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Wurzen Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es im Muldental Wildkatzen gibt
Region Wurzen Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es im Muldental Wildkatzen gibt
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00:19 28.07.2017
Wildtierberater Tino Beute. Quelle: Frank Schmidt
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Landkreis Leipzig

Es sei nur noch eine Frage der Zeit, dass sich im Muldental und im Leipziger Land auch Wildkatzen ansiedeln. Luchse allerdings, wie sie nach gezielter Auswilderung etwa im Harz wieder zu finden sind, dürften wohl kaum im Landkreis Leipzig aufkreuzen.

Am Vorhandensein von Wölfen in den Wäldern zwischen Wurzen, Colditz und Frohburg lässt sich Beute zufolge nicht mehr ernsthaft zweifeln. Der 53-Jährige, seit drei Jahren einer von mehreren ehrenamtlichen Wildtierbeauftragten im Landkreis, muss es wissen. Er wird regelmäßig gerufen, wenn ein Tier vermutlich von einem Wolf gerissen worden ist. „Wenigstens einmal im Monat.“ Zuletzt nach dem Tod eines Tieres in Heyda bei Wurzen, das eindeutig Opfer eines Wolfes wurde (die LVZ berichtete). Dabei macht er klar, dass keineswegs alle Tiere, die grausam zugerichtet aufgefunden werden, von Wölfen getötet wurden. „In der Hälfte der Fälle waren es Hunde“. Freilaufende Hunde, die von ihrem Besitzer von der Leine gelassen werden und auf Jagd gehen. An der Gefahr, die der Wolf für den Tierbestand auch im Landkreis Leipzig bedeute, ändere das aber nichts.

Schon aus statistischen Gründen nicht, wie Beute vorrechnet. Bei einem Wolfswurf gibt es zwischen vier und fünf Nachkommen, was unter dem Strich bedeutet, dass die Wolfspopulation jährlich um 40 Prozent zunimmt. Bereits jetzt gebe es in der Lausitz eine höhere Wolfsdichte als in Schweden. Die Raubtiere fänden dort nachgerade ideale Bedingungen – „eine stark zersiedelte Bergbaufolgelandschaft und ein breites Beutespektrum“, wie der Fachmann sagt. Im Prinzip wie im Leipziger Land, allerdings mit dem Unterschied „dass es bei uns eine sehr viel höherer Freizeitnutzung und vor allem Siedlungsdichte gibt“, so dass es unweigerlich zu Begegnungen mit dem Wolf kommen werde.

Wenn sich der Wolf dann tatsächlich auch auf dem Gebiet des Landkreises Leipzig ansiedle, „brauchen wir stärkere Schutzmaßnahmen“. Weniger für die Menschen, die Beute trotz des verbreiteten Rotkäppcheneffekts und der damit verbundenen tiefsitzenden Angst vor Meister Isegrim, für kaum gerechtfertigt hält. Der Wolf sei von Natur aus scheu und meide den Kontakt mit dem Menschen, sofern er nicht einst von ihm gefüttert wurde oder aus einem Gehege stammt. Dem Wildtierbeauftragten geht es um die Weidetiere und alle Wildtierarten, die den Raubtieren oftmals schutzlos ausgeliefert sind. Das sei im 19. und 20. Jahrhundert auch der Grund gewesen, dass die Wölfe so sehr gejagt wurden, dass es sie im Prinzip in Deutschland nicht mehr gab, von Ausnahmen, etwa im Grenzgebiet zu Polen, abgesehen.

Dabei ist die Wiederkehr oder Neuansiedlung von Tierarten nichts ungewöhnliches. Das gelte etwa für die Marderhunde, die seit einigen Jahrzehnten aus Südostasien in unsere Breitengrade gekommen sind. Und bei allen Schwierigkeiten mit dem Wolf macht Experte Beute deutlich, dass es sehr oft domestizierte Tiere sind, die für den größeren Schaden in der heimischen Tierwelt sorgen. Neben freilaufenden Hunden, die im Gegensatz zu ihren Artgenossen in Südeuropa nicht in Rudeln streunend unterwegs sind, sind auch gewöhnliche Hauskatzen auf Freigang. Sie bedeuteten für die Singvögel eine existenzielle Gefahr. „Aber Vögel haben keine Lobby, weil sich damit kein Geld verdienen lässt“, sagt Beute. Im Gegensatz zum Wolf, weshalb es so schwierig sei, die Gefahr, die vom ihm für den Wildtierbestand ausgeht, zu verringern.

Von Nikos Natsidis

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