Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Experte zu „Muldental in Fahrt“: Backe an Backe muss funktionieren
Region Wurzen Experte zu „Muldental in Fahrt“: Backe an Backe muss funktionieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 11.08.2017
Heiner Monheim Quelle: Thomas Kube
Anzeige
Grimma

Der Bonner Verkehrsexperte Heiner Monheim nimmt in Sachen Mobilität kein Blatt vor den Mund. Es sei der falsche Weg, dem Autoverkehr weiter den roten Teppich auszurollen. Nutzerorientierten Projekten wie „Muldental in Fahrt“ gehöre stattdessen die Zukunft.

Was hat Sie an dem Vorhaben „Muldental in Fahrt“ so überzeugt?

Ich bin seit 50 Jahren mit Entwicklungen im ÖPNV-Bereich befasst. Oft wird hier nur der Mangel verwaltet, nichts Neues gewagt, und die Beharrungskräfte sind erheblich. Hier habe ich genau das Gegenteil erlebt. Es gibt unheimlich engagierte Macher, die jung sind, die Ideen haben und sich von ihren Zielen auch nicht abbringen lassen. Hier gibt es keine Verteidigung des Status quo, weil es so bequemer ist. Hier hat sich ein Prozess entwickelt, der aus meiner Sicht in Deutschland einmalig ist. Landkreis, Kommunen, Bürgermeister, Verband, Busunternehmen, Planer – alle ziehen an einem Strang. Alle haben sich von Anfang an bemüht, aus der Sicht der Kunden zu denken und dann Schlussfolgerungen zu ziehen. Ich würde hier zum Beispiel ein Denkmal für Iris Bode und Martina Stenker, zwei Mitarbeiterinnen des Landratsamtes, setzen. Anderswo machen Mitarbeiter in vergleichbaren Funktionen nur Dienst nach Vorschrift. Hier wollen sie etwas bewegen.

Sie verweisen auf Beispiele, wo Fahrgastzahlen in Bussen explodiert sind, weil sich Verbindungen verbessert haben. Wo hat sich das ÖPNV-Märchen denn zugetragen?

Konkret zum Beispiel rund um die Stadt Euskirchen im Rheinland. Hier betrug das Fahrgastaufkommen erst 140 000. Durch neue Konzepte konnte es auf fast fünf Millionen Passagiere gesteigert werden. Die Lehre daraus: Die Leute wollen Bus fahren, oft lässt man sie nur nicht. Als Vorreiter gilt generell die Schweiz mit ihrem vertakteten System, von Frauenfeld am Bodensee sprang hier der Funke nach Dornbirn und später Bregenz über. Dann ging es weiter mit Vorzeigestädten wie Lemgo oder Radolfzell.

Ein entscheidender Punkt ist das Umsteigen. Das war bislang nicht so oft nötig.

In der Schweiz zum Beispiel gehört Umsteigen zum Alltag. Hier in Deutschland ist das vielfach noch ein Problem. Die Haltestellen sind zu weit voneinander entfernt, Bus und Bahn warten nicht aufeinander – das ist kein Umsteigen. Wir als Verkehrsexperten sagen: Umsteigen muss „Backe an Backe“ passieren. Idealerweise teilen sich die Beförderungsmittel einen Bahnsteig. Dann klappt das auch mit dem Umsteigen, und die Scheu der Kunden wird abgebaut. Mit „Muldental in Fahrt“ wurden dafür in der Region die besten Voraussetzungen geschaffen.

Von Simone Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Muldental gehen zusätzliche Buslinien an den Start. Bis in den Abend, an Wochenenden und in den Ferien stehen Verbindungen zur Verfügung. Für das sachsenweite Modellprojekt fiel am Dienstag auf dem Grimmaer Markt der Startschuss.

09.08.2017

Ernst Schock war der erste Beigeordnete im Altkreis Grimma nach der politischen Wende. Der Mann, der damals an der Seite von Alt-Landrat Gerhard Gey gestanden hatte, starb Ende Juli im Alter von 76 Jahren und wird nicht nur wegen seiner Verdienste vielen in guter Erinnerung bleiben.

08.08.2017

Nach 13 Monaten Bauzeit ist seit Dienstagnachmittag das neue Verwaltungsgebäude des Versorgungsverbandes Eilenburg-Wurzen in der Straße Am alten Celluloidwerk mit der Eröffnung nun auch offiziell in Betrieb : Die 42 Mitarbeiter der Service-Bereiche Eilenburg und Wurzen des Versorgungsverbandes Eilenburg-Wurzen (VEW) sind unter einem Dach des neuen Verwaltungsgebäudes vereint.

11.08.2017
Anzeige