Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° Sprühregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Erweiterung des Steinbruchs: Schwarze Wand in Gefahr

Erweiterung des Steinbruchs: Schwarze Wand in Gefahr

Nur noch wenige Meter trennen die Schwarze Wand inzwischen vom Rand des Steinbruchs Röcknitz/Frauenberg. Nicht mehr lange und sie wird Vergangenheit sein, denn der imposante Felsen soll der Förderung von Quarzporphyr zum Opfer fallen, der in der Asphalt- und Betonindustrie zum Einsatz kommt.

Voriger Artikel
Panitzsch: Meisterhafte Malkultur in Grautönen
Nächster Artikel
Brandiser nutzen erste Samstag-Öffnung ihres Rathauses

Die Schwarze Wand: Gerald Krug gelang im Jahr 2007 dieses Foto. Damals wurde hier noch geklettert.

Quelle: Privat

Thallwitz/Lossatal. Nach Angaben des Sächsischen Oberbergamts in Freiberg wird noch bis etwa 2020 westlich der Staatsstraße S20 abgebaut. Um mehr Gestein zu fördern, soll der Steinbruch anschließend nach Osten erweitert werden, was auch eine Umverlegung der S20 zur Folge hat.

Die Betreibergesellschaft nannte auf Anfrage keine Details zum Zeitpunkt des Abrisses. Bis 2013 waren die Sächsischen Quarzporphyrwerke als hundertprozentige Tochter der Basalt-Actien-Gesellschaft (BAG) für die Grube zuständig. Danach sind die Werke vollständig in die Gesellschaft übergegangen, sodass jetzt die BAG formaler Betreiber des Steinbruchs ist, der laut Rahmenbetriebsplan bis zum Jahr 2044 bewirtschaftet wird.

Die Hohburger Berge wurden Anfang des 20. Jahrhunderts von Kletterern erschlossen und gehören zum Gebiet der alten Leipziger Kletterschule. Wie auch die Brandiser Brüche, deren Gestein zum Bau des Völkerschlachtdenkmals Verwendung fand, wurden sie vor allem für die alpine Vorbereitung genutzt. Die Klettervereine haben sich mittlerweile damit abgefunden, dass mit der Schwarzen Wand ein Stück sächsische Klettergeschichte untergehen wird. Aus Sicherheitsgründen wurde der Felsen bereits vor etwa fünf Jahren gesperrt. "Als wir vom Kletterverbot erfuhren, haben wir schon mit den Zähnen geknirscht", sagt Patrick Kliszak, Vorsitzender der IG Klettern und Naturfreunde Mittelsachsen. Doch der Verein habe kein Mitspracherecht bei der Nutzung und sei auf das Wohlwollen der BAG angewiesen. Schließlich habe man es der Betreibergesellschaft zu verdanken, dass den Mitgliedern der IG und des Deutschen Alpenvereins der nahe gelegene Holzberg bei Böhlitz zugänglich ist, erklärt der Vereins-Chef. "Eigentlich gibt es für die BAG überhaupt keine rechtliche Veranlassung, uns dort klettern zu lassen", stellt Kliszak klar und ergänzt: "Insofern ist der Betreiber uns gegenüber bisher sehr kooperativ eingestellt." Da sich manchmal bis zu 300 Kletterer an den Wochenenden auf dem von den beiden Vereinen gepachteten Gelände am Holzberg tummeln würden, wolle man es sich nicht mit der Gesellschaft verscherzen. "Wir versuchen, die legalen Klettermöglichkeiten zu erhalten", so das Ziel des Vereins. Als weitere Ausweichmöglichkeiten in der Region gelten der Spielberg und der Gaudlitzberg.

Laut Henry Balzer, der der Leipziger Sektion des Deutschen Alpenvereins vorsitzt, dürfen sich die Kletterer in fernerer Zukunft möglicherweise auf ein weiteres Gelände freuen. "Die BAG hat angedeutet, dass wir den Lüptitzer Steinbruch nutzen können, wenn dort nicht mehr gefördert wird." Der 53-Jährige pflichtet Kliszak bei, indem er sagt, dass es zwischen den Vereinen und der BAG "keine Störgeräusche" gebe.

Im Gegensatz zu den Vereinen der Region, die wegen des Holzbergs auf ein gutes Verhältnis mit der BAG angewiesen sind, scheuen sich Kletterer aus dem Umland nicht, die BAG öffentlich zu kritisieren. "Wir trauern sehr über die Schwarze Wand", klagt Gerald Krug, Vorsitzender der IG Klettern Halle/Löbejün. "Die Leipziger Vereine nehmen das hin, wir sind nicht einmal gefragt worden. Eigentlich hätte der Bundesverband Stellung beziehen müssen." Da das nicht passiert sei, hätten die Hallenser in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Sport und Natur, der größten Interessenvereinigung für den Natursport in Deutschland, im November 2013 einen Protestbrief verfasst. "Sollten die unternehmerischen Ziele der BAG ein Aussparen dieser Felsformation im Bergbaugebiet zulassen, würde nicht nur ein seit 1925 für den stadtnahen Natursport genutztes Kulturgut, sondern auch die einzig markante Erhebung, ein landschaftsprägendes Wahrzeichen der Region, erhalten bleiben", heißt es in dem Schreiben. Eine Reaktion seitens der BAG hat es laut Krug nicht gegeben.

Ob im Zuge der Erweiterung möglicherweise auch Wanderwege des Geoparks Porphyrland wegfallen, sei für Projektmanagerin Viola Heß derzeit noch kein Thema. "Da sich der Geopark um Porphyre und den Jahrhunderte langen Abbau dreht, unterstützt uns die BAG", erklärt sie und weist darauf hin, dass sich der Steinbruchbetreiber auch für das Hohburger Steinarbeiterhaus und die Bergfilmnacht einsetzt. "Die Eingriffe, die die Gesellschaft in die Landschaft vornimmt, versucht sie auf diese Weise auszugleichen", sagt sie und betont, dass der Porphyrabbau die Industrialisierung vorangetrieben habe und auch heute zum Fortschritt beitragen würde.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.02.2014
Felix Forberg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wurzen
  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

Blättern Sie in der prall gefüllten Veranstaltungsbeilage und entdecken Sie die Termine aus unserer Region. mehr

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr