mulde hatte sich an ihr altes Bett erinnert. Das tat sie auch diesmal - offenbar an genau der gleichen Stelle.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.06.2013

Simone Prenzel

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