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Experte zu „Muldental in Fahrt“: Backe an Backe muss funktionieren

Interview Experte zu „Muldental in Fahrt“: Backe an Backe muss funktionieren

Verkehrsexperte Heiner Monheim aus Bonn hat das Projekt „Muldental in Fahrt“ von Anfang an begleitet. Er war auch beim offiziellen Start am Dienstag in Grimma dabei. Der emeritierte Professor (71), der immer noch an der Universität Trier lehrt, hält nicht viel vom Autoverkehr.

Heiner Monheim ist ein deutschlandweit anerkannter Verkehrsexperte und Forscher.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Der Bonner Verkehrsexperte Heiner Monheim nimmt in Sachen Mobilität kein Blatt vor den Mund. Es sei der falsche Weg, dem Autoverkehr weiter den roten Teppich auszurollen. Nutzerorientierten Projekten wie „Muldental in Fahrt“ gehöre stattdessen die Zukunft.

Was hat Sie an dem Vorhaben „Muldental in Fahrt“ so überzeugt?

Ich bin seit 50 Jahren mit Entwicklungen im ÖPNV-Bereich befasst. Oft wird hier nur der Mangel verwaltet, nichts Neues gewagt, und die Beharrungskräfte sind erheblich. Hier habe ich genau das Gegenteil erlebt. Es gibt unheimlich engagierte Macher, die jung sind, die Ideen haben und sich von ihren Zielen auch nicht abbringen lassen. Hier gibt es keine Verteidigung des Status quo, weil es so bequemer ist. Hier hat sich ein Prozess entwickelt, der aus meiner Sicht in Deutschland einmalig ist. Landkreis, Kommunen, Bürgermeister, Verband, Busunternehmen, Planer – alle ziehen an einem Strang. Alle haben sich von Anfang an bemüht, aus der Sicht der Kunden zu denken und dann Schlussfolgerungen zu ziehen. Ich würde hier zum Beispiel ein Denkmal für Iris Bode und Martina Stenker, zwei Mitarbeiterinnen des Landratsamtes, setzen. Anderswo machen Mitarbeiter in vergleichbaren Funktionen nur Dienst nach Vorschrift. Hier wollen sie etwas bewegen.

Sie verweisen auf Beispiele, wo Fahrgastzahlen in Bussen explodiert sind, weil sich Verbindungen verbessert haben. Wo hat sich das ÖPNV-Märchen denn zugetragen?

Konkret zum Beispiel rund um die Stadt Euskirchen im Rheinland. Hier betrug das Fahrgastaufkommen erst 140 000. Durch neue Konzepte konnte es auf fast fünf Millionen Passagiere gesteigert werden. Die Lehre daraus: Die Leute wollen Bus fahren, oft lässt man sie nur nicht. Als Vorreiter gilt generell die Schweiz mit ihrem vertakteten System, von Frauenfeld am Bodensee sprang hier der Funke nach Dornbirn und später Bregenz über. Dann ging es weiter mit Vorzeigestädten wie Lemgo oder Radolfzell.

Ein entscheidender Punkt ist das Umsteigen. Das war bislang nicht so oft nötig.

In der Schweiz zum Beispiel gehört Umsteigen zum Alltag. Hier in Deutschland ist das vielfach noch ein Problem. Die Haltestellen sind zu weit voneinander entfernt, Bus und Bahn warten nicht aufeinander – das ist kein Umsteigen. Wir als Verkehrsexperten sagen: Umsteigen muss „Backe an Backe“ passieren. Idealerweise teilen sich die Beförderungsmittel einen Bahnsteig. Dann klappt das auch mit dem Umsteigen, und die Scheu der Kunden wird abgebaut. Mit „Muldental in Fahrt“ wurden dafür in der Region die besten Voraussetzungen geschaffen.

Von Simone Prenzel

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