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Wurzen Erweiterung des Steinbruchs: Schwarze Wand in Gefahr
Region Wurzen Erweiterung des Steinbruchs: Schwarze Wand in Gefahr
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14:33 19.05.2015
Die Schwarze Wand: Gerald Krug gelang im Jahr 2007 dieses Foto. Damals wurde hier noch geklettert. Quelle: Privat

Nach Angaben des Sächsischen Oberbergamts in Freiberg wird noch bis etwa 2020 westlich der Staatsstraße S20 abgebaut. Um mehr Gestein zu fördern, soll der Steinbruch anschließend nach Osten erweitert werden, was auch eine Umverlegung der S20 zur Folge hat.

Die Betreibergesellschaft nannte auf Anfrage keine Details zum Zeitpunkt des Abrisses. Bis 2013 waren die Sächsischen Quarzporphyrwerke als hundertprozentige Tochter der Basalt-Actien-Gesellschaft (BAG) für die Grube zuständig. Danach sind die Werke vollständig in die Gesellschaft übergegangen, sodass jetzt die BAG formaler Betreiber des Steinbruchs ist, der laut Rahmenbetriebsplan bis zum Jahr 2044 bewirtschaftet wird.

Die Hohburger Berge wurden Anfang des 20. Jahrhunderts von Kletterern erschlossen und gehören zum Gebiet der alten Leipziger Kletterschule. Wie auch die Brandiser Brüche, deren Gestein zum Bau des Völkerschlachtdenkmals Verwendung fand, wurden sie vor allem für die alpine Vorbereitung genutzt. Die Klettervereine haben sich mittlerweile damit abgefunden, dass mit der Schwarzen Wand ein Stück sächsische Klettergeschichte untergehen wird. Aus Sicherheitsgründen wurde der Felsen bereits vor etwa fünf Jahren gesperrt. "Als wir vom Kletterverbot erfuhren, haben wir schon mit den Zähnen geknirscht", sagt Patrick Kliszak, Vorsitzender der IG Klettern und Naturfreunde Mittelsachsen. Doch der Verein habe kein Mitspracherecht bei der Nutzung und sei auf das Wohlwollen der BAG angewiesen. Schließlich habe man es der Betreibergesellschaft zu verdanken, dass den Mitgliedern der IG und des Deutschen Alpenvereins der nahe gelegene Holzberg bei Böhlitz zugänglich ist, erklärt der Vereins-Chef. "Eigentlich gibt es für die BAG überhaupt keine rechtliche Veranlassung, uns dort klettern zu lassen", stellt Kliszak klar und ergänzt: "Insofern ist der Betreiber uns gegenüber bisher sehr kooperativ eingestellt." Da sich manchmal bis zu 300 Kletterer an den Wochenenden auf dem von den beiden Vereinen gepachteten Gelände am Holzberg tummeln würden, wolle man es sich nicht mit der Gesellschaft verscherzen. "Wir versuchen, die legalen Klettermöglichkeiten zu erhalten", so das Ziel des Vereins. Als weitere Ausweichmöglichkeiten in der Region gelten der Spielberg und der Gaudlitzberg.

Laut Henry Balzer, der der Leipziger Sektion des Deutschen Alpenvereins vorsitzt, dürfen sich die Kletterer in fernerer Zukunft möglicherweise auf ein weiteres Gelände freuen. "Die BAG hat angedeutet, dass wir den Lüptitzer Steinbruch nutzen können, wenn dort nicht mehr gefördert wird." Der 53-Jährige pflichtet Kliszak bei, indem er sagt, dass es zwischen den Vereinen und der BAG "keine Störgeräusche" gebe.

Im Gegensatz zu den Vereinen der Region, die wegen des Holzbergs auf ein gutes Verhältnis mit der BAG angewiesen sind, scheuen sich Kletterer aus dem Umland nicht, die BAG öffentlich zu kritisieren. "Wir trauern sehr über die Schwarze Wand", klagt Gerald Krug, Vorsitzender der IG Klettern Halle/Löbejün. "Die Leipziger Vereine nehmen das hin, wir sind nicht einmal gefragt worden. Eigentlich hätte der Bundesverband Stellung beziehen müssen." Da das nicht passiert sei, hätten die Hallenser in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Sport und Natur, der größten Interessenvereinigung für den Natursport in Deutschland, im November 2013 einen Protestbrief verfasst. "Sollten die unternehmerischen Ziele der BAG ein Aussparen dieser Felsformation im Bergbaugebiet zulassen, würde nicht nur ein seit 1925 für den stadtnahen Natursport genutztes Kulturgut, sondern auch die einzig markante Erhebung, ein landschaftsprägendes Wahrzeichen der Region, erhalten bleiben", heißt es in dem Schreiben. Eine Reaktion seitens der BAG hat es laut Krug nicht gegeben.

Ob im Zuge der Erweiterung möglicherweise auch Wanderwege des Geoparks Porphyrland wegfallen, sei für Projektmanagerin Viola Heß derzeit noch kein Thema. "Da sich der Geopark um Porphyre und den Jahrhunderte langen Abbau dreht, unterstützt uns die BAG", erklärt sie und weist darauf hin, dass sich der Steinbruchbetreiber auch für das Hohburger Steinarbeiterhaus und die Bergfilmnacht einsetzt. "Die Eingriffe, die die Gesellschaft in die Landschaft vornimmt, versucht sie auf diese Weise auszugleichen", sagt sie und betont, dass der Porphyrabbau die Industrialisierung vorangetrieben habe und auch heute zum Fortschritt beitragen würde.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.02.2014
Felix Forberg

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